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Matthäus 6,3

Matthäus 6,3

Andachten

Wenn du Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.
Wenn irgendein Gebot Jesu uns zur Einrede reizt: das ist unmöglich, ich kann das nicht! So ist es dieses Gebot. Dass wir unser Wohltun nicht auch vor den anderen ausstellen dürfen, das hat einleuchtenden Grund. Wir haben alle keine Achtung von einer Wohltätigkeit, die nicht zustande käme, wenn sie nicht Zuschauer hätte. Wir wissen alle, hier kommt etwas anderes ans Licht als Güte. Dieses Wohltun ist Eigennutz und erkauft sich mit seiner Gabe einen Gewinn, die Ehrung, die der Zuschauer ihm spenden soll. Jesus ist aber nicht damit zufrieden, dass die fremden Augen ausgesperrt bleiben; auch ich selbst soll meine Wohltat nicht beschauen. Das hat er in seiner mächtigen Sprache so gesagt, dass meine linke Hand nichts davon erfahren soll, dass meine rechte Hand den anderen die Gabe gibt. Auch wenn ich nicht Dank und Lohn von den Menschen begehre, so begehre ich doch den Lohn, dass meine Wohltat mich selbst erfreue und mir das Wohlgefühl des richtigen Handelns verschaffe. Damit hängt sich aber wieder jene Verunreinigung, die die den anderen vorgezeigte Wohltat verdirbt, in ihrer innersten und feinsten Gestalt an unsere Güte an. Ein letzter, feinster, aber auch stärkster Trieb der Eigensucht mengt sich ein. Sei nicht dein eigener Zuschauer und Lobredner, mahnt uns Jesus. Dich geht, was du Gutes tust, nichts an. Ihn geht es an, der deine Wohltat bedarf. Sieh auf ihn und sorge dafür, dass er wirklich erhält, was er bedarf. Wie kann ich zu dieser selbstlosen Güte kommen? Das Gebot Jesu wäre eine unerfüllbare Unmöglichkeit, wenn er uns nicht in den Glauben stellte. Solange ich meinen Stützpunkt in mir selber suche und mich an das klammere, was ich bei mir finde, wird sich auch meine linke Hand lebhaft an dem beteiligen, was die rechte tut. Dann zuckt das Hochgefühl des guten Werks durch meine ganze Seele und wird mir zum unentbehrlichen Genuss. Denn ich füge ja mit jeder Guttat einen Stein hinzu zu meinem stolzen Bau. Wie ich sein Erbauer bin, bin ich auch sein Beschauer und sein Bewunderer. Nun wendet aber Jesus unser Gesicht zu Gott hin, so dass wir glauben. Das gibt die Lösung nicht nur von unserem Sündigen, sondern auch von unserem Gutestun. Denn ich stehe nun vor Gott nicht auf meinem Werk, nicht auf dem, was meine Liebe opfert, sondern auf Gottes Wort und Gottes Tat. Der Segen, der daraus entsteht, wird mir sofort zuteil. Nun entsteht jenes Helfen, das ernsthaft hilft, weil unser Blick nicht an uns und unserem Vorteil hängt, sondern klar und ganz das bedenkt, was dem anderen dient.

Wenn meine Linke mit dabei ist, lieber Herr, dann hält sie meine Rechte fest, dass sie nicht ernsthaft geben kann. So wird aus meinem Wohltun Schein. Weil Du allein die Liebe bist, suche ich sie bei Dir, und ich weiß, sie ist des Geistes Frucht und des Glaubens Frucht. Amen. (Adolf Schlatter)


Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich

Keine Verheißung wird denen erteilt, die den Armen geben, um von Menschen gesehen zu werden. Sie haben ihren Lohn sogleich und können nicht erwarten, zweimal bezahlt zu werden.

Lasst uns unsre Wohltätigkeit verbergen; - ja, sie vor uns selber verbergen. Gib als etwas, was sich von selber versteht; so oft und so viel, dass du ebenso wenig darauf achtest, dass du den Armen gegeben, als dass du deine regelmäßigen Mahlzeiten genossen hast. Gib deine Almosen, ohne dir auch nur zuzuflüstern: „Wie freigebig bin ich!” Versuche nicht, dich auf diese Weise zu belohnen! Überlass die Sache Gott, der niemals verfehlt, zu sehen, in sein Buch zu verzeichnen und zu belohnen! Gesegnet ist der Mann, dessen Freundlichkeit im Verborgenen tätig ist, er findet eine besondere Freude an seinen unbekannten Wohltaten. Dies ist das Brot, das verstohlen gegessen, süßer ist, als Festmahle der Könige. Wie kann ich mir heute diesen köstlichen Bissen verschaffen? Lasst mich ein wirkliches Fest der Mildtätigkeit und der Herzensfreundlichkeit haben.

