2. Korinther 4,13
Andachten
Dieweil wir denselben Geist des Glaubens haben, wie geschrieben steht: ich glaube, darum rede ich; so glauben wir auch, darum so reden wir auch.
Der Apostel Paulus führt diese Worte aus Ps. 116,10. als den Grund an, warum er und seine Mitarbeiter am Evangelio sich durch keine Gefahr und Not abschrecken lassen, die lautere, seligmachende Wahrheit mutig zu bekennen.
Der Verfasser des angeführten Psalmen erzählt daselbst viele innerliche und äußerliche Anfechtung, die ihn von Zeit zu Zeit betroffen hätten. Er sagt z.B. V. 3.: Stricke des Todes hatten mich umfangen, und Angst der Höllen hatte mich getroffen: ich kam in Jammer und Not. Im 8. Vers rühmt er seinem Gott nach: Du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. Und V. 11. macht er eine innerliche Anfechtung namhaft, die ihm je und je in seinem Gemüt viel zu schaffen gemacht habe, da er sagt: ich sprach in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner. Wie kam’s nun, dass der liebe Mann unter allen diesen Nöten sich dennoch nicht mundtot machen ließ; sondern gleichwohl eines teils zu Gott um Hilfe zu schreien (V. 4.), andern Teils aber auch gegen den Menschen sein Vertrauen auf Gott zu bezeugen (V. 13. f.) nicht ablassen konnte? Daher kam’s, dass er den Geist des Glaubens hatte. Ich glaube, sagt er V. 10., darum rede ich.
Ebenso war’s auch dem lieben Apostel Paulus und seinen gleichgesinnten Amts- und Glaubensbrüdern zu Mut. An innerlichen und äußerlichen Leiden fehlte es ihnen auch nicht, denn er sagte 2 Kor. 4,8. und ff.: wir haben allenthalben Trübsal, aber wir ängsten uns nicht; uns ist bange, aber wir verzagen nicht; wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen; wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um; und tragen um allezeit das Sterben des HErrn Jesu an unserem Leibe - - , (denn, setzt er vollends hinzu) wir, die wir leben, werden immerdar in den Tod gegeben um Jesu willen etc. Nachdem nämlich Stephanus, Jakobus, und andere Zeugen Jesu bereits wegen des Bekenntnisses Christi den Märtyrertod erlitten hatten, so nahm es Paulus unter den damaligen Umständen für bekannt an, dass die feindselige Welt es ihm und seinen Amtsgehilfen nicht besser machen würde; und sah also sich und seines Gleichen für nichts Anderes, als für Schlachtschafe an, wie er sich röm. 8,36. ausdrückt. Warum ließen sie sich denn nicht müde machen, das der Welt so verhasste Evangelium zu predigen? War denn diese überschwängliche Kraft, dieser alles besiegende Mut von ihnen selbst? Waren sie eben von Natur so außerordentlich beherzte, standhafte Leute? Nein! sagt Paulus V. 7., die Kraft war von Gott; und das erklärt er sodann in unserem Spruch noch weiter, da er sagt: dieweil wir aber denselbigen Geist des Glaubens haben, den David hatte, (nachdem geschrieben steht: ich glaube, darum rede ich) so glauben wir auch: darum so reden wir auch.
O was ist’s für ein mächtiges Ding um den Geist des Glaubens! und wie sehr ist derselbe vom bloßen Willen, von einer toten buchstäblichen Erkenntnis der Wahrheit unterschieden! Wer glaubt, der redet. Am Reden ist mehr gelegen, als man insgemein bedenket: und wo es an dem Bekenntnis des Mundes gegen Gott und Menschen fehlet, da fehlt’s gewiss auch am Glauben des Herzens. So sei denn auch unser Entschluss dieser: wir glauben, darum reden wir auch. (Magnus Friedrich Roos)
Paulus schrieb Tit. 1,10.11., es gebe viel freche und unnütze Schwätzer, und Verführer, welchen man das Maul stopfen müsse, die da ganze Häuser verkehren, und lehren, das nicht tauge, um schändlichen Gewinns willen, und Judas redet V. 11. von Leuten, die in den Irrtum Bileams fallen, folglich böse Räte zum Sündigen geben, um Genießens willen. Röm. 2,18-1. aber ist von Leuten die Rede, welche den Willen Gottes wissen, und Andere (die Wahrheit) lehren, sich selber aber nicht lehren. Alle diese Leute reden, und haben den Geist des Glaubens nicht. Der Geist des Glaubens lehret die Wahrheit reden, von welcher man selber überzeugt ist, und die man sich selber zu Nutze macht. Er stärkt auch den Redenden, dass er nicht schweigt, ob er schon wegen seiner Reden sehr geplagt wird, wie Ps. 116,10. hinzugesetzt wird. Der Trost, den sich Paulus durch den Geist des Glaubens vorhielt, und den sich ein jeder Zeuge der Wahrheit vorhalten darf, ist dieser: wir wissen, dass der, so den HErrn Jesum hat auferweckt, wird uns auch auferwecken durch Jesum, 2 Kor. 4,14., und dieser: unsere Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige und über alle Maßen wichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, das ist ewig, V. 17.18.
Niemand denke, dass der Geist des Glaubens, der zum Reden tüchtig macht, nur denen, die im Predigtamt stehen, unentbehrlich sei, denn ein jeder Christ ist schuldig, den Namen Jesu vor den Menschen zu bekennen. Es gibt auch Fälle, da man Ihn entweder bekennen, oder verleugnen muss. Wie blöd sind aber Viele! Wie sehr fürchten sie die Schmach und Ungunst der Menschen! David sagt Ps. 119,15.46.: ich rede, was Du befohlen hast, und schaue auf Deine Weg. Ich rede von Deinen Zeugnissen vor Königen, und schäme mich nicht. Der 116. Psalm, aus welchem Paulus die obenstehenden Worte angeführt hat, ist ein Teil des Lobgesangs, welchen Christus vor Seinem Gang in den Garten Gethsemane, wo Sein letztes Leiden anfing, mit Seinen Jüngern gesprochen hat. Wie vollkommen taugen die Worte für Ihn: ich glaube, darum rede ich, ich werde aber sehr geplagt. Er hatte immer frei öffentlich gelehrt und geredet, was Er glaubte, ob Er schon deshalb geschmäht wurde. Auch in Seinem letzten Leiden redete Er noch, und legte vor dem jüdischen Rat und vor dem Pilatus ein gutes Bekenntnis von Sich selbst, als dem Sohn Gottes, und dem König Israels ab, ob Er schon wusste, dass wegen desselben das Todesurteil über Ihn werde ausgesprochen werde. Er gebe uns von Seinem Geist, dass Er uns als ein Geist des Glaubens reden lehre, wo es nötig ist, und die Furcht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten mögen, aus unsern Seelen wegnehme. Ohne den Geist des Glaubens stellt man sich der Welt gleich, redet, was ihr gefällt, billigt, was sie tut, lobt, was sie lobt, tadelt, was sie tadelt, und die Gunst, die man dadurch bei ihr erlangt, ist der Lohn, den man dahin nimmt. Wie wird man aber erschrecken, wenn der HErr Jesus, dessen man sich unter dem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht geschämt hatte, in der Herrlichkeit Seines Vaters mit den heiligen Engeln kommen wird! (Magnus Friedrich Roos)