Markus 5,36
Andachten
„Glaube nur.“
Ewiger, wunderbarer Gott, Du Quell alles Lebens, Du Ursprung alles Lichts. Du Gott aller Gnade wenn ich diesen Morgen wiederum vor Dein heiliges Angesicht trete, so lass einen Strahl Deiner Liebe auf mich fallen. Lass mich Deiner Gemeinschaft versichert werden, als ob die Welt ausgeschlossen und ich mit Dir allein wäre. Denn unter dem Schatten Deiner Flügel kann ich fröhlich sein.
In aller Armseligkeit meiner Natur, aber auf den Reichtum meines Heilandes trauend, komme ich zu Dir so wie ich hin, ohne dass ich etwas zu meinen Gunsten vorbringen könnte - ein Sünder. Lass mich alles Vertrauen auf mich selbst oder eine andere Kreatur wegwerfen, und mit der ganzen Last meiner Verschuldung mich zu Deinen Füßen werfen. Herr hilf mir, sonst muss ich verderben! Ich kann nicht vor Dir bestehen, als allein durch Ihn, der Sich zur Bürgschaft für mich so willig dahin gegeben hat, der jetzt zur Rechten der Majestät in der Höhe sitzt, und meinen Namen, mein Bitten und Flehen fürsprechend vor Deinen Thron bringt Er ist meine einzige Hoffnung, aber auch meine vollkommene. Lass Du, o Herr, mich nicht auf mich selbst sehen, ich würde ja verzagen und verzweifeln müssen, sondern lass mich mit unverrücktem und ungeteiltem Blicke des Glaubens Dein blutiges Opfer ansehen, gleichwie die Kinder Israel die eherne Schlange. Ich denke mit Lob und Dank an die große Schaar Derer, denen Du die Kleider schon rein gewaschen hast in diesem Blut, und dasselbe teure Blut auch heute noch ein freier offener Born ist, dass wir noch immerdar eingeladen werden: kommet und nehmet dass die Verheißung: wer zu Mir kommt den will Ich nicht hinausstoßen, noch heute in Kraft ist und dass Er der sie verheißen hat, getreu ist und bleibt.
Herr, so komme ich denn - ich komme auf Dein Wort. Ich komme, unangesehen dessen was ich bin, und was ich gewesen bin. Verherrliche Deine Gnade an mir, zeige mir die völlige Nichtigkeit und Unwürdigkeit meines Wesens, lehre mich, dass auf Deine Gnade allein alles ankommt. Und wenn Du es mir nun schenkst, dass ich in kindlichem Glauben mich meiner Erlösung und Versöhnung die in Jesu Christo ist, getrösten kann, so gib mir auch dasselbe einfältige Vertrauen zu allen Seinen Führungen. Der gute Hirte kann mich ja nicht auf verkehrten Weg leiten, Sein Weg ist allemal der sicherste und beste, die rechte Straße. Herr, leite mich mit Deinem Rat durch alle Tage meines Lebens hindurch gib mir, nimm mir, tu mit mir was Du willst. Lehre mich vertrauen auf meines Vaters Wort, auf Seine Liebe, auch wenn Er mich züchtigt.
Für alle meine Lieben bitte ich dasselbe. Möge es Dir in Deiner großen Barmherzigkeit doch gefallen, sie Alle zu Dir zu ziehen, alles was ihnen begegnet, zu ihrem Besten zu führen, und sie endlich in Dein ewiges Himmelreich zu bringen, durch unsern Herrn Jesum Christum, welchem mit dem Vater und dem heiligen Geiste, sei Preis und Ehre, und Lob und Herrlichkeit, in Ewigkeit. Amen. (John Ross MacDuff)
Jesus sprach zu dem Obersten der Schule: Fürchte dich nicht, glaube nur.
