Matthäus 7,21
Andachten
Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen; sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.
Herr, Herr sagen lautet wie ein Bekenntnis. Man redet viel vom Bekenntnis, aber sehr oft nicht im Sinn dieser Worte Jesu. Wenn man meint, diese und jene Lehrformel unterschreiben sei ein hinreichendes Bekenntnis, so ist das eine große Täuschung. Nicht das Herr Herr sagen, oder Herr Herr schreiben ist schon ein Bekenntnis, das vor Gott gilt; zu einem rechten Bekenntnis gehören drei Stücke: Glauben von Herzen, Bekennen mit dem Mund, und das Tun des Willens des Vaters im Himmel. Manchmal eifert man gewaltig über dem reinen Bekenntnis; eifern ist gut und unter Umständen sehr nötig; aber wenn es so oft mit beißender Lieblosigkeit geschieht, so gar nicht im Geist Jesu Christi, so ist das kein Bekenntnis nach Jesu Sinn. Zu einem richtigen christlichen Bekenntnis gehört unerlässlich der Wandel nach Christi Sinn und Geist, denn der richtige Wandel ist eine Hauptsache bei unserem Bekenntnis. Wir bekennen uns zu Christi und der Apostel Lehre und wollen dabei bleiben bis in den Tod; aber wir bekennen uns nicht nur zu der Lehre, sondern vor Allem zu dem Lehrer. Das Große bei dem Herrn und seinen Aposteln war, dass sie lebten was sie lehrten, und so muss ein treuer Bekenner Jesu Christi auch leben, was sein Meister gelehrt hat. Das kann er nur, wenn Jesu Geist in ihm wohnt. Treibt ihn Jesu Geist, so ist er Jesu Untertan, Jesus ist in Wahrheit sein Herr. Dann ist sein Wandel im Himmel, wie Paulus an die Philipper schreibt, er ist jetzt schon im Himmelreich.
Herr Jesu! Du hast Deinen Vater allezeit bekannt, in Wort und Leben. Gib mir Gnade, dass ich Dich auch in Wort und Wandel bekenne und mich fürchte vor allem bloßen Reden. Heilige Du mich, dass mein Reden und Schweigen, mein Tun und Lassen von Dir zeuge. Amen. (Elias Schrenk)
Schon damals, da unser Heiland die Bergpredigt hielt, gab es Leute, die Ihn HErr nannten, obschon der Name HErr bei den Juden nicht so gewöhnlich war, als er heut zu Tag ist. Es scheint auch, es habe Leute gegeben, die, um sich Ihm gefällig zu machen, den Titel HErr gegen Ihn gar oft wiederholten. Nun sagte Er zwar nicht, dass Ihm dieser Titel nicht gebühre, bezeugte aber doch, dass nicht Alle, die zu Ihm sagen: HErr, HErr, in das Himmelreich kommen, gleichwie man heut zu Tag sagen kann, dass nicht Alle, die von dem HErrn Jesu schreiben, predigen, hören, lesen, reden, oder Seinen Namen im Beten nennen, in das Himmelreich kommen. Welche sind es aber, die darein kommen? Diejenigen, die den Willen Seines Vaters im Himmel tun. Der Wille des Vaters ist auch Sein Wille, und eben deswegen, weil man Ihn HErr nennen darf, soll man auch Seinen Willen tun, und Seine Gebote halten, Off. 22,14. Es war aber im Stand der Erniedrigung, da Er noch nicht verklärt war, Seine Weise, die Menschen, wenn Er ihnen etwas Göttliches vorhalten wollte, auf den unsichtbaren Vater in dem Himmel zu weisen: dieser war Sein Vater in einem besonderen Verstand, denn Er war der eigene und eingeborne Sohn Gottes. Es ist aber der Wille und das Gebot des himmlischen Vaters, dass wir glauben an den Namen Seines Sohnes. Sein Wille ist unsere Heiligung. Sein Wille ist überhaupt Alles, was uns in der heiligen Schrift geboten ist. Diesen Willen sollen wir aber nicht nur wissen, sondern auch tun, folglich gute Bäume sein, die gute Früchte tragen, wie der Heiland vorher gesagt hatte. Dazu wird aber ein solches Herz und ein solcher Sinn erfordert, als Er Matth. 