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Matthäus 20,1

Matthäus 20,1

Andachten

Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg.
Groß ist der Reichtum wichtiger Lehren und Warnungen in diesem Gleichnis. Auf die Berufung der mannigfachen Nationen des Erdbodens zum Evangelio und die Einladung eines Jeglichen unter uns zum Reiche Gotte weiset es uns hin; die Verpflichtung der Berufenen, die Hoffnung der treuen Diener Christi, die last und Hitze des Tages, die Ruhe und den Lohn des Feierabends, die Gerechtigkeit, die Güte und die erfreuende Gnade des Herrn zeigt es uns im erwecklichsten Bilde. Besonders wichtig ist die Erwähnung der elften Stunde, wo der Hausvater zum letzten Mal ausgeht, um Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Diese letzte Frist des menschlichen Lebens ist offenbar eine Gnadenstunde, denn sie hat auch noch die Verheißung des Lohns. Sie ist gleichwohl eine sehr ernste Stunde, weil sie eben die letzte ist in der Gnadenfrist. Dabei ist sie im höchsten Grade ungewiss: kann es nicht die gegenwärtige Stunde sein? Rühme dich nicht des morgenden Tages, denn du weißt nicht, was heute sich begeben wird. Gottlob, dass sie nach und nach gewisser wird, je länger wir leben, und immer offenbarer und deutlicher sich bei Vielen anmeldet; besonders wenn der Schnee des Alters das Haupt bedeckt und ein Glied und Sinn nach dem andern seine Dienste versagt! Wohl ist das hohe Alter dann eine schwere, oft schmerzensreiche und drückende Zeit; aber – mag sie sauer werden, die elfte Stunde: sie ist die letzte; mag es noch hart hergehen im Weinberg, sie kündigt den nahen Abend, die Ruhe, den Hingang in das Haus des Herrn, die Austeilung des ersehnten Lohnes an. Auf sie kommt die liebliche Zeit der Erquickung vor dem Angesichte des Herrn. – Wie? Wenn meine elfte Stunde schon geschlagen hätte, ohne dass ich es wüsste? Bin ich fertig und bereit? Habe ich Lust abzuscheiden und bei Christo zu sein? – Würde diese Stunde mir die süßeste und seligste meines ganzen Lebens werden? Herr, öffne mir die Augen und rüste mich selbst aus zu einem treuen Arbeiter in Deinem Weinberge, der seines Ausgangs sich freuen kann, Amen. (Friedrich Arndt)


Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg.
„Mein Freund hatte einen Weinberg an einem fetten Abhange,“ predigt Jesaias. Der Weinberg ist das Reich Gottes auf Erden. Er liegt an Gottes Gnadenberge. Er reicht mit seinem Gipfel hinauf in das Reich der Herrlichkeit. Er steht mit seinem Fuße in den Ebenen dieser Welt, damit immerdar ein Zugang in denselben sei. Unter ihm steht ein Grund, der nie kalt wird. Dieser Grund ist Jesus Christus. Auf den Weinberg scheint die Sonne, auf ihn fallen die fruchtbaren Regen zur Zeit, wenn Regen not tut. Regen und Sonnenschein, das sind die Züge der Weckstimmen des heiligen Geistes, die nie aufhören werden in der Kirche. Der Weinberg soll so weit werden, wie die Erde ist. Auch dort im Norden, wo keine Rebe gedeihen will, da man hinstirbt, ohne eine Traube zu sehen, soll er gepflanzt werden. Auch dort im Süden, unter jenen Völkern, denen verboten ist zu trinken von dem Gewächs des Weinstockes, soll er gedeihen. Die ganze Erde soll der Weinberg Gottes werden. Wo das Wort Gottes lauter und rein gepredigt wird, und die heiligen Sakramente nach der Einsetzung des Herrn verwaltet werden, da ist der Weinberg des Herrn. Und jeder Christ, dem es Ernst ist um seine Seligkeit, der Jesum Christum durch den heiligen Geist seinen Herrn nennt, der ist eine Rebe, der ist ein Weinstock darin.

