Lukas 2,34
Andachten
Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Falle und Auferstehen Vieler in Israel.
Gott ist die Liebe, und aus Liebe hat er den Heiland gesandt, nicht dass man über ihn fallen solle, das sei ferne, aber eben weil das Herz Gottes, sein Erbarmen in Christo offenbar worden ist, eben darum muss es sich auch an Christo offenbaren, welche Gedanken ein Mensch hat, es muss sich entscheiden, was in seinem tiefsten Herzensgrunde lebt, ob er aus Gott ist oder gegen Gott; im letzteren Fall gereicht ihm Christus zum Fall, Christus, der liebevolle, der Erbarmende, der Getreue, Der, welcher so schonend und zart mit den Menschen umgeht, Christus, dem sein Herz bricht gegen seine Feinde, der so sehr Jammernde des Elends und der Not der Menschen, dass er sein Leben nicht lieb hatte bis in den Tod, Christus, zu unserer Erlösung vom Himmel gekommen, wird uns dann ein Fels des Ärgernisses, an welchem wir anlaufen und zu Schanden werden. Ein Mancher ist dann der beste, der ehrbarste Mann gewesen, aber durch das Evangelium hat sich seine Feindschaft geoffenbart. Das Evangelium, wenn es einer Seele durch den Geist der Wahrheit nahe gebracht wird, schneidet nämlich durch, es geht in die Tiefe, es fasst die geheimsten Herzensgedanken an, und es zeigt sich sogleich, wes Geistes Kind ein Mensch ist oder sein will, er darf und kann nicht mehr gleichgültig bleiben, sondern er muss sich entscheiden und sagen: ich will oder ich will nicht. Wenn dir gepredigt und gesagt wird, dass der Schöpfer aller Dinge um deinetwillen sei ein armer Mensch worden und zuletzt wie ein verzweifelter Missetäter gestorben, und der Geist Gottes macht dir diese Predigt eindrücklich, so musst du dies entweder glauben oder du glaubst es nicht; glaubst du es, so wirst du von der Stunde an ein dankbarer Liebhaber des für dich in den Tod Gegebenen, glaubst du es nicht, so wird sich in dir eine Feindschaft gegen diese Predigt und gegen den Heiland selbst und gegen diejenigen offenbaren, die ihn bekennen, eine Feindschaft, die du nicht los wirst, wenn du nicht bittest, dass das Erbarmen Gottes deiner Blindheit zu Hilfe kommt und dir deine Augen auftut, Christus wird dir zum Fall gesetzt sein. (Ludwig Hofacker)
Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall und Auferstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird.
Durch Jesum würde der Eine lebendig werden, ein Anderer völlig ersterben; im Allgemeinen aber werde man Ihm widersprechen. Das ist die Weissagung, welche der greise Simeon über das Jesuskind aussprach, als es Joseph und Maria im Tempel dargestellt hatten; und diese Weissagung hat sich im Laufe der Jahrhunderte herrlich und schrecklich erfüllt und erfüllt sich noch fortwährend. Jesus war da für Pharisäer und Zöllner; aber jenen war Er ein Geruch des Todes zum Tode, diesen ein Geruch des Lebens zum Leben; jene strauchelten über diesen Stein und fielen, diese richteten sich an Ihm auf und lebten. Judas sah Jesum, und musste es glauben, dass Er Gottes Sohn sei, aber dennoch hasste Ihn seine Seele und er brachte es bis zum Verrat und zum Selbstmorde; er starb geistlich und leiblich an Jesu; die andern Jünger sahen Jesum und liebten Ihn und lebten durch Ihn und gaben ihr Herzblut für Ihn, und leben in Ewigkeit. Und heute hören Zwei das Evangelium von Jesu; der Eine wird von seiner Liebe bis in den Tod überwältigt, bekennt seine Sünden und nimmt das Opfer seines Blutes gerne an, des Andern Herz empört sich darüber, dass er zum gemeinen Sünder gemacht werden und seine Gerechtigkeit und seine Tugend nichts gelten soll, und er wendet sich mit Widerwillen von einem Arzte ab, der ihm sagt, dass er sterben werde und dessen Arznei ihm bitterer dünkt als der Tod. Dem Einem ist die Botschaft von der Fleischwerdung des Sohnes Gottes und sein Kreuzestod, seine Niedrigkeit damals und jetzt im Wort und Sakrament so ärgerlich, dass er über diesen Stein des Anstoßes nicht hinwegkommt, ein Anderer findet grade darin seines Herzens Trost und die rechte Arznei für seinen gedemütigten Geist. Dem Einen dünkt es eine alles Maß überscheitende Forderung zu sein, seinen liebsten Wünschen zu entsagen, im beständigen Kampfe mit sich selbst zu liegen und sich in allen Stücken zu verleugnen, während ein Anderer nicht anders kann, als um Jesu willen seine Sünde hassen und mit ihr bis aufs Blut zu kämpfen und den Frieden des Gewissens und die Seligkeit des Herzensverkehres mit Jesu höher zu achten als alle Fleischesseligkeit und alle Lust der Welt. Und das ist nicht zu verwundern. Denn Christus selber spricht, Er sei gekommen, dass die, welche nicht sehen, sehend werden, und welche sehen blind werden; dass Er zum Gericht in die Welt gekommen sei, d. h. zur Scheidung zwischen denen, die gerettet werden können und denen, die verloren gehen werden, jetzt erst nur noch innerlich, doch sollen auch Vieler Gedanken an Ihm offenbar werden, dereinst aber äußerlich und vor aller Kreatur. Es könnten wohl Alle gerettet werden, wenn sie sich an Jesum aufrichten wollten, aber es wollen es eben nicht Alle, und Gott kennet sie, und will nun, dass es mit ihnen zur Entscheidung komme, damit es auch zur Scheidung komme könne, denn Er will auch denen, die errettet werden, die Ruhe und die volle Seligkeit nicht länger vorenthalten, (die ihnen noch abgeht, so lange die Scheidung noch nicht geschehen) als nötig ist, bis auch der letzte Sünder eingebracht ist, der gerettet werden kann. Uns aber werde der Stein, den die Bauleute verworfen haben, zum Eckstein unsrer Seligkeit! Amen.. (Anton Camillo Bertoldy)