Hier und dort droben wird der Herr persönlich darauf sehen, dass der verborgene Geber der Almosen belohnt wird. Das wird auf Seine Weise und zu Seiner Zeit sein: und Er wird die allerbeste wählen. Wieviel diese Verheißung bedeutet, das zu enthüllen, wird es der Ewigkeit bedürfen. (Charles Haddon Spurgeon)


Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, auf dass dein Almosen verborgen sei; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich.
Auch das Wohltun ist eine Kunst, die darin besteht, umsonst zu geben. Das wird dem natürlichen Menschen so schwer. Wer das Seine lieb hat, wird es nicht gerne ohne entsprechende Entschädigung hingeben, und wer sich selbst lieb hat, wird auch da, wo er das Wohl des Nächsten fördert, nicht vergessen, an sich selbst zu denken. „Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“ Auch den allernächsten Umgebungen sollte es verborgen bleiben, was du tatest; ein Christ würde sich schämen, wenn Andre wider seinen Willen erführen, was er heimlich Gutes getan hat; so wie er sich schämen und eine Weihestunde mit Recht entweiht glauben würde, wenn Menschen ihn mitten in seinem Herzens-Gebet überraschten, und er sein innerstes Empfinden ihren Blicken preisgegeben sähe. Was dünkt dich aber, wenn der Wohltat die geheime Berechnung zum Grunde liegt? Wenn gegeben wird, damit es nicht nur die Nächsten erfahren, sondern auch in den weitesten Umgebungen der Name des Gebers zu Ehren komme? - „Lass die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“; die rechte und die linke Hand werden beide von der Seele des Menschen belebt und geleitet; beider Bewegung geht von demselben Menschen aus; was du also mit deiner rechten Hand tust, das lass deiner linken nicht weiter zum Bewusstsein kommen; hat dir Gott Gnade gegeben, liebe Seele, dass du einmal rechtschaffen hast helfen können, so lass es nicht nur den Menschen, lass es dir auch selber verborgen bleiben, was du tatest. Hüte dich, dass du dich in deinem Wohltun bespiegelst; dass du aus deinen Almosen deiner Selbstgerechtigkeit falsche Stützen bereitest; denk nicht an die Zinsen, die Gott zahlen werde - wenn du so dächtest: wär' nicht deine Gabe wiederum eine schnöde Berechnung? Wenn du deshalb spendetest, um in selbstgefälliger Beschauung den Lohn in dir selber, in der Pflege deines Selbstgefühls, in der Erhöhung deiner Selbst-Achtung zu finden; oder wenn du dem Wucherer gleich die Zinsen berechnetest, die der Herr an dem Tage der großen Vergeltung dir zahlen würde: hast du dann umsonst gegeben? Und wer nicht umsonst gibt: mag wohl von Solchem gesagt werden können, dass er überhaupt gebe? „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebt es auch.“ (Matth. 10, 8.) Und was haben wir denn umsonst empfangen? Ach, wie lässt sich das ausreden und mit Worten und Gedanken umfassen? Vater und Mutter mit ihrer Liebe; das Elternhaus mit seinem unaussprechlichen Segen; tägliches Brot für Leib und Seele; Vorbild und Zucht; Lehre und Weisung; und dann im Leben wunderbare Geduld mit unseren Sünden, immer neue Durchhülse aus Not und Gefahr! Und was brachten wir Ihm als Gegengabe? Hat der freundliche Gott mit uns einen Vertrag gemacht, ehe Er Seine Sonne über uns leuchten ließ? Man lebt, man isst und trinkt, man empfängt und genießt Segen auf Segen, Wohltat auf Wohltat, vom Morgen bis zum Abend, von der Wiege bis zum Grabe, und wer kann sagen: hier ist der Preis, für den ich das Alles empfangen habe? Und das ist es noch nicht Alles, sondern was kein Mensch mit all' seinen Kräften erringen noch mit allen Schätzen erkaufen kann, Vergebung der Sünden, vollkommene Gerechtigkeit, und ewiges seliges Leben - das Alles bietet Er uns umsonst, und du solltest nicht im Stande sein, liebe Seele, deinem Nächsten umsonst wohlzutun? Und wenn dich's bis jetzt drängte, dir für deine Wohltat danken zu lassen von den Menschen oder von deinem selbstgefälligen Eigendünkel: solltest du nicht fortan dich gedrungen fühlen, deinerseits dem Herrn mit gebeugtem Herzen zu danken, dass Er dir's vergönnte, mit Seinen Mitteln Segen zu stiften? Müsste nicht das Lob der Welt dich schamrot machen? dein besseres Gefühl ärgern? Darum lerne im Gutestun verborgen sein; tue das Beste als etwas Natürliches, was sich von selbst versteht, und überlass es der freien Gottes-Gnade, in welcher Weise sie die Verheißung erfüllen wird: „und dein Vater, der in Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich.“ (Julius Müllensiefen)

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