Johannes 1,14
Andachten
Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Johannes zeugt von Ihm, ruft und spricht: „Dieser war es, von dem ich gezeugt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist, denn er war eher denn ich!“ Das Ewigkeits-Wort im Fleisch! Gottes eingeborener Sohn ein Menschen-Sohn! der Schöpfer aller Dinge unser Bruder! das ist die Summa des ganzen Evangeliums! damit ist der Himmel zerrissen und Gott selber herabgefahren. Das ist die praktische Auslegung des Namens „Immanuel“! und des Wortes: Ich will mich meiner Herde selber annehmen! und des andern Wortes: Da ich dich in Deinem Blute liegen sah, ging ich nicht an Dir vorüber, sondern sprach: Du sollst leben! Er wohnte unter uns! o Herr mein Gott! welch' eine Leutseligkeit und wie hast Du unter uns gewohnt! der Ausdruck des Jüngers bezeichnet genau: Er schlug sein Zelt auf unter uns! ein leichtes, luftiges, bald wieder abgebrochenes Obdach! ein Wander-Zelt wie die Hütte des Stifts, welche mit Israel zog; ist es nicht wunderbar? Ja, mein Heiland, so war's! Du hattest ja nicht, da Du Dein Haupt hinlegst; Dein Hüttlein, Dein Zelt machte Dich nicht reicher, als die Vögel unter dem Himmel mit ihren Nestern und die Füchse mit ihren Gruben! und wie bist Du hin und her gezogen mit Deinem Zelt von Galliläa nach Judäa, und durch Samarien, und bis über die Grenzen Tyri und Sidon und wardst müde und saßest am Jakobsbrunnen und schliefst im Schifflein auf einem Kissen. So war's mit Deinem Wanderzelt: Und doch sahen sie Deine Herrlichkeit, als des Eingeborenen vom Vater voller Gnade und Wahrheit! ja, das Zelt war transparent, war wie durchleuchtet von innen heraus. Johannes hat's leuchten sehen, und dieses Ewigkeits-Licht hat ihm Augen und Herz entzückt, und da er diese Worte niederschreibt, ist er selbst durchleuchtet, und seine Seele jauchzt im Lichte solcher Herrlichkeit, wie ein Vogel, der sonnenwärts steigt. Darum haben sie ihm auch den Adler zum Sinnbild gegeben. Ist es denn möglich, dass dabei Menschenseelen dunkel und kalt bleiben können? - Herr-Gott vom hohen Himmel sieh' darein und lass es Dich erbarmen! Das Wort ward Fleisch! tausendstimmig wollen wir hinausjubeln in alle Lande, unter alle Völker! Das Wort ward Fleisch, so soll nun unser Fleisch der Sünde sterben, und im Fleische wollen wir auf den Geist säen und mit dem Täufer zeugen: Dieser war es! Dieser ist es! Dieser wird es sein: A und O, Anfang und Ende! ewig unser Jesus! (Nikolaus Fries)
Das Wort ward Fleisch, und wohnte unter uns, und wir sahen Seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.
Das wesentliche Wort, welches im Anfang war, und bei Gott war, und durch welches alle Dinge gemacht worden sind, wurde Fleisch, freilich nicht durch eine Verwandlung Seines Wesens, sondern durch eine Annahme und Vereinigung. Es wurde des Fleisches, das ist der menschlichen Natur und aller ihrer Schwachheiten, die nicht sündlich sind, teilhaftig. Gott wurde im Fleisch geoffenbart, die göttliche Natur vereinigte sich mit der menschlichen zu einer Person; und so wohnte das Wort fast 33 Jahre unter uns. Seine Zukunft in die Welt war also keine schnell vorübergehende Erscheinung, dergleichen mehrere den Patriarchen und Propheten widerfahren waren, da das wesentliche Wort zwar sichtbar wurde, aber noch nicht Fleisch geworden war, und bald wieder verschwand; aber, nachdem es Fleisch gewordene war, wohnte es unter uns, und war dabei voll Gnade und Wahrheit. Vermöge der Gnade liebte Er die Menschen, ob sie schon der Liebe nicht wert waren, Er vergab den Bußfertigen ihre Sünden, Er half den Notleidenden, tröstete die Traurigen, und lehrte die Unwissenden. Dieses Alles war ein Ausfluss oder eine Erweisung der Gnade. Seine Seele, Sein Angesicht, Seine Rede, und Sein ganzer Wandel war wie ein Licht, das aufheitert und erfreut. Er war aber auch voll Wahrheit, voll rechtschaffenen Wesens, oder voll des Guten, das Seine Gnade den Menschen zusagte. Was Er genannt wurde, war Er, was Er versprach, gab Er denen, die Ihm glaubten, was Er weissagte, wurde erfüllt. Seine Gnade konnte Jedermann versichern, dass Niemand, der an Ihn glaube, verdammt werde: Seine Wahrheit aber, dass Niemand durch Ihn betrogen werde. Man bekam, was von Ihm bat, denn Er war voll Leben, ja das Leben selbst.
