Apostelgeschichte 1,4

Andachten

Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, dass sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehört (sprach er) von mir; denn Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen. Die aber, so zusammenkommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du auf diese Zeit wieder aufrichten das Reich Israel? Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht zu wissen Zeit oder Stunde, welche der Vater seiner Macht vorbehalten hat; sondern ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, welcher auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein zu Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.
Der Höhepunkt des Erziehungswerkes Jesu an seinen Jüngern ist erreicht und damit ein Wendepunkt in dem Jüngerleben. Was hat er ihnen nun noch zu sagen? Wofür hat er an ihnen gearbeitet? Was hat er durch sein Werk in und an ihnen erreicht? Er hat sie so weit und sein Werk so weit, dass sie und die Menschheit die sichtbare, leibliche Gegenwart ihres Hauptes für eine Zeit entbehren können, ja dass es jetzt von Nutzen für sie und für sein Werk ist, wenn er hingeht. Wir sind oft anderer Meinung, müssen aber diese unsere Meinung nach dem Worte und Willen Gottes in Ordnung bringen lassen.

Wie weit hatte er nun seine Jünger gebracht? Zum Wartenkönnen! Wodurch stärkt er sie dazu? Durch sein Wort! Das Nicht-warten-können ist: seinem Worte misstrauen. Mit dem Misstrauen gegen das Wort Gottes kam das Nicht-warten-können in die Welt und damit das Sich-selber-helfen-wollen und das Sich-selber-elend-machen. Diese an sich selber zu Schanden gewordenen, durch die Wahrheit des Wortes und die Auferstehung Jesu beschämten und überzeugten Menschen haben gelernt zu trauen, zu warten, zu gehorchen, und sollen nun ihre Probe bestehen. Nicht weggehen, weder zum Fliehen noch zum Arbeiten, sondern warten sollen sie. Das Lassen ist oft ebenso schwer als das Tun, aber es ist auch ebenso notwendig und fruchtbar. Wie haben die Männer des Alten Bundes sich im Warten üben müssen, und wie hat sie Gott im Warten gesegnet.

Das Warten ist aber auch nicht eine Frucht der Gleichgültigkeit. Nein, wir warten in der festen Erwartung, dass die Erfüllung kommen wird. Warten, wie man es in der Schule des Heilandes lernt, ist ein Harren in Geduld und mit brennendem Herzen in der Hoffnung, dass das Erwartete jeden Augenblick eintreffen kann. Das ist wohl eine Probe, aber zugleich auch der letzte Punkt in der Erziehung. Durchs Warten wird das innere Wesen des Menschen auf das zu Erwartende konzentriert, dafür willig gemacht und zubereitet. Der Befehl, den der Heiland seinen Jüngern gibt, ist kurz, nur auf eines gerichtet, dass alles für das Eine frei und in Anspruch genommen wird.

Und was ist die Grundlage des Wartens? Es ist der feste Punkt, von dem aus die Welt aus den Angeln gehoben werden kann. Es ist das Verheißungswort, welches Gott gegeben hat. Die Verheißung ist unfehlbar sicher, weil sie die Verheißung des Vaters ist. Die Wahrhaftigkeit des Vaters ist außer allem Zweifel, das hat er an Ostern bewiesen durch die Treue gegen den Sohn, durch den er zuletzt die Verheißung gegeben hat, indem er alle vorhergegangenen Verheißungen in ihm, dem Sohn der Liebe, zusammenfasste. Sie ist eine Verurteilung und Unzulänglichkeitserklärung alles vorher dagewesenen; sie ist aber auch eine Offenbarung ihrer Herrlichkeit, weil sie alles bisher dagewesene weit übersteigt.

Und nun, was ist der Gegenstand dieser einzigartigen, alle anderen Verheißungen in sich schließenden Verheißung, die der Heiland kurz die Verheißung des Vaters nennt? Nun, es ist ein Gebadetwerden in Gottes Geist. Nicht ein Besprengen, sondern ein Durchfluten mit dem Heiligen Geist hat der Heiland den Jüngern verheißen; darauf sollten sie harren und warten in Geduld. Das ist etwas anderes, als was am Tage des Falles den Menschen bestimmte und ihm dann auch zu Teil wurde. Nicht Sichtbares, Zeitliches, Sinnenfälliges ist ihnen verheißen, sondern der ewige Geist des ewigen Gottes soll auf sie kommen und bei ihnen bleiben. Sie sollen nicht nur ein Teil haben an einem göttlichen Werk, sondern sie sollen göttlichen Wesens teilhaftig werden und göttliche Natur empfangen. Der Heilige Geist, den sie empfangen sollen, ist eine Person, die bei ihnen bleibt, mit ihnen geht, ja in ihnen wohnt, von der sie niemand scheiden kann. Eine Person wie der Heiland, so herrlich, so mächtig, ein Tröster und Fürsprecher wie er, so wahr wie er, der die Jünger in die ganze Wahrheit leitet, an alles erinnert, alles lehrt, was Jesus gesagt hat, der Jesum verherrlicht und das Kommende verkündigt, der uns beten lehrt, unserer Schwachheit aufhilft und sich mit unaussprechlichen Seufzern für uns bei Gott verwendet. Eine Person, die die Welt an Jesu Statt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überzeugen wird.

Aber nicht nur an uns, für uns und um uns arbeitet der Heilige Geist, sondern er kommt zu uns, um in uns zu wohnen. Das heißt, Gottes Wesen kommt in uns. Sein ewiges Wesen nimmt Besitz von uns und macht uns zu neuen Kreaturen (2. Kor. 5,17 u. Gal. 6,15). Solches zu erwarten, darauf zu warten, ist den Jüngern befohlen.

Aber Gottes Wesen ist nicht bloß Heiligkeit, sondern zu ihm gehört auch Kraft, und zu dem Befehl, auf die Verheißung zu warten, gesellt der Herr gleich die neue Verheißung der Kraft. Ihr werdet Kraft empfangen! nicht formales Wissen, nicht Detailwissen oder äußere Geschicklichkeit, sondern Kraft. Das ist die Bedeutung von Pfingsten. In die Welt der Sünde und des Todes kommt göttliche Kraft; Kraft der Wahrheit, Kraft des Lebens, Kraft der Liebe, die stärker ist als der Tod, Kraft, sich herzugeben und hinzugeben an Gott und Menschen.

Der Zweck dieser Kraftmitteilung an die Jünger ist: sie werden Jesu Zeugen sein. Nur der kann zeugen, der dabei war. Der Geist ist bei ihm gewesen, kommt von ihm, darum kann er von ihm zeugen und von allem, was aus Gott stammt. Soviel wir des Heiligen Geistes teilhaftig sind, sind wir fähig, für Jesum Zeugnis abzulegen, soviel hat unsere Predigt Kraft des Zeugnisses. Was an Pfingsten grundlegend, anfangsartig und doch in so einzigartiger Weise in und an den Jüngern geschah, das wird sich auch in dem Leben jedes einzelnen Kindes Gottes ausgestalten, in dessen Herz der Heilige Geist Einkehr gehalten hat. Er kann und will uns willig und stark machen, das Zeugnis Jesu in dieser Welt zu tragen, und uns die Kraft geben, die wir in seinem Dienst bedürfen.(Otto Schopf)


Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, dass sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung des Vaters, welche ihr habt gehört, sprach er, von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft; ihr aber sollt mit dem heiligen Geist getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen.
Unter der allumfassenden, durchdringenden, einigenden Kraft dieses letzten Worts ihres aufgefahrenen Herrn lebten die Jünger in jenen zehn Tagen vor Pfingsten. Dieses Wort schied sie von der Welt, und waren in der großen Stadt Jerusalem wie eine kleine umzäunte und wohlverwahrte Herde. Dieses Wort zog ihre Seelen beständig nach oben, denn eine Geistes-Taufe war etwas Himmlisches, das nur von oben herabkommen konnte. Sie wussten freilich so wenig, was sie sich dabei denken sollten, wie es geschehen und welche Folgen es haben würde, dass sie vom Aufrichten des Reiches Israel reden. Aber es war ihnen auch nichts weiter nötig, als dass sie wären wie die Kinder, die an der Tür des Festsaals harren, in getroster Zuversicht, dass die waltenden Hände zur rechten Zeit auftun werden. O, eine merkwürdige Zeit in der Geschichte des Himmelreichs, diese zehn Tage! und doch dürften sie uns ja nicht fehlen. Denn solche Zeiten fehlen in keinem Christenleben. Die Geistes-Taufe ist freilich zur rechten Zeit damals geschehen, geschieht auch je und je; aber doch muss Mancher seine zehn Tage und vielleicht länger darauf warten, und erst, wenn die Stunden sich gefunden, bricht's mit Macht herein. Geistes-Dürre, Geistes-Leere, wer kennt die nicht? Es sind die Zeiten, da der Glaube matt und die Liebe krank und siech ist, da die Seele mit der Braut im Hohenliede seufzt: „Ich suchte des Nachts, den meine Seele liebt, aber ich fand ihn nicht!“ Und doch sind's Gnaden-Zeiten, heilsame Tage! Der Jünger Sehnen und Verlangen wuchs in jenen Tagen so stark, dass es zur Inbrunst ward, da kam die Geistes-Taufe und fand ein bereitet' Gefäß. O, Du mein törichtes, sattes und volles Herz! Ausgeleert sollst Du werden, damit Du brünstig wirst im Geist, dann kommt die neue Geistes-Taufe. (Nikolaus Fries)


Und als er sie versammelt hatte, befahl er ihnen, dass sie nicht von Jerusalem wichen, sondern warteten auf die Verheißung: des Vaters, welche ihr habt gehört, sprach er, von mir. Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem heiligen Geiste getauft werden, nicht lange nach diesen Tagen.
Wussten die Apostel, was sie erwartete am Pfingstfest? Der Herr hatte ihnen wohl von dem Tröster, dem Geist der Wahrheit gesprochen, aber nur der Geist Gottes selber kann sich kund tun als das, was er ist. Einstweilen blieben die Apostel zu Jerusalem in einem Zustand der Erwartung. Sie wollten nichts unternehmen, auch nicht vor der Hand sich zerstreuen, bevor der Herr sich ihnen aufs weitere kund getan hatte. Sie waren sich bewusst, dass sie ihrem Meister dienen wollten, aber wozu er sie gebrauchen würde, das war ihnen noch nicht klar. Man kann im christlichen Leben in ähnliche Fälle kommen. Es gibt gar viele Wartezustände, und der Herr lässt uns oft länger darin, als wir vielleicht möchten; er sieht eben, dass wir noch nicht den rechten Geist haben, um in seinem Dienst etwas zu leisten. Dass man gern etwas für den Herrn tun möchte, ist noch kein Zeichen, dass er uns auf die Weise gebrauchen will, wie wir es wünschen. Man warte daher auf weitere Befehle. Dies ist besonders dann ratsam, wann es sich um eine Lageveränderung, oder einen Stellungswechsel handelt. Bereiten wir uns einstweilen in der Stille vor auf eine kräftige Geistestaufe; wer dem Herrn redlich seine Dienste anbietet, den wird der Herr schon aus der Stille hervorziehen und gebrau chen. Je weniger wir uns selber produzieren, je mehr ist schon gesorgt, dass der Herr selber unsere Sache in Richtigkeit bringen wird. Beten, warten, den eigenen Geist nicht vorherrschen lassen, ist schon eine Annäherung zu einem gesegneten Pfingstfest. Johannes hatte mit Wasser zur Buße getauft; die rechte Taufe und die Ausrüstung zum Amt behielt sich der Herr der Kirche selber vor. Sind wir zuerst gründlich in die Buße gekommen, so kann uns der Herr dann gewiss brauchen und mit seinen Geistesgaben ausstatten. Die Winke von oben werden dann schon kommen, dass wir nicht mehr zweifeln können: Der Herr ist's, der dich ruft. Je vorbereiteter nach innen, je beharrlicher wird man dann sein nach außen; wer aber nicht warten kann, der kommt dann auch nicht zu einem rechten Pfingstfest und verderbt dem Herrn eher seine Sache, als dass er sie fördert. (Friedrich Lobstein)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/44/apostelgeschichte_1_4.txt · Zuletzt geändert: von aj
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain