Apostelgeschichte 6,1
Andachten
Eine Frage fällt mir schwer aufs Herz beim Lesen dieser Geschichte: bin auch ich ein Armenpfleger? und wenn ich auch kein Amt der Art bei der Kirche oder Stadt verwalte, nehme ich mich nach meinen Kräften und nach dem Vermögen, das Gott darreicht, der Armen in meiner Umgegend auf die rechte, gottgefällige Weise an? Jesus hat’s ja gesagt: „Arme habt ihr allezeit bei euch,“ und im alten Testamente heißt’s: „Wer dem Armen gibt, der leihet dem Herrn; derselbige wird ihm wieder vergelten.“ Es tut dabei aber nicht sowohl Not, dass man den Armen Geld, als dass man ihnen Arbeit gebe, und nicht nur, dass man sie arbeiten, als dass man sie auch glauben und beten lehre; es ist nicht genug, dass die Empfänger der Gabe bedürftigsind, sondern sie müssen ihrer auch würdig sein, wie damals vorzugsweise die Witwen tägliche Handreichung empfingen; es ist nicht jeder dazu geeignet, sondern nur derjenige, welcher, wie Stephanus und seine Genosse, ein gutes Gerücht hat, voll Heiligen Geistes und Weisheit ist, und seine Gabe demnach mit gottesfürchtigem Herzen spendet. Das Amt der Armenpflege ist kein Brotamt, kein Gewerbe, sondern ein Amt christlicher Liebe und tätigen Glaubens. Es will freundlich verwaltet werden. Mit der gebenden Hand muss das Herz treulich mitgeben, und zwar Lehre und Ermahnung, Warnung und Züchtigung, Trost und Ermutigung in aller Freudigkeit. Wie? bin ich ein solcher Armenfreund und Armenpfleger? Herr, Du warst es, wie kein anderer; gib mir Deinen Geist, dass ich’s auch werde. Segne jedes Wort und Werk, das ich aus christlichem Herzen an meinen armen Mitbrüdern tue, und bedenke in Gnaden, dass auch ich selbst nichts bin, als eine arme, arme Seele, die Du pflegen und warten und erlösen wirst aus aller Not der Sünde, wenn sie nicht verloren gehen soll. So segne, pflege, warte und erlöse mich, Herr! Amen. (Friedrich Arndt)