Was soll der Mann denn glauben? Er soll glauben und fortfahren zu glauben, dass der Herr ein Helfer ist. Er soll nur diesen Glauben auf alles ausdehnen, worin der Mensch einer übermenschlichen, einer göttlichen Hilfe bedarf. Er soll glauben, dass der Herr auch da ein Helfer ist, wo es mit allem zu Ende ist, auch dem Tode gegenüber, dass er der Herr ist, der auch vom Tode errettet. Und eben weil er ein solcher Herr ist, darum spricht er dieses Wort, und bezeichnet damit den Weg aller derer, die mit ihm gehen, als einen solchen, wo es immer aus einer Not in die andere geht, in welcher der Mensch, der ohne ihn ist, verzagen muss, und wo es doch immer und immer wieder heißt, auch in der tiefsten Not und in der dunkelsten Nacht; fürchte dich nicht, glaube nur, und wird dir was schwer, so glaube umso mehr!
Denn so ist's immer auf dem Wege, den der Herr die Seinen führt; es sind Glaubenswege und Glaubensschulen, wo es immer aus einer Not in die andere geht, wo es immer ist, als müsse man umkommen, als könne man nicht weiter gehen, und wo man auch wirklich feinen Schritt weiter tun kann ohne den Glauben an den Herrn, der allem Elend und allen Nöten und allen Mächten gegenüber sagen kann: fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, ich bin dein Gott, d. h. glaube nur, sieh nur auf mich, hoffe auf mich, rechne auf mich, halte dich an mich, ich bin ja für dich, ich bin an deiner Seite, du sollst nicht umkommen, dir soll geholfen werden. So ist der Weg durchs Leben, durchs Leiden, durchs Sterben wie der Weg Israels durch die Wüste, wo es hieß: wer nicht glaubt, kommt nicht nach Kanaan. Sie sind aus der ägyptischen Knechtschaft gerettet, aber nach der Erlösung geht die Not erst recht an. Da stehen sie vor dem roten Meer, die Tiefe des Meeres vor ihnen, die Macht des Feindes hinter ihnen, es ist kein Durchdringen möglich, sie sind verloren, sie müssen umkommen; aber gerade da heißt es: fürchte dich nicht, glaube nur, und sie gehen hindurch durch das Meer, das ihnen ein Weg geworden ist und den Feinden ein Grab, und aus dem Schrei der Not ist ein Halleluja geworden: gelobt sei der Herr, er hat eine große Tat an uns getan. Sie ziehen in die Wüste hinein, sie können nicht säen und nicht ernten, es fehlt das tägliche Brot, die Sonne scheint heiß vom Himmel herab, und es ist in der Wüste keine Quelle, den brennenden Durst zu löschen, es ist keine Hilfe da, sie müssen verhungern und verdursten; aber es heißt: fürchte dich nicht, glaube nur, und das Brot fällt vom Himmel herab, und aus dem Felsen strömt das frische, klare Quellwasser durch das Lager der Dürstenden. Sie haben endlich den ganzen Weg mit allen seinen Nöten hinter sich, das verheißene Land liegt vor ihnen, aber feste Städte und kriegerische Völker schützen und verteidigen es gegen jeden Angriff, und der hoch aufgeschwollene Jordan trennt sie von dem Lande, sie können über seine wilden Fluten feine Brücken bauen, sie haben keine Schiffe, ihn zu überschreiten, sie können nicht wieder zurück und können nicht vorwärts; aber es heißt von neuem: fürchte dich nicht, glaube nur, und die Fluten des Jordan reißen aus einander, die Mauern Jerichos fallen, und so geht's aus Glauben in Glauben bis ans Ziel, bis die Stunde schlägt, wo alles in Erfüllung geht, was der Herr verheißen hat, wo der Glaube an sein Wort, an seine Verheißung, an seine Gnade und Treue, kurz wo der unerschütterliche Glaube an ihn, der nie von ihm gewichen ist, sich verwandelt in das Schauen seiner Herrlichkeit, wo tausend Stimmen uns zurufen das Wort, was Elisabeth zu Maria sprach: selig bist du, die du geglaubt hast, und wo man mit unaussprechlicher Freude antworten wird: ja der Herr ist der Helfer, er hat herrlich geholfen! (Friedrich Mallet.)