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1. Korinther 15,10

1. Korinther 15,10

Andachten

Von Gottes Gnade bin ich, das ich bin.
Indem Paulus schrieb: Von Gottes Gnade bin ich, das ich bin, so dachte er nicht an dasjenige, was er mit gottlosen Menschen gemein hatte, sondern er achte an den Stand, worin er als ein Jünger und Knecht Jesu Christi stand. Ich bin der geringste unter den Aposteln, sagte er, als der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, darum, dass ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber von Gottes Gnade bin ich, das ich bin: und Seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, denn sie Alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist. Dasjenige also, was er von Gottes Gnade war, deuchte ihm sehr groß und wunderbar zu sein, weil er vorher die Gemeinde Gottes verfolgt hatte. Er war also nicht wert, ein Werkzeug Gottes zur Ausrichtung vieler und großer Dinge zu sein: aber Gottes Gnade, die mit ihm war, hatte Alles durch ihn ausgerichtet.
Wer bin ich nun von Gottes Gnade? Bin ich ein Kind Gottes? Und bin ich in meinem Stand ein Knecht oder eine Magd Gottes? Hat mich Seine Gnade zu etwas gemacht, das ich vorher nicht war? Und habe ich bisher nur selber gearbeitet, oder hat die Gnade Gottes, die mit mir ist, durch mich etwas gewirkt und ausgerichtet? Diese Fragen sind wichtig; und wenn sie bejaht werden können: so folgt daraus, dass sich derjenige, von dem sie bejahet werden, dessen, was er ist, und was er ausrichtet, nicht rühmen dürfe. Er ist, was er ist, aus Gottes Gnade, und eben diese Gnade hat alles Gute durch ihn ausgerichtet. So sei denn Gott allein die Ehre!
Wenn man aus Gottes Gnade ist, was man ist: so soll man sich seinen Stand wegen der Leiden, mit denen er verbunden ist, nicht entleiden lassen. Paulus war ein Apostel, er hatte aber als ein solcher Vieles zu arbeiten und zu leiden. Allein er war gutes Muts in Schwachheiten, in Schmachen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten, um Christi willen. 2 Kor. 12,10. Darum konnte er’s auch unter allen solchen Leiden für eine Gnade Gottes halten, dass er ein Apostel sei, und als ein Apostel viel arbeiten und leiden dürfe. Hiermit beschämt er denn viele Christen, die aus Gottes Gnade sind, was sie sind, aber es ungern sind, und immer etwas Anderes zu sein wünschen, weil mit ihrem Stand und Amt empfindliche Leiden und Beschwerden verknüpft sind. Allein solchen Christen darf man zurufen, was Paulus 1 Kor. 3,3. an die Korinther schrieb: Seid ihr denn nicht fleischlich, und wandelt nach menschlicher Weise?
So will ich denn aufs Neue mit der Führung Gottes zufrieden sein, und bedenken, welche Gnade es sei, dass Gott aus mir, der ich ein geborner Sünder bin, und eine geraume Zeit meine Kräfte und Tage der Sünde gewidmet habe, hat noch etwas machen wollen, und mich als ein Werkzeug in einem gewissen Stand brauchen will. Soll ich nach etwas Neuem streben: so sei es neue Gnade, neue Kraft, neues Licht, neue Erfahrungen und Geistesgaben. Der Weg, in den mich Gott eingeleitet hat, ist recht für mich: nur soll ich auf diesem Weg recht wandeln lernen. Gelingt mir aber etwas, und sehe ich eine Frucht einer Arbeit: so erinnere mich der HErr selbst durch Seinen Geist, dass die Ehre Ihm und nicht mir gebühre. (Magnus Friedrich Roos)


