2. Korinther 11,3
Andachten
Die Einfältigkeit in Christo.
„Ich fürchte, dass nicht, wie die Schlange Evam verführte mit ihrer Schalkheit, also auch eure Sinne verrückt werden von der Einfältigkeit in Christo.“ So schreibt der Apostel 2 Kor. 11,3. Wir sind oft ohne Furcht und Besorgnis, weil wir entweder gar nicht merken, was geschieht, oder in dem, was geschieht, das Gefährliche nicht sehen. Da ist es eine Wohltat, wenn ein Gerechter uns freundlich schlägt und weckt mit Bezeugung seiner Furcht und Besorgnis unsretwegen. Von der Einfältigkeit, die unsere Mutter Eva sprechen lehrte: „Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: esset nicht davon, rührt's auch nicht an, dass ihr nicht sterbt!“ - von dieser Einfältigkeit wurden ihre Sinne unversehens verrückt. Sie schämte an, dass von dem Baum gut zu essen wäre, und lieblich anzusehen, dass es ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und nahm von der Frucht, und aß, und gab ihrem Manne auch davon und er aß. Wodurch unsere Eltern steigen wollten, dadurch fielen sie. Was sie durch Hintansetzung des Wortes Gottes gewinnen wollten, gewannen sie nicht nur nicht, sondern verloren auch, was sie hatten. Lasst uns nicht sicher sein, sondern uns fürchten, dass nicht also auch unsere Sinne verrückt werden von der Einfältigkeit in Christo. Wenn wir wissen, dass in keinem andern Heil ist, als in Christo; dass Christus alles in allem ist, dass er uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung und zur Erlösung; dass er als der einige Mittler zwischen Gott und den Menschen selig machen kann alle, die durch ihn zu Gott kommen, und also unseres Heiles Anfang, Fortgang und Vollendung darin steht, dass wir zu ihm kommen, ihm anhangen und ihm nachfolgen; dann lasst uns auch als solche verhalten, die das wissen. Lasst uns mit ganzem Herzen an Christo sein, und uns an seiner Gnade genügen. Unsere Weisheit sei die, dass wir wissen, was uns von Gott in Christo gegeben ist; unsere Gerechtigkeit sei die, welche durch den Glauben an Christum kommt; unsere Heiligung sei die, dass wir in ihm und durch ihn viel Frucht bringen; und unsere Erlösung sei die, dass er uns einmal erlöst von allem Übel und uns hilft zu seinem himmlischen Reich, da wir ganz sein Eigentum sein werden zu Lobe seiner Herrlichkeit. Nicht die vielfache Sorge und Mühe für das Leibliche verrücke deine Sinne von der Einfältigkeit in Christo. Denn Eins ist Not, und das geht allem anderen vor. Nicht der Ungläubigen Hin- und Herreden über und wider Christum mache dich irre an ihm. Selig bist du, wenn du aus Erfahrung seiner Kraft sagen kannst: „Was ihr wissen wollt, das weiß ich nicht; eins weiß ich wohl, dass ich blind war und bin nun sehend.“ Kurz, achte du alles, wie es auch heiße und gleiße, gegen der überschwänglichen Erkenntnis Christi für Schaden. Der Friede Gottes, welcher höher ist denn alle Vernunft, bewahre dir Herz und Sinne in Christo Jesu. Gnade sei mit dir und mit allen, die da lieb haben unseren Herrn Jesum Christ unverrückt. Amen. (Carl Philipp Johann Spitta)
Ich fürchte, dass nicht, wie die Schlange Eva verführte mit ihrer Schalkheit, also auch eure Sinnen verrückt werden von der Einfältigkeit in Christo.
Wenn Eva in der Prüfung, welche Gott über sie kommen ließ, wohl hätte bestehen wollen, so hätte sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Wort Gottes: von dem Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben, wenden sollen. Sie hätte sich nach diesem Wort demütig und treulich richten sollen, wenn sie auch nicht gewusst hätte, warum Gott das Essen von diesem Baum ihr und ihrem Mann verboten habe, ja, wenn sie auch nicht deutlich verstanden hätte, was der angedrohte Tod mit allen seinen Folgen sei; denn es konnte ihr genug sein, wenn sie nur wusste, dass er das Gegenteil von dem Leben, und ein großes Übel sei. Die Schlange aber hat sie mit ihrer Schalkheit verführt, wie sie denn selber hernach sagte: die Schlange betrog mich. Die Schalkheit der Schlange bestand darin, dass sie die Aufmerksamkeit der Eva auf die reizenden und scheinbaren Lügen, welche sie ihr vorsagte, und auf den schönen Baum und dessen Früchte hinlenkte, da dann der Fall in die Sünde schnell erfolgte. Nun sagt Paulus, der diese Geschichte nach ihrem buchstäblichen Sinn anführte, und dadurch die Wahrheit derselben nach diesem Sinn bestätigte: er fürchte, die Sinne der Korinther möchten auf eine gleiche Weise von der auf Christum zu richtenden Einfältigkeit verrückt werden. Die heilige Schrift weist uns nämlich überall auf den Glauben an Christum, und bezeugt aufs ernstlichste, dass man dadurch allein die Seligkeit erlange. Sie nennt diesen Glauben auch Zuversicht, Vertrauen, Hungern, Dürsten, Kommen, Aufschauen, Ansehen, Annehmen, Empfangen, Bauen und erbaut werden, und leitet daraus das Gebet, den Frieden mit Gott, das Halten Seiner Gebote, und die Geduld und Hoffnung in dem Leiden her. In diesem Allem soll