Johannes 14,27

Joh. 14,27: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden geb' ich euch, ich gebe nicht, wie die Welt gibt.“

Andachten

Alle Menschen suchen den Frieden, aber sie suchen ihn nicht da, wo er ist. Der Friede, welchen die Welt hoffen lässt, ist ebenso verschieden und entfernt von demjenigen, welcher von Gott kommt, als Gott selbst verschieden und entfernt ist von der Welt; oder vielmehr die Welt verspricht den Frieden, aber sie gibt ihn niemals. Sie bietet einige vorübergehende Vergnügungen, aber diese kosten mehr als sie wert sind. Jesus Christus allein kann den Menschen zum Frieden bringen. Er versöhnt ihn mit sich selbst, Er bändigt ihm seine Leidenschaften, Er setzt seinen Wünschen Schranken, Er tröstet ihn durch die Hoffnung auf ewige Güter, Er gibt ihm die Freude in dem heiligen Geist, Er lässt ihn selbst im Schmerz jene innere Freude schmecken. Und wie die Quelle, welche ihn erzeugt, unversiegbar ist, und wie der Grund der Seele, wo er wohnt, der Bosheit der Menschen unerreichbar ist, wird er für den Gerechten ein Schatz, welchen niemand ihm entreißen kann.

Der wahre Friede besteht nur im Besitz Gottes, und der Besitz Gottes wird hienieden nur gefunden in Unterwerfung unter den Glauben und in Gesetzesgehorsam. Der eine wie der andere unterhält im Grund des Herzens das Feuer einer reinen und ungefärbten Liebe. Halte dich fern von allem Verbotenen, beschneide alle deine unerlaubten Wünsche, banne allen Eifer und alle Unruhe, sehne dich nur nach Gott und suche nur Gott, so wirst du den Frieden schmecken; du wirst ihn schmecken trotz der Welt. Was macht dich so unruhig? Armut, Schmach, Misserfolge, inneres und äußeres Kreuz? Betrachte dies alles in der Hand Gottes als wahre Gunst, die Er an Seine Freunde austeilt und woran Er nach Seiner Gnade dich teilnehmen lässt. Alsdann wird die Welt für dich ihr Antlitz ändern und nichts wird dir deinen Frieden nehmen. (François Fénelon)


Den Frieden lasse Ich euch, meinen Frieden gebe Ich euch. Nicht gebe Ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht!
„Meinen Frieden gebe ich euch.“ Nicht nur den Frieden mit Mir, sondern jenen Frieden mit Gott, den Ich selbst in Meinem Herzen trage. So heilig, so köstlich ist dies Vermächtnis. Wie der Sohn Gottes, so dürfen auch wir in dieser Welt sein. Jenes tiefe selige Vertrauen, das Er zum Vater hat, dürfen auch wir im Herzen tragen. So innig ist die Gemeinschaft mit dem Sohn, in die wir eingeführt werden. Wie Er gegen den Vater gesinnt ist, wie Er Sich der Liebe des Vaters erfreut, so soll es und darf es auch bei uns sein.

Wir sind zwar von Natur sündig und gebrechlich, aber Er ist heilig und vollkommen, und Er ist uns zum Haupt gesetzt und wir sind in Ihm; wir hören Seine Worte: „Meinen Frieden gebe ich euch.“ Die Welt gibt in der Regel nur das, was für sie keinen Wert hat: Christus aber teilt mit uns das Edelste und Beste, was Er vom Vater empfangen hat. Die Welt gibt und bereut auch wieder und zieht ihre Gunst zurück; nicht so der HErr; Seine Gaben gereuen Ihn nicht; Seine Treue ist unwandelbar; wenn Er Seinen Geist und Seinen Frieden uns schenkt, so geschieht es mit der Absicht, dass derselbe ewig bei uns bleibe. Die Welt, wenn sie uns etwas mitteilt, ist sie nicht frei von Eigenliebe, und sie sucht dabei das Ihre; aber der HErr ist es, der aus reinem Wohlwollen und aus der Fülle Seiner Liebe uns mitteilt. Wenn man schwere Erfahrungen in der Welt gemacht hat, so gerät man in Versuchung, an der Wahrhaftigkeit, an der Liebe und Treue aller Menschen zu verzweifeln, aber JEsus Christus rettet uns aus dieser Versuchung. In Ihm ist die wahre Liebe erschienen, und bei denen, die Seinen Sinn haben, ist noch wahre Liebe zu finden. Die Jünger mochten damals zaghaft und zweifelhaft werden, als über den HErrn und über sie selbst der Sturm der Finsternis hereinbrach. Aber da hielt das Wort sie aufrecht, das auch uns zum Rat gegeben ist, wenn wir durchs finstere Tal wandern müssen: „Nicht gebe ich euch wie die Welt gibt; euer Herz werde nicht erschüttert und zage nicht!“ Amen. (Heinrich Wilhelm Josias Thiersch.)


Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.
Es ist ein wunderbarer Friede, den uns Jesus in der Stunde, da er nach Gethsemane ging, an sich zeigt. Wann gab es je einen Kampf wie den, in dem er stand? Er hat die Welt und ihren Fürsten gegen sich; an den Jüngern hatte er keine Hilfe und hat auch, wenn wir auf das Sichtbare sehen, Gott gegen sich, da er seinen Sohn nicht schonte. Dennoch steht Jesus im Frieden, ist vom Vater nicht getrennt und in keinem Zwist und Aufruhr gegen Gott, ist von den Jüngern nicht getrennt, eint sie vielmehr eben jetzt mit sich und ist mit der Welt nicht im Streit, sondern ihr Versöhner. Wie kann ich diesen Frieden nach seiner Höhe und Tiefe, nach seiner in Gott hineingesenkten Begründung und nach seiner in die Welt hineintretenden Wirkung, ausmessen? Diesen Frieden hinterlasse ich euch, sagt Jesus seinen Jüngern; das ist mein Geschenk und Erbe, das ich euch sterbend übergebe. Nun reißt euch nichts von Gott los, weil mich nichts von ihm geschieden hat, und von mir trennt euch nichts, weil ich euch nicht fallen ließ. Auch euch kann nun nichts entzweien; denn ich kann vom Vater von euch erbitten, dass ihr eins seid. Weil ich euch mit mir vereine, habt auch ihr einander lieb. Die Reben des Weinstocks bleiben beisammen, so lange sie mit dem Weinstock verbunden sind. Nun macht euch auch nichts zu Menschenfeinden; denn ihr bleibt bei mir und ich bin nicht der Feind des Menschen, sondern sein Heiland, der ihm Gottes Gnade bringt. Kenne ich aber nicht Stunden, in denen ich mich ängstige? Gewiss; denn der Friede, von dem Jesus spricht, ist nicht mein Erwerb und nicht die Eigenschaft meiner Seele, sondern wird mir von ihm geschenkt. Verweile ich bei mir, so fasst mich die Angst; ich bin nur dann im Frieden, wenn ich bei Ihm bleibe. Ist aber mein Leben nicht ein beständiger Kampf? Gewiss; denn wir empfangen den Frieden von dem, der an das Kreuz gegangen ist, und das war ein heißer Streit, sowohl mit Fleisch und Blut als mit Sünde und Gottlosigkeit. Wenn ich aber bei ihm bleibe, dann legt sich auch in meinem Kampf, der mich mit mir selbst oder anderen Menschen ringen macht, Sein Friede. Unfriede verbitterte mir den Kampf, wenn sein Ausgang ungewiss wäre und sich mit dem Ringen der Zweifel mischte, ob ich nicht erliege. Ich kann darum seinen Frieden nur dann von ihm empfangen, wenn ich es ihm glaube, dass Er die Welt überwunden hat.
Dir, Vater, sei Dank gesagt, dass Du uns den Sieg gegeben hast. Von Dir ist er uns bereitet, auch wenn wir die Härte des Kampfes schwer spüren und durch ihn wund werden. Dennoch stehen wir, weil Du uns zu Jesus gerufen hast, in Deinem Frieden. Amen. . (Adolf Schlatter) —- Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht.
Nur Jesus gibt den Frieden, nach dem die Seele dürstet wie der Hirsch nach frischem Wasser, und er gibt ihn durch den heiligen Geist. Er hat den Frieden erworben für alle Welt durch sein Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen. Weihnachten ist ein Fest des Friedens, denn es ist die Feier der Geburt des Friedefürsten. Karfreitag ist ein Fest des Friedens, denn es ist die Feier des Leidens und Sterbens desjenigen, der Frieden gemacht hat durch sein Blut. Ostern ist ein Fest des Friedens, denn es ist die Feier der Auferstehung, durch die der heilige Christ kräftiglich bewiesen ist als der Herr und Mittler des ewigen Friedens. Aber den großen Schatz des Friedens, den der Sohn Gottes und der Jungfrau durch seine Wallfahrt von Bethlehem nach Golgatha der Menschheit erworben hat, kann niemand haben, als der den heiligen Geist hat. Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesum Christum, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann. Niemand kann Jesum einen Herrn heißen ohne durch den heiligen Geist. Der Mensch kann ohne den heiligen Geist Bibelsprüche lernen, in die Kirche gehen, die Sprache Kanaans reden; aber den Frieden, den Christus am Stamme des Kreuzes erworben, den Frieden, nach dem die Seele schreit, den Frieden kann der Mensch ohne den heiligen Geist nicht erlangen; der Herr schenkt seinen Frieden nur durch den heiligen Geist. Pfingsten, die Hochfeier des heiligen Geistes, ist das Fest des Friedens im allerhöchsten Sinne. Es ist darum selbstverständlich, dass Viele von denen, die zu Weihnachten und Ostern festlich bewegt sind, Pfingsten nicht mehr recht feiern können. Es ist eine bekannte Tatsache, dass die Kirchen zu Pfingsten weniger gefüllt sind, als zu Weihnachten und Ostern. Pfingsten ist nur ein Fest für diejenigen Leute, die bis zum dritten Artikel des christlichen Glaubens durchgedrungen sind und voll des heiligen Geistes und durch ihn voll des Friedens sind, und für diejenigen Leute, die zwar den Frieden Jesu Christi noch nicht haben, aber doch auch die Sehnsucht nach dem Frieden noch nicht unterdrückt, noch nicht tot gelebt haben. Für jene ist Pfingsten ein Dankfest, für diese ist Pfingsten ein Bittfest. Zu welcher von beiden Klassen gehörst du? Wohl dir, wenn du dem heiligen Geiste danken kannst, dass du durch ihn zu dem Frieden gelangt bist, der höher ist, als alle Vernunft. Aber auch dann hört das Bitten noch nicht auf. Es gilt immer von neuem wieder zu flehen: „O heil'ger Geist, kehr' bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein; o komm, du Herzenssonne!“ Luther sagt: „Es ist wohl ein halb Himmelreich, wo Friede ist“. Aber wer den Frieden hat und schmeckt, der spricht wie die Königin von Saba von Salomo, dem Friedereichen: „Ich habe es nicht wollen glauben, bis ich gekommen bin und habe es mit meinen Augen gesehen. Und siehe, es ist mir nicht die Hälfte gesagt“. Läutet, ihr Pfingstglocken, läutet den Frieden Jesu Christi über ein Geschlecht, das des Friedens so bedürftig ist! Pfingsten ist das Fest des Friedens. (Emil Quandt) —- Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich, wie die Welt gibt.
Fürwahr es ist ein Unterschied zwischen dem Frieden Gottes und dem Frieden der Welt. Der Herr sagt: meinen Frieden. Er wird auch der Friede Gottes genannt, der höher ist denn alle Vernunft. Er wird gegeben in den innersten Tiefen des Herzens. Er wird nicht auf Papier geschrieben oder auf Pergament, er wird uns in die Seele geschrieben. An dieser heiligen Urkunde hängt auch ein Siegel, ein gar festes, nämlich das Bild des gekreuzigten Herrn. Damit du Frieden haben sollst, erwählte er das Kreuz. O wie süß ist dieser Friede! Er stillt ja die bittersten Kriege, die du geführt hast, die Kriege im Gewissen, den Kampf gegen Gottes Gericht, den du noch nie zum Siege hinausführen konntest. Wie fest ist dieser Friede! Man hat ihn so vielen Christen mit Feuer, Schwert, Folter und anderen Gewaltmitteln abdringen wollen. Es kann ihn aber Niemand nehmen. Der Herr gibt nicht, wie die Welt gibt. Denn was sie gibt mit der einen Hand, das nimmt sie mit der andern. Sie kann den Frieden wohl wünschen, er aber kann ihn geben. Siehe, das sind Pfingstgüter. Wer seinen Herrn und Gott im Herzen hat, wem der heilige Geist das Wort Gottes lebendig gemacht hat, wem er den Frieden in die Seele ausgegossen hat, dem ist wohl, der ist stark vor allen Starken. Herr, mache uns dieses Friedens teilhaftig. Gieße in unsere Herzen aus die Gewissheit und die Seligkeit, mit welcher deine Apostel in dir und vor dir standen, obgleich sie eine ganze Welt voll Widersacher gegen sich hatten. Gieße aus den festen Glauben, der auf dem Felsen steht, der gewisse Tritte tut mit seinen Füßen und sich durch aller Welt Klugheit nicht irre machen lässt. Gieße aus die selige Klarheit, welcher der Grund und der Weg des Heils sonnenhell vor der Seele steht, und welche sich durch keine Einreden der sündigen Vernunft verdüstern lässt. Gieße aus den alten Zeugenmut der ersten Kirche, bis wir endlich den vollen Sieg und ewigen Frieden erringen. Amen. (Friedrich Ahlfeld) Euer Herz erschrecke nicht, und fürchte sich nicht.
Wer Christi Wahrheit und durch Gottes Geist Frieden in sich trägt, dem ist sein Gott eine eherne Mauer, eine feste Stadt geworden, eine Burg, die Niemand bezwingen kann. Und ob sie gegen dieselbe stürmen mit den Waffen des Hasses und mit den Pfeilen der Bosheit, dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten drinnen sind. Hüte dich ja, dass du in den Kampf mit dem Widersacher nicht gehst gestützt auf deine eigene Kraft. Tausende, denen der Herr einst ihre Stärke war, haben sich vermessen mit großen Worten, sie wollten von Christo in keiner Verfolgung lassen. Aber ihr Versprechen war gekommen aus Fleisch und Blut. Fleisch und Blut aber zagen, wenn die Trübsal ernstlich hereinbricht, die großen Worte vergehen wie Windwolken. Die aber auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie die Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. Dass doch ein solcher Geist des Herrn über uns käme, dass doch dem Geiste des Verderbens, der durch die Völker geht, dieser Geist entgegenstünde! Er allein kann ihn bekämpfen. Bitte, dass der Geist des Rates und der Stärke dich erfülle und vollbereite, dann wird die Anfechtung an dir abprallen wie ein matter Pfeil an einem festen Panzer. Ach heiliger Geist, wir brauchen deine Stärke allezeit. Jeder Tag führt uns in den Kampf mit dem Feinde unsrer Seele, und jeder Tag sieht uns wieder matt und schwach werden in diesem Kampfe. O stehe uns heute bei in allen Versuchungen, mit denen der Teufel, die Welt und unser Fleisch uns überwinden wollen. Segne uns auch mit deiner Kraft in unserm Hause und Berufe, dass wir treu beharren. im Gehorsam gegen Gott und in der Liebe zu den Nächsten. Halte uns in der Demut, dass uns unser Hochmut nicht zum Fallstrick werde, und wir nicht in Selbstbewusstsein und Selbstgerechtigkeit deine Gnade verlieren. Amen. (Friedrich Ahlfeld) =====Predigten=====

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nt/43/johannes_14_27.txt · Zuletzt geändert: von aj
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