2. Thessalonicher 1,8
Andachten
Jesus Christus wird mit Feuerflammen offenbar werden, und Rache geben über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers HErrn Jesu Christi.
Wem das Evangelium oder die ganze Lehre Jesu Christi gepredigt wird, bei dem ist es nicht gleichgültig, ob er demselben gehorsam werde oder nicht. Man muss ihm aber gehorsam sein durchs Glauben und durchs Tun. Indem ich die Verkündigung von der geschehenen Erlösung glaube, indem ich die Zusage von der Mitteilung des Geistes und von der Gabe des ewigen Lebens glaube, unterwerfe ich meine Vernunft, die vorher anders gedacht hatte, der göttlichen Wahrheit und Weisheit, und werde nach meiner innersten Gesinnung und nach meinen ausgewickelten Gedanken dem Wort Gottes untertan, weswegen auch Paulus Röm. 1,5. 16,16. von einem Glaubensgehorsam, oder von einem Gehorsam, der im Glauben besteht, geschrieben hat. Insofern aber das Evangelium im weiten Verstand oder die Lehre Jesu Christi Gebote enthält, zu deren Haltung der Heilige Geist gegeben wird, insofern muss ich auch demselben durchs Tun gehorsam sein. Ich muss die Gebote meines HErrn durch die Kraft, die Er mir dazu darreicht, halten, ich muss dem Evangelio würdig wandeln. Ich muss im Licht, in der Liebe, in der Wahrheit wandeln, und als eine Rebe an Ihm Frucht tragen. Dieses Alles ist nicht gleichgültig. Ich darf mich auch nicht auf das Beispiel derer berufen, die das Evangelium nie gehört haben. Gott mag diesen nachsehen, was Er will: ich aber kann diese Nachsicht nicht erwarten, denn mir ist das Evangelium verkündigt worden. Ich darf mich auch nicht mit dem Unvermögen meiner Natur, noch mit der argen Welt, die mich umgibt, noch mit der Gewalt und List des Satans entschuldigen, denn das Evangelium bietet mir alle Gnade an, die zu meiner Wiedergeburt, Rechtfertigung, Reinigung und Stärkung, wie auch zum Sieg über die Welt, und zum Widerstand, den ich dem Satan tun soll, nötig ist. Wie will ich also entfliehen, wenn ich die durchs Evangelium mir verkündigte und mir angebotene Seligkeit nicht achte? (Hebr. 2,3.) Wie wird’s mir gehen, wenn ich dem Evangelio meines HErrn Jesu Christi nicht gehorsam bin? Paulus sagt 2 Thess. 1,7.: der HErr Jesus werde vom Himmel offenbart werden mit den Engeln Seiner Kraft, das ist mit den Engeln, die Er zu starken Helden gemacht hat, durch die Er die größten Werke ausgerichtet, und denen sich keine menschliche Macht widersetzen kann. Was Er nun am Tage Seiner Offenbarung durch diese Seine starken Diener ausrichten werde, steht 1 Thess. 4,16. und Matth. 13,41.42.49.50. geschrieben. Er wird aber auch mit einer Feuerflamme offenbar werden, und dieses Alles durchdringende und schnell wirkende Feuerflamme wird nicht nur den Himmel und die Erde verzehren (2 Petr. 3,10.11.12.), sondern der HErr Jesus wird auch durch dieselbe alle Werke prüfen (1 Kor. 3,13.), aber auch an allen denjenigen Rache oder eine Strenge Gerechtigkeit ausüben, die jetzt Gott nicht erkennen, und Seinem Evangelio nicht gehorsam sind. Worin diese gerechte Strenge bestehen werde, sagt Paulus alsbald hernach: sie werden nämlich Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des HErrn (welches mit einem schrecklichen Zorn gegen sie gekehrt sein wird), und von Seiner herrlichen Macht, welche Er anwenden wird, sie zu strafen. . (Magnus Friedrich Roos)
Rache zu geben über die, so Gott nicht erkennen, und über die, so nicht gehorsam sind dem Evangelio unsers HErrn JEsu Christi, welche werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des HErrn und von Seiner herrlichen Macht.
Dass die Ungläubigen keinen Teil haben werden an der Herrlichkeit Christi, das schreckt sie nicht, denn sie verlangen gar nicht danach. Wie sie auf Erden ohne Christum leben, so sind sie auch zufrieden mit einem Himmel ohne Christum, wenn es einen solchen geben könnte. Selbst, dass sie gestraft werden sollen über ihre Ungerechtigkeit, macht sie nicht bange, denn sie halten dafür, dass diese Strafe vorübergehe. Aber das sollte ihnen doch durch die Seele dringen, dass sie werden Pein leiden, das ewige Verderben von dem Angesicht des HErrn. Denn sie werden dieses Angesicht nur mit Angst und Schrecken sehen können. Und das wird sie brennen wie Feuerflammen und nagen wie ein Wurm, es wird auf ihnen lasten schwerer wie Hügel und Berge, sie werden fliehen wollen und können es nicht, sie werden nach Rettung schreien und finden sie nicht, weil eine Errettung aus dem Verderben unmöglich ist. So wenig das ewige Leben der Seligen ein Ende nehmen kann, eben so wenig wird auch die Pein jemals ein Ende haben, wie der HErr JEsus klar und deutlich spricht, dass ihr Wurm nicht stirbt und ihr Feuer nicht verlöscht. Täusche sich also niemand! Wer JEsum hier verwirft, der wird dort verworfen, und wer hier bis an das Ende im Ungehorsam beharrt, der wird dort das Verderben ernten. So lehrt das Wort Gottes.
Gnadenreicher Gott, lass uns die Zeit unserer Bereitung erkennen, dass sie uns eine Gnadenzeit werde und eine Freudigkeit wirke auf den Tag des Gerichtes. Stärke unsern Glauben und lass unsere Liebe völliger werden; hilf uns alle Trübsal geduldig ertragen und fest beharren bis an das Ende, dass wir in Christo JEsu erfunden werden; denn es ist ja nichts Verdammliches an denen, die in Christo JEsu sind. Das hilf uns, lieber HErr, um Deiner großen Barmherzigkeit willen. Amen. (Hermann Haccius)