Zuletzt angesehen: 1. Samuel 16,7

1. Samuel 16,7

1. Samuel 16,7

Andachten

Der Herr sieht das Herz an.
Dies pflegt ein Trostwort Derer zu sein, die zwar den guten Willen zu haben meinen, aber die Hindernisse, die seiner Ausführung entgegentreten, für zu groß und unüberwindlich halten. Sie verzagen, wenn die Verbreitung der erkannten Wahrheit oder die Vollführung eines guten Vorsatzes durch Schwierigkeiten von außen oder durch solche, die in ihrer eignen sinnlichen Natur liegen, gehemmt wird, sie kämpfen eine Weile dagegen an, er: matten dann aber und lassen es geben, wie's eben gehen will. Hatte das Herz vorher es aber wirklich ernst genommen, so muss doch jetzt auch eine Beruhigung da sein, und diese wird dann in dem Wort gefunden: „Der Herr sieht das Herz an; er weiß, ich habe es doch gut gemeint, und wird darum nicht so gar strenge richten.“ - Zunächst steht zwar jenes angeführte Wort: „Der Herr sieht das Herz an“ nicht im Gegensatze zu den menschlichen Taten. Denn in der Geschichte, in welcher es vorkommt, nämlich in der Erzählung von der Königsweihe Davids sollen damit die anderen Rücksichten abgewehrt werden, welche Samuel hätte nehmen können; er hätte zum Beispiel durch die schöne Gestalt Eliabs versucht werden können, diesen zu salben; drum heißt es gerade mit Bezug auf diesen: „Siehe nicht an seine Gestalt, noch seine große Person: ich habe ihn verworfen. Denn es geht nicht wie ein Mensch sieht; ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an.“ Zunächst also würde in allgemeiner Beziehung damit gesagt sein: „Rücksichten, wie wir Menschen sie nehmen, auf äußere Schönheit, Ehre, Ruf und Macht, solche Rücksichten nimmt der Herr nicht; er, der Herzen und Nieren prüft, urteilt nach dem Kern, nicht nach der Schale.“ Sene andere Beziehung auf die Werke aber wäre darum doch keineswegs ausgeschlossen, und auch in diesem Gegensatz behält es, wie wir namentlich zu Sac. 2,24 ausführlicher dargetan haben, seine Wahrheit, dass der Herr das Herz ansieht. - Deshalb aber kann dieser Ausspruch keineswegs als Entschuldigung gelten. Sieht der Herr aufs Herz, so sieht er auf den Glauben; das ist aber kein Glaube, der ohne Kraft wäre, Werke zu vollbringen; mit solchem toten Glauben kann der Herzenskundige nicht zufrieden sein. Mit diesem Worte kannst Du Dich nie entschuldigen, mein Christ; Du gibst damit zu erkennen, dass Du Dir selber gegenüber schuldig bist und Dich von dieser Schuld wenn auch nur durch Redensarten befreien musst; 'bist Du aber vor Dir selbst in Schuld, so bist Du's vor Gott gewiss, und es könnte mithin Dir gar nicht zum Trost gereichen, dass der Herr das Herz ansieht, ist doch Deine Herzensmeinung die, Gott richte mit noch größerer Schwachheit, als Du. Du hast den guten Millen gehabt, das wollen wir Dir glauben; Du führst das Wort des Herrn an: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Ja, so ist es einmal, aber hast Du Dich dadurch auch auf seine Ermahnung hinführen lassen: „Wacht und betet, dass Ihr nicht in Anfechtung fallt.“ Hierin findest Du die kräftige Gegenwehr; benutzt Du sie mit aller christlichen Weisheit, so wird es nie Dir in den Sinn kommen, Dich damit zu trösten, dass der Herr nicht auf die Taten, sondern auf das Herz sehe. (Heinrich Matthias Sengelmann)}


Ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der HErr aber sieht das Herz an.
Wenn ein Mensch die Verstellung nicht mit allem Fleiß gelernt hat, so kann man seine herrschende Neigung, oder dasjenige Gute oder Böse, was bei ihm in einem vorzüglichen Grad sich befindet, oder auch einen Affekt, worein er geraten ist, aus seinen Augen, aus seinem ganzen Angesicht, und aus seinen Gebärden und Bewegungen erkennen. Von Kain wird gesagt, dass seine Gebärde sich verstellt habe, da er einen Grimm wider seinen Bruder gefasst hatte. Salomo sagt Spr. Sal. 6,12.13.: ein loser Mensch, ein schädlicher Mann geht mit verkehrtem Munde, winket mit den Augen, deutet mit Füßen, zeiget mit Fingern. Ebendaselbst redet er V. 17. von hohen oder stolzen Augen, deren er auch K. 21,4. 30,13. Meldung tut. Spr. 17,24. sagt er: ein Verständiger gebärdet sich weislich: ein Narr wirft die Augen hin und her. Sirach sagt K. 26,12.: ein hurisch Weib kennt man bei ihrem unzüchtigen Gesicht, und an ihren Augen. Bei einem großen Schrecken können die Angesichter bleich (Joel 2,6.), und feuerrot werden (Jes. 13,8.). Wenn eine heitere Freundlichkeit aus dem Angesicht herausleuchtet, so heißt sie das Licht des Angesichts (Hiob 29,24.). Die Scham leuchtet aus dem Angesicht heraus, und alsdann schämt sich das Angesicht, Jes. 29,22., und der Mensch mag seine Augen nicht aufheben, Luk. 18,13. Ein starkes oder festes Angesicht aber hat derjenige, der ohne Rührung seiner Seele, folglich auch ohne Veränderung des Angesichts grausam sein, und andere schändliche Dinge tun kann, 5 Mos. 28,50. Dan. 8,23. Salomo sagt Pred. 8,1.: die Weisheit des Menschen macht sein Angesicht heiter, die Festigkeit, oder Schamlosigkeit aber des Angesichts verändert es. Moses und David werden in der heiligen Schrift wegen ihrer Bildung gepriesen, Ap. Gesch. 7,20. 1 Sam. 16,12. An der Gestalt des Eliab, des erstgebornen Bruders Davids, meinte der Prophet Samuel Kennzeichen eines Menschen wahrzunehmen, welcher tüchtig wäre, Israels König zu werden: allein der HErr sagte zu ihm: siehe nicht an seine Gestalt, noch seine große Person: Ich habe ihn verworfen. Denn es geht nicht, wie ein Mensch sieht: ein Mensch sieht, was vor Augen ist, der HErr aber sieht das Herz an. Das Herz oder das Innerste der Seele ist also verborgener als die Gestalt des Menschen, und fasst noch viel mehr in sich, als aus dieser herausleuchtet. Es ist das (natürliche) Herz ein trotzig und verzagt Ding, wer kann’s ergründen: Ich der HErr kann das Herz ergründen, und die Nieren (verborgene Begierden) prüfen, und gebe einem Jeglichen nach seinem Tun, nach den Früchten seiner Werke, Jer. 17,9.10. Daraus folgt aber, dass wir uns auf unser Urteil von einem Menschen, den wir nach dem Ansehen schätzen, nicht allzusehr verlassen sollen. Es kann etwas jetzt nicht aus seinem Angesicht herausleuchten, doch aber in seinem Herzen auch ohne sein Wissen verborgen liegen, bei der nächsten Gelegenheit aber aufwachen, aufsteigen, und alsdann auch an seiner Gestalt sichtbar werden; da dann unser Urteil zu Schanden gemacht ist. Weil auch Gott unser Herz ansieht, sollen wir uns nicht auf unsere gute Meinung von uns selbst verlassen, sondern den HErrn bitten, dass Er uns unsere Herzen aufdecke, und sie läutere, damit der Rat derselben immer gut und lauter sei. Auch sollen wir die Wege und Gerichte Gottes nie tadeln, denn sie sind nach der uns verborgenen Beschaffenheit der Herzen eingerichtet. (Magnus Friedrich Roos)


Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.
Man richtet sein Tun und Lassen, auch wo man eben nichts Böses im Sinne hat, den Menschen in die Augen, das Herz aber behält man im Geheim, und wäre Einem nicht lieb, wenn Menschen da hineinsehen könnten. Vor Gott gilt's nicht. Alle Eigenschaften Gottes, z. B. sein Allwissenheit, Allgegenwart rc. müssen den Feinden Gottes etwas Schreckliches sein; aber denen, die seine Liebe in Christo erkannt, und seine Barmherzigkeit in der Vergebung erfahren haben, sind sie lieblich und tröstlich. Alle Werke, Worte, Gedanken, auch nicht ganz entwickelte Ratschläge des Herzens, die sich eingedrückt und eingeschrieben haben, werden einst sonnenhell dargestellt werden. Ach, durchrichte und durchreinige uns noch in diesem Leben mit deinem heiligen Blute, Herr Jesu! (Aus Hillers Schatzkästlein und J. Mich. Hahns Liederkästlein.)


Der Herr Sprach zu Samuel: „Siehe nicht an seine Gestalt, noch wie groß und hoch er ist; denn ich habe ihn verworfen. Denn es gehet nicht, wie ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht nach dem, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.
„Der Herr sieht nicht an, was der Mensch ansieht.“ Er sieht nicht auf die Vorzüge des Körpers oder des Geistes, noch auf den Rang oder Stand, den man in der Welt einnimmt; Er schätzt die Menschen nicht nach ihrer Schönheit oder ihrer Herkunft, nicht nach ihren Reichtümern oder Talenten. Alles dieses ohne ein erneuertes Herz ist in Seinen Augen nichts; dagegen aber können wir Ihm wohl ohne dies Alles gefallen. Der Herr holte David von den Schafhürden, um ihn auf den Thron Israels zu erheben; weil Er ihn erfunden hatte als einen Mann nach Seinem Herzen, der allen Seinen Willen gerne tun würde. Jesus, der eingeborne Sohn Gottes, verachtete das, worauf die Menschen sehen: er ward geboren in einem Stalle, von armen Eltern; er lag in einer Krippe; er schämte sich nicht, des Zimmermanns Sohn genannt zu werden, ja selber ein Zimmermann zu sein. (Marc. 6, 3.) Auch sah er bei der Wahl seiner Apostel nicht auf das, worauf die Menschen sehen. Er nahm sie aus den Fischern, den Zöllnern, den Galiläern, aus Leuten, deren Name schon beinahe eine Schmach war. Er selber war in den Tagen seines Fleisches öfters umringt von Menschen mit verrufenen Sitten, deren Gesellschaft ihm den Vorwurf zuzog: „Du bist der Zöllner und Sünder Freund.“ JEsus, der als Gott und nicht als Mensch urteilte, sah in diesen, von den Gerechten dieser Welt verachteten Menschen, wirklich gedemütigte Seelen, Seelen, die da hungerte und dürstete nach der Gerechtigkeit, und darum nahm er sie auf mit Liebe. Zu allen Zeiten berief Gott seine Auserwählten weit öfter aus den Kleinen, als aus den Großen dieser Welt. Er verachtet also das, worauf der Mensch sieht, und vernichtet dadurch den Stolz auf äußere Vorzüge. „Hat nicht Gott“, spricht Jakobus (2, 5.), „erwählet die Armen dieser Welt, die am Glauben reich sind?“ (Auguste Rochat)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
at/09/1._samuel_16_7.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain