Römer 13,11
Andachten
Wir wissen, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir es glaubten.
Aus solcher Erkenntnis und Erfahrung, Geliebte, erwächst die rechte Adventsfreude des Glaubens und wo die im Herzen lebt, da kann es auch nicht fehlen an der Adventshoffnung, die vorwärts schaut und, wie der Apostel sagt, sich dessen bewusst ist, dass unser Heil jetzt näher ist, als da wir es glaubten, und von Jahr zu Jahr näher kommt. Damit weist der Apostel hin auf die Offenbarung des vollen und ewigen Tages der Erscheinung Jesu Christi, wo der HErr, den wir nicht gesehen und doch lieb haben, kommen wird, auf ewig wegzutun alle Wolken und Hüllen, die sich zwischen uns und Ihn noch drängen, äußerlich und innerlich, und den vollen Genuss Seiner Gegenwart stören wollen; wo der Wechsel von Freude und Traurigkeit, von Kampf und Erquickung aufhören und wir mit Ihm offenbar werden in der Herrlichkeit! (Bernhard Kählbrandt)
Wir wissen, dass die Stunde da ist, aufzustehen von dem Schlaf, sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir glaubten.
Das wahre Christentum wird so fortgesetzt, wie es angefangen worden ist. Ist man im Anfang vom geistlichen Schlaf und Tod erweckt worden, so steht man hernach noch weiter vom Schlaf auf, und es werden alle Seelenkräfte durch das Leben und Licht Jesu immer stärker und munterer zur Anbetung Gottes und zu Seinem Dienst. Hat man Jesum durch den Glauben angezogen, so zieht man Ihn noch weiter an, damit Er in der Seele eine Gestalt gewinne, und sie nach Ihm gebildet werde, Röm. 13,14. Hat man die Werke der Finsternis, wie eben dieser Apostel V. 2. sagt, abgelegt, oder hat man den alten Menschen, der sich durch Lüste in Irrtum verderbet, durch die gläubige Einsenkung in den Tod Jesu abgelegt, so ist man doch noch nicht so weit gekommen, dass nicht der Apostel noch immer zurufen dürfte: leget ab, zieht an, erneuert euch usw., wie Eph. 4. Kol. 3. gesagt wird. Die Ursache dieser Ermahnungen ist die in der Seele noch übrige Verderbnis, oder das Fleisch, welches wider den Geist gelüstet, und das, wenn es nicht immer gedämpft wird, den Verlust des Gnadenstandes verursachen kann. Als Paulus Röm. 3,11. sagte, das die Stunde da sei, von dem Schlaf aufzustehen, so hatte er die Zeit, worin er und die Römer lebten, vor Augen. Die Nacht des Alten Testaments war vergangen, da die Kerze des prophetischen Wortes in einem dunkeln Ort schien, und der Tag war herbei genaht. Was für ein Tag? Ohne Zweifel der Tag der Erscheinung Jesu Christi zum Gericht, welcher in der Heiligen Schrift oft der Tag in besonderem Verstand genannt, und als nahe vorgestellt wird. Von diesem Tag unterscheidet Paulus die Stunde, da man von dem Schlaf aufstehen soll, folglich die Morgenstunde, da das Licht dieses hellen Tages schon anbricht. Diese Stunde, sagt er, ist da, weil der Tag herbei genaht ist. Es ist also jetzt nimmer Schlafenszeit, sintemal unser Heil, oder unsere Erlösung jetzt näher ist, als da wir gläubig wurden. Er hätte sagen können: die Zeit ist kurz, der Richter ist vor der Türe, es ist nahe gekommen das Ende aller Dinge; weil er’s aber mit Gläubigen zu tun hatte, so schrieb er: das Heil ist nahe, ja es ist jetzt schon näher, als da wir gläubig wurden; das Heil, von dem er redet, ist die Erlösung aus allem Übel und Alles, was die Gläubigen bei der Erscheinung ihres HErrn zu empfangen hoffen dürfen. Wie aber, möchte man sagen, ist denn nicht von der Zeit an, da Paulus den Brief an die Römer schrieb, schon eine lange Zeit verflossen, ohne dass der HErr erschienen wäre? Und trägt denn der kleine Zeitraum von ihrer Bekehrung an bis auf das Datum dieses Briefes etwas Namhaftes bei diesem großen Zeitraum aus? Ja, wenn man bedenkt, dass der Tod eines jeden Christen und die Zukunft des HErrn gleichsam an einander stoßen, und die Zwischenzeit keine Saatzeit mehr sei. Ich soll wachen; denn der HErr kommt, und meine Zeit, die mir zur Vorbereitung auf Seine Zukunft gegeben wird, ist kurz, und schon auf der Neige. Das völlige Heil wird mir immer näher: folglich soll ich mich vollends so verhalten, dass ich dessen teilhaftig werden könne. (Magnus Friedrich Roos)
Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf, sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir es glaubten.