Da Er noch unter den Menschen wohnte, sah man Seine Herrlichkeit, als eine Herrlichkeit, die nur der eingeborne Sohn Gottes haben konnte; der von Gott als Seinem Vater ausgegangen war. Man sah diese Herrlichkeit am deutlichsten bei Seiner Taufe, auf dem Berg, da Er verklärt wurde, und bei Seiner Himmelfahrt. Auch sah man sie, wenn man Seine Wunder sah, denn Er verrichtete diese Wunder nach Seiner freien Willkür, zu allen Zeiten, als der HErr alle Dinge, wie es Niemand als dem eingeborenen Sohn Gottes möglich gewesen wäre.
Es ist bekannt, dass der sel. Arnd auf seinem Totenbett am letzten Tag seines zeitlichen Lebens nach einem kurzen Schlaf seine Augen aufgehoben, und gesagt hat: wir sahen Seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Als ihn hierauf seine Ehefrau gefragt, wann er diese Herrlichkeit gesehen habe, so hat er geantwortet: jetzt habe ich sie gesehen. Was nun der sel. Arnd, da er noch im Leibe war, zu seiner Stärkung, Erquickung und völligen Ausrüstung auf die Ewigkeit eine Zeit lang im Schlaf gesehen hat, wird man im Himmel wachend und immerdar sehen; denn der Heiland hat Joh. 17,24. gebetet: Vater, Ich will, dass, wo Ich bin, auch die bei Mir seien, die Du Mir gegeben hast: dass sie Meine Herrlichkeit sehen, die Du Mir gegeben hast. (Magnus Friedrich Roos)
“Als des eingebornen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“
Gläubige Seele, du kannst Zeugnis geben, dass Christus der eingeborene Sohn vom Vater ist, wie auch der Erstgeborene von den Toten. Du kannst sagen: „Er ist in meinen Augen göttlich, und wenn Er sonst für alle Welt nur Mensch wäre. Er hat für mich vollbracht, was kein Anderer tun kann außer Gott. Er hat meinen unbeugsamen Willen gebrochen, mein diamantenhartes Herz geschmolzen, er hat eherne Tore gesprengt und eiserne Fesseln zerrissen. Er hat mein Weinen in Lachen verwandelt und meine stumme Verzweiflung in laute Freude; Er hat mein Gefängnis gefangen geführt und mein Herz erfüllet mit unaussprechlicher und herrlicher Freude. Mögen Andere von Ihm denken, was sie wollen, mir ist Er der Eingeborene vom Vater, und muss es bleiben: Hochgelobet sei Sein Name. Und Er ist voller Gnade. Ach! wenn er nicht gewesen wäre, so wäre ich nie selig geworden. Er zog mich zu sich, wenn ich mich losringen wollte von Seiner Gnade; und als ich endlich ganz zitternd, wie ein verurteilter Verbrecher zu Seinem Gnadenstuhl kam, sprach Er: deine vielen und großen Sünden sind dir alle vergeben; sei getrost! - Und Er ist auch voller Wahrheit. Alle Seine Verheißungen sind Ja und Amen gewesen, und es hat auch nicht an Einem gefehlt. Ich bekenne, dass nie ein Knecht einen solchen Meister hatte, wie ich einen habe; nie hat ein Bruder einen solchen treuen Freund gehabt, wie Er sich gegen mich erzeigte; nie hat eine Braut einen so herrlichen Bräutigam gehabt, wie Christus es für meine Seele war; nie je ein Sünder einen gütigeren Heiland, nie je ein Betrübter einen kräftigeren Tröster, als Christus es meinem Geiste gewesen ist. Ich will nur Ihn, nur Ihn! Im Leben ist Er mein Leben und im Tode ist Er meines Todes Tod; in Armut ist Christus mein Reichtum; in Krankheit mein Ruhekissen; in Dunkelheit mein heller Stern und in der Herrlichkeit meine Sonne; Er ist das Manna im Lager der Wüste, und Er ist das neue Korn im Lande Kanaan. Der Herr Jesus ist mir ganz Gnade und sein Gericht ganz Wahrheit und kein Trug: von Gnade und Wahrheit ist Er erfüllt, ganz und gar erfüllt.“ Meine Seele, erhebe an diesem Abend aus aller Macht den eingebornen Sohn. (Charles Haddon Spurgeon)
Das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.
