Johannes 18,15

Andachten

Simon Petrus aber folgte Jesu nach, und ein anderer Jünger. Der selbige Jünger war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu hinein in des Hohenpriesters Palast. Petrus aber stand draußen vor der Tür. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus, und redete mit der Türhüterin, und führte Petrum hinein. Da sprach die Magd, die Türhüterin, zu Petro: Bist du nicht auch dieses Menschen Jünger einer? Er sprach: Ich bin es nicht. Es standen aber die Knechte und Diener, und hatten ein Kohlenfeuer gemacht (denn es war kalt), und wärmten sich. Petrus aber stand bei ihnen und wärmte sich.
Wer sicher ist, wer einhergeht in der Gewissheit der eigenen Kraft, der ist seines Falles gewiss genug! Er setzt sich oben an das Kohlenfeuer, wo der eigene Mut verbrennt wie Flachs. Das war Petri alte Klippe, dass er stark sein wollte in der eigenen Kraft. Er wollte selbst der Fels sein, ohne dass ihn der Herr dazu machte, er wollte stärker und fester sein als andere. Wenn alle Christum verleugneten, wollte er ihn doch nicht verleugnen. Das war schon ein Zeugnis des alten Hochmuts. Denn die christliche Demut sagt nicht, dass sie so oder so stark sein will. Sie misst sich nicht mit anderen, sie bittet den Herrn um Stärke; sie will eben so stark sein, wie sie der Herr macht.

Gewarnt war Petrus genug. Der Herr hatte ihm vorhergesagt: „Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnet haben“. Am Abend, wo Christus von der Schar der Hohenpriester gefangen genommen ward, floh auch Petrus. Diese Flucht konnte er nicht verschmerzen. Sie war eine Scharte in seinem Stolze. Er wollte die Scharte wieder auswetzen. Darum ging er hin in den Hof des Hohenpriesters. Sagt nicht, dass das ein zu hartes Urteil Liber den Mann ist. Wäre er hingegangen aus der treuen Jünger-Liebe, die vom Herrn nicht lassen kann, die doch wenigstens sehen will, wie es ihm unter seinen Feinden ergeht, dann hätte er einen andern. Platz gesucht. Er hätte in einem verborgenen Winkel gestanden, oder im Dunkel fern vom Feuer, und von da hätte er seine Blicke hinübergeworfen nach dem Saale. Aber er setzt sich mitten unter die Knechte ans Kohlenfeuer; mitten unter die Knechte, deren Mund voll war von Spott über den Heiligen Gottes. Wer da mit sitzen wollte von den Jüngern Christi, musste ein ganzes Herz haben, musste mit dem Wasser des Lebens den Brand der Anfechtung dämpfen, den Kampf für seinen Herrn kämpfen, ihm auch getrost sein Leben zum Opfer bringen können.

Wenn man euch fragt: „Habt ihr den Herrn lieb?“ so antwortet ihr: Ja, wer sollte ihn nicht lieb haben! Wer ihn noch nicht lieb gehabt hätte, in dem zündete seine Passion doch wohl die Liebe an“! Und wenn man euch weiter fragt: Wollt ihr bei ihm bleiben?“ so antwortet ihr weiter mit Petro: „Wir haben geglaubt und erbaut, dass er ist Christus, des Lebendigen Gottes Sohn. Wohin sollen wir gehen? Er hat Worte des ewigen Lebens“. So hütet euch denn. vor allen Dingen vor Petri stolzer Sicherheit. Wer sich lässt dünken, er stehe, der sehe wohl zu, dass er nicht falle. Der Dünkel hat viele betrogen, und ihre Vermessenheit hat sie gestürzt. Wer sich gern in Gefahr begibt, der verdirbt darinnen. Einem vermessenen Menschen geht es endlich übel aus. Ein vermessener Mensch macht ihm selbst viel Unglücks, und richtet einen Jammer nach dem andern an. Hochmut tut nimmer gut, und kann nichts denn arges daraus erwachsen. Wenn der Mensch seine Schwachheit nicht mehr fühlt, dann hört er auf zu wachen, zu beten. Es vergeht ihm die klare Klugheit. Er stürzt sich hinein in Gefahren, welche die Seele verderben können in die Hölle. Sage dir alle Tage: „Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren“. Sage es dir: „Das Gute, das ich will, das tue ich nicht, sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich“. Erkenne das andere Gesetz in deinen Gliedern, das dich gefangen nehmen will unter der Sünde Gesetz. Gehe nicht hin, wo die Sünde in dir noch gestärkt, wo das Fünklein Glaube und Treue noch ausgelöscht werden kann! Setze dich an kein Kohlenfeuer! Wo sind denn die Kohlenfeuer? Das im Hofe des Kaiphas ist doch längst ausgebrannt? Ja, das ist ausgebrannt, aber tausend andere brennen noch. Wenn du wandelst im Rate der Gottlosen, wenn du trittst auf den Weg der Sünder, wenn du sitzt, wo die Spötter sitzen, dann sitzt du am Kohlenfeuer. Aus dem Beispiel und aus der Rede anderer brennt das Feuer heraus. Aus unreinen und gottlosen Büchern brennt es ebenfalls heraus. Es verbrennt nicht das Kleid sondern das Herz. Ein Herz, das in Christo nicht versichert ist, brennt gar leicht. Wie schnell es von der Flamme des Verderbens ergriffen, wie alles, was uns heilig und teuer gewesen ist, zu Asche werden kann, das siehst du an Petro. Es geht dir, wie ihm: du sinkst Schritt für Schritt in tiefere Nacht. (Friedrich Ahlfeld.)

Predigten

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nt/43/johannes_18_15.txt · Zuletzt geändert: von aj
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