Galater 5,6
Andachten
In Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.
Paulus hat seinen Gemeinden gesagt: für eure Verbundenheit mit dem Christus trägt weder eure jüdische noch eure griechische Art etwas aus. Sie einigt euch nicht mit ihm und trennt euch nicht von ihm. Durch Christus ist euch einzig der Glaube, der Christus anhängt, zum Quell der Kraft und des Lebens, zum Bund mit Gott und zum Anteil an seinem Reich gemacht. Nun haben wir aber auch eine Aufgabe an den Menschen. Wie steht es mit ihr, wenn der Glaube meinen Blick zum Vater emporhebt und mein Verlangen zu seinem Sohn hinzieht und mich der Leitung seines Geistes gehorsam macht? Würde mich der Glaube, weil er das sucht, was droben ist, untätig machen, so machte er mich unfähig für das, was meine Stellung in der Welt von mir verlangt. Aber diese Sorge ist töricht. Denn der Glaube macht jeden, der ihn hat, tätig, weil er eine Gehilfin bei sich hat, die zu jeder Arbeit willig und tüchtig ist. Das ist die Liebe. Sie wird in uns geboren, sowie uns der Glaube gegeben ist. Christus gibt sie jedem, den Er im Glauben an sich zieht. Dadurch zieht er mich ja weg von dem, was ich selber bin, nimmt meinem eigensüchtigen Willen die Herrschaft über mich, zeigt mir Gottes Herrlichkeit, bringt mir Gottes Liebe und gewährt mir Gottes Gaben. Liegt der Grund meines Lebens nicht mehr in mir, sondern über mir, so ist auch das Ziel meines Handelns aus mir heraus verlegt und über mich emporgestellt. Die Liebe ist aber ein tätiger Wille; sie sucht nicht nur Ziele und Mittel zum Werk, sondern sie findet sie auch. Denn sie gibt mir das sehende Auge, das sich wach zu den anderen wendet, und füllt mir die gebende Hand, die ihnen reicht, was heilsam ist. Darum weil der Glaube die Liebe bei sich hat, gibt er uns die Tüchtigkeit, die in treu vollbrachter Arbeit unseren Beruf erfüllt.
Alles, was ich bedarf, wird mir, mein Gott, in Deinem Wort gezeigt und durch Deine Hilfe geschenkt. Vor Dir brauche ich den festen Stand, den Stand des Kindes in Deinem Haus. Du gibst ihn mir, weil ich Dir glauben darf. Ich brauche aber auch Trieb und Kraft für mein Werk. Du gibst sie mir, weil Du die Liebe bist und sie denen gibst, die Dich kennen. Ich begehre nach Deinen Gaben. Fülle meine Tage mit einem redlichen Werk, das Deinen Willen tut. Amen. (Adolf Schlatter)
In Christo Jesu gilt nichts, als der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.
Man kann das Licht eher von der Sonne, als die Liebe vom Glauben scheiden. Der Glaube ist eine verborgene Kraft des Herzens, welche mit Christo handelt ohne jemandes Wissen oder Zutun; die Liebe aber ist der Glanz, welchen der Glaube von sich gibt. Der Glaube ist die Seele und das Leben des Christentums, die Liebe aber mag man mit der natürlichen Wärme vergleichen; wenn diese im Körper zu verlöschen beginnt, so ist es eine Anzeige, dass die Seele im Abzuge begriffen oder schon abgeschieden ist. Ein bußfertiger und gläubiger Christ kann ohne Liebe nicht sein, denn weil der Glaube sein Herz mit dem Herzen Jesu vereinigt, und er aus demselben seine Gerechtigkeit, seinen Geist und Leben schöpft, so wird er auch von dem in Liebe flammenden Herzen des Herrn Jesu entzündet und mit göttlicher Liebe erfüllt. Jesum kann niemand recht erkennen, oder er muss ihn auch lieben; wer ihn aber liebt, der muss auch Gott lieben, der ihn uns aus großer Liebe geschenkt hat. Dieses lehren die Beispiele aller gläubigen Kinder Gottes, welche man zwar ohne Geld, ohne weltliche Freude und Lust, ohne Pracht, ohne Ansehen öfters, aber ohne Liebe zu Gott und ihrem Nächsten niemals gefunden hat. Ein Christ ohne Liebe ist wie ein gemaltes Bild oder wie ein toter Leichnam, der schön angetan und mit Blumen bestreut ist, oder, nach des Apostels Vergleichung, ein tönend Erz und eine klingende Schelle, 1. Kor. 13, 1. 2, und mit einem Worte: nichts. Wenn nun ein Christ keine Liebe zu Gott bei sich findet, so ist es eine Torheit, dass er sich einbildet, er habe den gerecht- und seligmachenden Glauben; wo Glaube ist, da muss Christus sein und im Herzen wohnen; wo aber Christus ist, da muss Liebe sein, denn er ist lauter Liebe und Güte. Man kann keine glühende Kohle in der Hand tragen, dass sie nicht sollte brennen; man kann kein Licht in eine Leuchte setzen, dass es nicht sollte scheinen, und also kann man Christum im Glauben nicht fassen und besitzen, dass er nicht sollte unser Herz in Liebe entzünden. Wer die Liebe, Langmut und Güte Gottes genossen, wer durch das Blut Jesu, das aus Liebe vergossen ist und allezeit von Liebe wallt, gerecht geworden, wem so viel Sünden vergeben sind, wer den Geist der Liebe empfangen hat, wer in der Gemeinschaft Jesu Christi lebt, wie sollte der seinen Gott nicht lieben? Ich kann nicht sagen, wie ungereimt es mir vorkommt, wenn ich mir einen bußfertigen und gläubigen Christen ohne göttliche Liebe vorstellen soll; Liebe gebiert Liebe, ein Feuer das andere. Darum setzt auch der Geist Gottes den Glauben und die Liebe so oft beieinander: „Nun aber“, spricht der Apostel, „bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die größte unter ihnen“. 1. Kor. 13, 13, und abermals: „Halte an dem Vorbilde der heilsamen Worte, die du von mir gehört hast, vom Glauben und der Liebe in Christo Jesu. 2. Tim. 1, 13. (Christian Scriver)