Laut und vernehmlich tönt die Stimme der Wächter: „Die Stunde ist da“, und es tut not, dass wir es hören, denn der Bräutigam verzieht zu kommen, und wenn wir vernehmen, dass selbst die klugen Jungfrauen einschlafen, so wollen wir nicht denken, dass wir der Mahnung und Erinnerung nicht mehr bedürften. Nichts ist gefährlicher für unsere Seelen, als die Sicherheit, und doch liegt die Gefahr so nahe, sonderlich in guten Tagen, wenn der Feind uns scheinbar in Ruhe lässt. Darum lasst es uns von neuem hören „die Stunde ist da“. Denn eben, dass wir es schon wissen, macht unsere Schuld umso größer, wenn wir es nicht bedenken. Gnadenzeit ist diese Stunde, denn Er selbst, der das Heil ist, steht vor der Tür und klopft an. Heute ist die Stunde unser, aber keiner weiß, wie lange sie währt, nur das wissen wir, dass unser Leben dahinfährt wie ein Strom, und das ist genug, um auf den Weckruf zu hören. Darum lasst uns unser selbst wahrnehmen und die Zeit erkennen. Wer von keinem Schlafe aus eigener schmerzlicher Erfahrung weiß, und keine Furcht und Sorge hat, dass er schläfrig werden könnte, der kennt sich selbst noch nicht, denn die Sünde klebt uns an und macht uns träge. Auf denn alle, die ihr eure Seelen liebt! Und liegt ihr auch nicht mehr im Schlafe, es gilt noch besser wachen und völliger aufstehen, denn wir haben das Heil, den vollen, unverlierbaren Besitz des Heils noch nicht. Der wird erst unser Teil, wenn der HErr wiederkommt in Seiner Herrlichkeit. Jetzt aber gilt es, das Heil hinnehmen, bewahren und immer völliger ergreifen. Es ist uns nahe, näher, als da wir zum Glauben kamen, es rückt uns mit jedem Tage näher bis zu dem letzten Tage, und darum ist es nicht Zeit zu säumen und zu träumen, damit die letzte Stunde uns nicht schlafend finde, denn dann ist es zu spät.
HErr JEsu, habe Dank, dass Du uns wieder eine neue Gnadenzeit erleben lässt. Vergib uns, was wir versäumt haben, und wecke uns recht auf, dass wir den Ruf der Wächter hören und mit Ernst die Zeit bedenken, darinnen Du uns heimsuchst. Unser Herz steht Dir offen, komm, ziehe bei uns ein. Amen. (Hermann Haccius)
Und weil wir solches wissen, nämlich die Zeit, dass die Stunde da ist, aufzustehen vom Schlaf; sintemal unser Heil jetzt näher ist, denn da wir's glaubten; die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen.
Der Apostel vergleicht hier, wie sich natürlich und geistlich Schlafen mit einander gleichen. Wer da schläft, der sieht noch empfindet der Güter keines, die auf der Welt um ihn her sind. Er liegt mitten unter den Dingen als ein toter, unnützer Mensch; und ob er schon in ihm selbst lebt, ist er doch in allen Dingen, als sei er tot. Anstatt der wahrhaftigen Dinge geht er um im Traum mit eitel Bildern der wahrhaftigen Güter, und meint, es seien rechte wahre Güter; wenn er aber aufwacht, so fallen ab die Traumbilder und werden zunichte, da fängt der Mensch an mit rechten Dingen umzugehen. Also auch geistlich. Der Mensch, der da lebt in einem gottlosen Wesen, der schläft und ist wie tot vor Gott, siehst noch empfindet nicht die rechten geistlichen Güter, die ihm durch das Evangelium werden angeboten und verheißen, denn solche Güter lassen sich nur mit dem Glauben des Herzens sehen. Indes aber mengt er sich in die zeitlichen und vergänglichen Dinge, welche gegen das ewige Leben, Freud' und Seligkeit zu achten sind, wie die Traumbilder gegen die natürlichen, leiblichen Kreaturen. Und wenn der Mensch aufwacht und den Glauben bekommt, so fällt all solches vergängliche Ding ab, und wird erkennt, wie es gar nichts sei, wie es heißt im 76. Ps. „sie haben geschlafen ihren Schlaf, die Männer des Reichtums und nichts gefunden in ihren Händen“, und im 73. Ps. „Gleichwie einen Traum, wenn einer aufwacht, also wirst du ihr Bild zunichtemachen in der Stadt.“ Wer dürfte sagen, dass der Könige und Fürsten Güter, Lust und Gewalt, Traumwerk sei, so sie doch darüber toben und wüten in dieser Welt? Es macht, dass sie schlafen und stehen nicht auf, sehen auch dieses Licht noch nicht im Glauben.
Unser Heil ist jetzt näher, denn da wir's glaubten, als wollte er sagen: Die Verheißung Gottes ist nun nicht mehr zukünftig zu warten, sie ist erfüllt, Christus ist kommen, das Evangelium ist aufgegangen und der Segen ist ausgeteilt in alle Welt, es ist alles da, was wir geglaubt haben in der Verheißung, damit beschreibt der Apostel den geistlichen Tag. Aber damit ist der Glaube der Väter nicht aufgehoben, sondern bestätigt; haben sie auf die Verheißung Gottes zuvor geglaubt, die erfüllt werden sollte, so glauben wir nun an dieselbige Verheißung, dass sie erfüllt sei. Beide hangen an dem Samen Abraham, das ist Christo, einer vor, der andere nach seiner Zukunft. Christus ist gewesen vom Anfang der Welt bis ans Ende, und sind alle durch ihn und in ihm behalten; wer am meisten glaubt, der ist ihm am nächsten, und wer am wenigsten glaubt, dem ist das Heil am fernsten. Aber Paulus redet hier von der Nähe der Offenbarung, dass zur Zeit Christi die Verheißung erfüllt, und das Evangelium zu allen Menschen kommen sei und öffentlich gepredigt sei. Das nennt er hier, unser Heil sei näher, denn da es noch in der Verheißung verborgen war. (Martin Luther)
Predigten
Besser, Wilhelm Friedrich - Predigt am ersten Adventssonntage 1873.
Besser, Wilhelm Friedrich - Predigt am ersten Adventssonntage 1877.
Brenz, Johannes - Am 1. Sonntag des Advents
Gerok, Carl von - 1. Predigt am Adventfest.
Kapff, Sixtus Carl von - Am ersten Sonntag des Advents.
Münkel, Karneades Konrad – Am ersten Adventssonntage.
Textor, Gustav Adolph - Am 1. Sonntage des Advents.