5,2-12. beschreibt. Zu diesem Zweck ist aber auch nötig, dass man den wahren Sinn des göttlichen Gesetzes verstehe, ein einfältiges Auge habe, und ernstlich bete. So wenig man Gott nach eigenem Gutdünken oder nach Menschensatzungen dienen darf: so wenig darf man in Ansehung Seines geoffenbarten Willens gleichgültig sein. Ein Mensch kann ohnehin nicht untätig sein. Tut er den Willen seines Gottes nicht, so ist er ein Übeltäter, und wird, wenn er ein solcher bleibt, mit Anderen seines Gleichen am jüngsten Tag das schreckliche Urteil hören: Ich habe euch noch die für die Meinigen erkannt, weicht von Mir, ihr Übeltäter. So sei denn unser Wille dem Willen des himmlischen Vaters unterworfen, und der HErr Jesus, der zu Ihm gesagt hat: Deinen Willen, Mein Gott, tue Ich gerne, gebe uns auch von Seinem Sinn und Geist, und mache uns tüchtig, in den Fußstapfen Seines lauteren Gehorsams zu wandeln. Es ist nicht nötig, dass wir hierbei große Taten tun, wie Einige am jüngsten Tag von sich rühmen werden. Wenn wir nur die Pflichten, die unser geringer Stand mit sich bringt, treulich erfüllen, und die damit verbundenen Beschwerden williglich ertragen, und überhaupt als Kinder vor unserem himmlischen Vater wandeln, so wird Er unser Tun höher achten, als wir selber, und uns am jüngsten Tag einen größeren Gnadenlohn geben, als wir gehofft hatten. (Magnus Friedrich Roos)
Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: „Herr, Herr“ in das Himmelreich kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters im Himmel.
Unzählige sind getauft. Werden diese alle selig? Nein, denn es haben Viele das neue Leben in sich ertötet; Christus ist nicht ihr Leben und ihr Herr geblieben. Aus der großen Zahl der Getauften kommt nur eine geringe Schar dazu, dass sie „Herr, Herr“ sage. Viele sind jetzt so fein und vornehm geworden, dass Christus für sie auch nicht einmal den Namen eines Herrn übrig behalten hat. Doch auch die, bei welchen es „Herr“ und „Herr, Herr“ heißt, werden nicht Alle selig, weil Viele von ihnen den Willen seines Vaters im Himmel nicht getan haben. Herr, Herr sagen ist leicht; aber den Willen tun seines Vaters im Himmel ist schwer. Dass wir den Tag mit Gott in Gebet beginnen, ist leicht, aber dass wir den ganzen Tag den Willen Gottes tun bei allem, was wir reden und vornehmen, ist schwer. Jesus Christus soll kein leerer Klang sein; er will kein Mann aus der alten Geschichte werden. Er ist ewig lebendig zur Rechten seines himmlischen Vaters; er will auch ewig lebendig in deinem Herzen und Wandel bleiben. Ist er es nicht, so muss er es werden.
Herr, wir müssen es beklagen und bekennen, dass auch unsere Gebete oft ein bloßes Herr, Herrsagen sind, ohne dass wir uns deinem heiligen Willen dabei still unterordneten und in Wahrheit mit dir redeten. Wir müssen bekennen, dass trotz des Betens auch unser Wandel noch viel mehr zeugt von Selbstsucht und Eigenwille als von festem Gehorsam. So gib uns doch ein Herz, das dich allein sucht, das auch im Geschäfte der Welt und im Verkehr mit der Welt dir folgt und dich als den Herrn erkennt, der unser ganzes Leben regieren will und regieren muss, wenn es das Ziel, das Himmelreich, erlangen soll. Amen. (Friedrich Ahlfeld)