sich nun ein Christ immer finden lassen. In diesem Element soll er leben und schweben, in dieser Bahn soll er laufen; und dieses ist die auf Christum gerichtete Einfältigkeit. Die Einfältigkeit überhaupt besteht darin, dass ein Mensch, der einen gewissen Zweck vor sich hat, nur auf das Einige aufmerksam ist, das ihm zu diesem Zweck verhelfen kann. Die Bedürfnisse unsers armen Lebens und die gesellschaftlichen Verbindungen, worin wir stehen, nötigen uns, an Vieles zu denken, oder auf Vieles aufmerksam zu sein, allein wenn wir Frieden und Kraft, Licht und Leben, Gnade und Wahrheit, Freiheit und Seligkeit suchen, so ist nur Einer, der mir dazu verhelfen kann, nämlich Christus. Ich habe also nur auf Einen zu sehen, nämlich auf Christum, nur an Einen zu glauben, nur Einem anzuhangen, nur in Einem erfunden zu werden, nämlich in Christo. Der Vater und der Heilige Geist sind freilich nicht ausgeschlossen, denn die drei himmlischen Zeugen, der Vater, das Wort und der Heilige Geist, sind Eins, und der Vater ist in Christo und Christus in dem Vater, auch ist der Heilige Geist der Geist des Vaters und des Sohnes. Übrigens ist Christus insbesondere der einige Mittler zwischen Gott und den Menschen, der einige Weg zum Vater, der einige Fürsprecher bei dem Vater, und nach diesem Verhältnis hält sich der Glaube an Ihn allein. Johannes ruft uns zu: Kindlein, bleibt bei Ihm, auf dass, wenn Er offenbart wird, wir Freudigkeit haben, und nicht zu Schanden werden vor Ihm in Seiner Zukunft. 1 Joh. 2,28. . (Magnus Friedrich Roos)
Ich fürchte, dass nicht eure Sinnen verrückt werden von der Einfältigkeit auf Christum.
Es war in der korinthischen Gemeinde über dem parteiischen Anhangen an begabte Lehrer ein Zwiespalt entstanden, 1 Kor. 1,11. Weil aber sowohl Paulus, als auch Apollo und Petrus Christum lauter predigten, so konnte der Zwiespalt nur über der Verschiedenheit ihrer Gaben und ihres Vortrags, und über den Lehrpunkten, die einer von dem andern vorzüglich trieb, entstanden sein. Ob nun gleich Paulus sie wegen dieser und andern Ausschweifungen in seinem ersten Brief bestraft, und von der zanksüchtigen Beobachtung der Lehrer auf Christum gewiesen hatte, so hielt er doch für nötig, in seinem zweiten Brief noch Einiges nachzuholen, und insonderheit sein Apostelamt ausführlich zu verteidigen, weil er befürchtete, die Verachtung desselben möchte die Verachtung des von ihm gepredigten Evangeliums nach sich ziehen. Gleichwie er im ersten Brief vornämlich auf diejenigen, die apollisch heißen wollten, seine Absicht gerichtet hatte, also weist er im zweiten Brief vornämlich diejenigen zurecht, die den Kephas und alle sogenannten hohen Apostel ihm vorziehen wollten, handelt aber dabei weitläufig von seinen Schwachheiten oder Leiden, um ihnen zu bedeuten, dass sie ihn zwar als einen Apostel erkennen, aber auf einen so geplagten elenden Menschen, wie er sei, nicht zum Nachteil des Glaubens an Christum sehen, folglich nicht auf eine parteiische Weise paulisch heißen sollen. Bei dem Anfang dieser Abhandlung sagt er mit einem großen Ernst: ich fürchte, dass nicht eure Sinnen verrückt werden von der Einfältigkeit auf Christum. Es ist eine sehr zarte Sache um diese Einsichtigkeit, und es sind nicht eben grobe Laster nötig, um davon abgebracht zu werden, sondern es kann’s ein aufblähendes und kraftloses Wissen, und das parteiische Anhangen an einen jeden Menschen tun. Die Sinnen, von denen Paulus redet, sind geistliche Sinnen oder Fähigkeiten der wiedergeborenen Seele, wodurch sie Christum als den einigen Seligmacher erkennen und genießen kann. Eines Lehrers Schuldigkeit ist, nicht sich selber, sondern Christum zu predigen, der übertriebenen Hochachtung seiner zu wehren, und die Zuhörer auf Christum zu weisen, ja Ihm zuzuführen, 2 Kor. 11,2.; der Zuhörer Schuldigkeit aber ist, sich Christo zuführen zu lassen, und Ihm allein anzuhangen. Wer in der Einfältigkeit auf Christum steht, sagt von Herzen: ich rühme mich keines Menschen, sondern des HErrn, 1 Kor. 1,31., ich weiß nichts als Christum den Gekreuzigten, 1 Kor. 2,2. Es ist Alles mein, ich brauche alles zu meiner Förderung: ich aber bin Christi, Christus aber ist Gottes, 1 Kor. 3,22.23. Die Einfältigkeit auf Christum führt bei einer ausgebreiteten Liebe eine genaue Bewahrung des Evangeliums von Christo mit sich, und da sie viele Dinge als Mittel gebraucht, so hält sie doch Christum allein für den Gegenstand ihres Vertrauens, und für die einzige Quelle des Heils. Wenn eine Lehre auch wahr ist, so ist sie doch, wenn sie ein Religionsunterricht sein soll, eine lose Verführung, wenn sie nicht nach Christo ist, oder auf Christum weist, und Alles aus Ihm herleitet. Wer das Gewissen beruhigen will ohne die Gerechtigkeit Christi, und wer die Menschen fromm machen will, und die Frömmigkeit nicht aus dem Tod, Leben und Geist Jesu herleitet, ist entweder ein vorsätzlicher oder ein unwissender Betrüger. (Magnus Friedrich Roos)