Von Gottes Gnade bin ich, das ich bin.
Ein hohes Selbstgefühl spricht sich in den vorstehenden Worten des Apostels Paulus aus, ein Selbstgefühl aber, das aufs Innigste verbunden ist mit der tiefsten Demut. Wo immer das evangelische Bekenntnis von der freien Gnade Gottes in Christo Jesu abgelegt wird, da wird sich auch immer wieder jene wunderbare Verbindung von Hoheit und Niedrigkeit, von Selbstgefühl und Demut finden. Vor allem gilt das für den das Wesen des Christentums bildenden, die Grundlage zu allen weiteren Gnadenerfahrungen abgebenden Stand der Gotteskindschaft. Sobald die Worte: „wir sind nun Gottes Kinder“, an Menschenseelen zur Wirklichkeit geworden sind, weiß man sich auf der einen Seite belastet mit einer Schuld, die man durch sündige Gedanken, Worte und Werke auf sich gehäuft und die man nimmermehr abtragen und begleichen kann. Auf der anderen Seite aber sind die Kinder Gottes dessen gewiss geworden, dass das Blut Jesu Christi als ein teures Lösegeld für sie gezahlt ist, dass ihnen alle Schuld erlassen ist, dass sie aus Schmach und Schande zur höchsten Ehre gelangt sind; und diese beiden entgegengesetzten Wahrheiten fassen sie zusammen in das Wort: von Gottes Gnade bin ich, das ich bin.

Die Geltung dieser Worte aber erstreckt sich von der Gottes Kindschaft und weiter auf das ganze Gebiet des Christenlebens und Wirkens; sie gelten zunächst auch von der dem Christen aus Gnade zu Teil gewordenen inneren Erneuerung. „Wir wissen, was uns von Gott gegeben worden ist,“ das kann jeder Christ sagen, wenn er auch nur etwas erkennt und begreift, bedenkt und verwertet von den Schätzen der Weisheit, die ihm im Worte Gottes gegeben sind; aber dabei ist er sich ganz deutlich bewusst: unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis umhüllt; und doch zugleich nimmt er es wahr: uns aber hat es Gott geoffenbart durch seinen Geist, dieser heilige Geist erleuchtet unser Herz, erneuert unser Denken und Sinnen, dass wir, wenn hier auch nur stückweise, erkennen, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat. Ebenso heißt es bei den Jüngern Christi: ich habe Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen; dabei sind sie fest überzeugt, dass sich darin nicht ihr natürlicher guter Wille oder ein Erfolg eigener Leistung kund gibt, müssen sie doch gerade bekennen: ich weiß, dass in mir, das ist in meinem Fleische, wohnt nichts Gutes; aber das erfahren sie freilich auch, dass Gottes heiliger Geist in ihnen das Wollen und das Vollbringen schafft; und wiederum kennen die Christen diese beiden Gegensätze im Wissen und Wollen vereinen in dem einen Zeugnis: von Gottes Gnade bin ich, das ich bin. Für die Jünger Christi gewinnt dieses Bekenntnis aber auch Geltung für ihr natürliches irdisches Leben und alle seine Verhältnisse; haben sie den 2. und 3. Glaubensartikel im Lichte des „aus Gnaden“ aufzufassen gelernt, so verstehen sie auch den 1. Artikel in demselben Sinne: aus Gnaden hat uns Gott erschaffen, erhält, regiert, beschützt er uns. Paulus bezieht die vorstehenden Worte besonders auf sein apostolisches Amt; gekrönte Häupter pflegen sich Könige und Kaiser von Gottes Gnaden zu nennen; aber ein jeder Christ kann ebenso von seiner Stellung, seinem Beruf, seinen Fähigkeiten, den Erfolgen seiner Arbeit, von seinem irdischen Wirkungsfelde, von all' seinen irdischen Beziehungen und Verbindungen reden. Aber in der Erkenntnis, wie alles, was er ist und bedeutet, von Gottes Gnade ist, liegt für die, die solches Selbstgefühl in sich tragen, abermals das Doppelte enthalten: einerseits die eigene, vollständige Verdienstlosigkeit in Bezug auf alles, was sie sind und haben, und die eigene Unfähigkeit zur rechten Ausübung ihres Berufs: andererseits der Preis göttlicher gnädiger Fügung und Berufung, göttlicher Barmherzigkeit, die uns würdigt, in des Herrn Dienst zu arbeiten, göttlicher Kraft und göttlichen Segens, die uns zum Wirken befähigen. Gott gebe, dass wir alle in rechtem christlichem Selbstgefühl es spüren und erfahren möchten auf allen Gebieten: von Gottes Gnade bin ich, das ich bin. (Thomas Girgensohn)

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nt/46/1._korinther_15_10.txt · Zuletzt geändert: von aj
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