Ja, Gnade und Wahrheit, das sind die eigentlichen Hauptzüge seines göttlichen Angesichts! Und bekennt es Alle, die ihr diese Klarheit Jesu' mit Geistesaugen geschaut habt: er hat nichts Abschreckendes, sondern nur Holdseliges und Göttlich-mildes, so dass der Sünder sein Herz ganz vor ihm auftun und sich ihm anvertrauen darf mit Leib, Seele und Geist, ganz wie er uns gemacht ist zum Hohepriester, der Mitleiden haben kann mit seinen armen Brüdern, und mit den Müden zu rechter Zeit zu reden weiß. Ach wer noch scheu vor den Heiland tritt, und ihm seine Sünden und Anliegen nicht frei heraus zu sagen wagt, der kennt ihn auch nicht. Wenn wir auf seinen ganzen Erdenlauf blicken, so hatte er nichts Furchterregendes wie Moses, noch wie Elias, der wie eine feurige Fadel hervorbrach, noch wie Johannes, der mit dem Eifer Eliä die Sünder erschütterte; nein, er trat auf als Arzt der Sünder, nicht der Frommen, als ein Erbarmer, der das zerstoßene Rohr nicht zerbrach und den glimmenden Docht nicht auslöschte; als ein Heiland, der die mühseligen Herzen herbeizog, um sie zu erquicken und ihnen zu predigen das gnädige Jahr des HErrn. Seht, darum hatten ihn auch die Sünder und Zöllner so lieb, und kamen so gern zu ihm, denn es war ihnen wohl in seiner erbarmungsvollen Nähe, in dem Licht seines sanften Antlitzes, in den erquickenden Reden seines Mundes. So wandelte er unter seinen armen, verlorenen Brüdern umher, heilte, segnete, tröstete, tat ihnen lauter Gutes; denn er wusste wohl, dass er auf dieser Erde keine Gerechten und Heiligen finde, sondern lauter Sünder, die eines Sünderfreundes bedurften; und als solcher hat er sich in seinem ganzen Leben und Lehramt bis zum Tode dargestellt. (Ludwig Hofacker)
„Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingebornen Sohnes vom Vater voller Gnade und Wahrheit.“ Es ward die Verheißung erfüllt, die Gott dem ersten Menschenpaare bei dessen Verstoßung aus dem Paradiese gemacht. „Des Weibes Same soll der Schlange den Kopf zertreten.“ So ward der Messias geboren, von dem alle Propheten des Alten Testaments geweissagt.
Wer an das Wort Gottes glaubt, wer es annimmt, in dem ringen Natur und Gnade um den Sieg; die Finsternis kämpft mit dem Licht; die Lüge gegen die Wahrheit, bis die Seele von neuem aus dem Geist geboren, von Jesu Christo, ihrem Erlöser, angenommen und der ewigen Seligkeit, der Gemeinschaft mit Gott und allen Heiligen, wieder teilhaftig wird. Daher das Wort Gottes auch zuerst straft und züchtigt, hernach aber tröstet und heilt. - „Der Herr spricht, wer von Gott ist, der hört Gottes Wort.“ „Seine Schafe kennen seine Stimme.“ Aber wer sie nicht hört, ist nicht von Gott, der hat kein Verlangen nach der Gnade des Wortes, in dem ist die Natur, die Herrschaft des Bösen mächtiger geblieben, in dem sträubt sich der alte Mensch, in Christus unterzugeben; „der ist vom Vater, dem Teufel, und nach seines Vaters Lust will er tun; derselbe ist ein Mörder von Anfang, und ist nicht bestanden in der Wahrheit, denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lügen redet, so redet er von seinem Eigenen, denn er ist ein Lügner und ein Vater derselben.“ (Angelika von Michalowska)