Psalm 25,15
Andachten
Meine Augen sehen stets zu dem HErrn, denn Er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.
Mit diesen Worten will David sagen: Ach mein lieber Gott! ich kann die große List meiner Feinde nicht sehen, noch die verborgenen Netze und Stricke, die sie mir gelegt haben; darum sehen meine Augen auf Dich: Ich weiß, Du wirst dieselben sehen, und mich davor bewahren. Die Augen unsers Herzens sind unser Glaube und unsere Hoffnung, die immer auf Gott sehen und sich nicht von ihm abwenden; sie haben die starke Zuversicht zu Ihm, Er sehe, kenne, wisse unsere Not, als ein allwissender Gott, und habe uns stets in Seinen Augen: Ich weiß alle deine Trübsal; Er wolle und werde auch als ein erbarmender Gott alle Not und Gefahr, List und Betrug des Teufels, der bösen Welt und aller unserer Feinde abwenden, dass unser Fuß in ihrem Netze nicht gefangen werde, nach der Verheißung im Ps. 37,39. Der HErr hilft den Gerechten, Er wird sie von den Gottlosen erretten, denn sie trauen auf Ihn. O wie mancher entrinnt, (gleich dem David) aus dem Netze und den Stricken seiner Feinde allein durch das starke Vertrauen zu Gott; denn Gott hat eine so erbarmende Vaterliebe, so eine getreue Liebe gegen diejenigen, die Ihm von Herzen vertrauen, dass Er sie nicht verlassen kann.
Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich; so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich. Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott; was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott? (Johann Arnd)
Meine Augen sehen stets zu dem Herrn; denn er wird meinen Fuß aus dem Netz ziehen. Wende dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend!
Der Jünger Augen hingen so fest an dem auffahrenden Herrn und an der Wolke, welche Ihn vor ihren Augen wegnahm, dass die Männer in weißen Kleidern erst kommen mussten und zu ihnen sagen: was steht ihr hier und seht gen Himmel, dieser Jesus wird kommen, wie ihr Ihn gesehen habt gen Himmel fahren. Ihre Blicke sollten also nicht an der sichtbaren Erscheinung des Herrn hangen, wie Er hier auf Erden gewandelt, sondern sie sollten ihre Seelen fassen in Geduld, und, wie St. Paulus schreibt: Trachten nach Dem, das droben ist, wo auch Christus ist, sitzend zur rechten Hand Gottes. In dem Sinne magst Du, Lieber, wohl sagen: Meine Augen sehen stets zu dem Herrn! und durch solches Sehen und Trachten wird Er gewiss auch Deinen Fuß aus dem Netze ziehen. Das Netz spannt also der alte, böse Feind und Seelen-Jäger nach uns aus, dass er uns drin verstricke, und lockt uns mit den fleischlichen Lüsten und Begierden. Davor schützt und bewahrt uns das Aufsehen zu dem Herrn, das Trachten nach oben. Alsdann haben wir auch den besten Trost in der Einsamkeit und im Elende. Denn dazu ist Jesus aufgefahren, dass Er hinfort nahe sei, ganz nahe einem Jeglichen, der zu Ihm aufsieht, und Niemand sich mehr einsam und verlassen fühle, denn Er wendet sich zu uns, und als der beste Freund ist Er uns gnädig; und hat sich gerade darum und dazu so hoch gesetzt, dass Er sehe auf Alles, was niedrig und einsam und elend ist auf Erden. So wird's uns ein gar schöner und glorreicher Fest- und Freudentag, dieser Tag Seiner Auffahrt, und wollen's allen Seinen und unsern Brüdern sagen, wie Er's der Maria befahl: Er ist aufgefahren zu Seinem Vater und zu unserem Vater, zu Seinem Gott und zu unserem Gott! O, Du lieber Herr und Bruder, Jesu Christ! lass Dein Herze mir zurück und nimm meines mit hinauf! (Nikolaus Fries)