Herr heiliger Gott. Kein Tag verkündet uns so laut, wie der Sonntag, dass du in deiner Gnade diese Erde gemacht hast zu deinem Weinberge. Da sollen wir nicht in dem Acker der Welt arbeiten, wo Dornen und Disteln stehen, sondern sollen uns laben an den Himmelsfrüchten, die du uns in deinem Weinberge bietest. Dazu rufen uns die Glocken, daran mahnen die offenen Kirchenpforten. O so gib uns recht sehnliches Verlangen nach deinem Worte der Wahrheit und des Trostes; lass uns immer tiefer erkennen deine Geheimnisse und die Gebote deiner Liebe. Führe auch immer mehr die Kinder der Welt herbei, dass sie erkennen, wie wir ohne deine Segensgaben dem Verderben entgegen gehen. Lehre sie auch schöpfen aus dem Heilsbrunnen und mache sie zu Kindern des Lichts und des Lebens. Ja, dazu segne den heutigen Sonntag an uns und allen Menschen. Amen. (Friedrich Ahlfeld)


Der Herr kommt zu dir am Morgen, in der ersten Lebensstunde. Am Taufsteine steht er bei dir und bittet dich: „Gehe in meinen Weinberg.“ Am Morgen blühen die Blumen am lieblichsten. Am Morgen da sind die Kräfte des Leibes so frisch. Wie geht es da so fröhlich in die Arbeit! Und in den lieben Kinderjahren sollten die Kräfte des Glaubens eben so frisch sein. Noch ist der Zweifel nicht aufgewacht, das Herz irre zu machen an dem treuen Herrn, der uns in seine Arbeit gerufen hat. Noch hat die Welt, ihre gottlose Freude und ihr ungläubiges Sorgen die Herzen nicht geteilt. Ihr Kinder, geht, eilt in den Weinberg des Herrn! Ob ihr auch jung seid, ihr könnt ihm doch dienen. In dem Weinberge des Herrn gibt es auch Kinderarbeit. Auch ihr könnt den Weinstock, den neuen Menschen in euch, begießen mit dem Worte Gottes. Auch ihr könnt den Boden eures Herzens locker halten mit fleißigem Gebet. Habt auch wilde Ranken genug abzuschneiden an demselben: die Lüge, den Ungehorsam, den Trotz und noch andere. Wenn ihr denkt, sie sind heute abgeschnitten, so wachsen sie morgen aufs Neue. Geht, liebe Kinder, gebt dem Herrn euer ganzes Herz. Ihr könnt ihm aber auch schon dienen an Anderen. Ein Kind, das bei seinen kleinen Geschwistern am Bett sitzt und ihnen ihr Morgen- und Abend-Gebet vorbetet, ist auch ein Arbeiter in des Herrn Weinberge. Ein Kind, das dem Großvater und der Großmutter, denen die Augen blöde geworden sind, ihre Morgen- und Abendlieder oder christliche Sieges- und Ruhelieder vorliest, ist auch ein Arbeiter im Weinberge des Herrn.

Du treuer Herr, wir danken dir, dass du auch zu uns gekommen bist am Morgen unseres Lebens. Du hast mit deiner Gnade schon unsere Kindheit erfüllt. O gib uns doch unseren kindlichen Sinn wieder, der einst so fest an dir hing und ohne Zweifeln und hochmütiges Kopfschütteln deine Wunder und Taten still aufnahm. Hilf aber auch unseren Kindern, dass sie frühe lernen dir dienen. Du willst dir ja die Unmündigen zu Zeugen und Verkündern deines Ruhmes machen. Da gib dann allen Eltern und Lehrern das rechte Herz, dass sie es nicht versäumen, den Ruf in deinen Weinberg recht treulich auszurichten. Lass uns in den Kleinen die uns anvertrauten Seelen ehren, über welche wir einst Rechenschaft geben sollen. Wir wissen ja, dass sie auch immer mehr unsere lieben Kinder, und immer bessere Menschen werden, je mehr sie deine lieben Kinder sind. So segne denn unsere Arbeit, die wir in deinem Namen an ihnen tun, aus Gnaden. Amen. (Friedrich Ahlfeld)


Das Himmelreich ist gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg.
(Lies das ganze Gleichnis.)
Wenn Gott der Herr mitten in einer sündigen und dem ewigen Tode verfallenen Welt wieder ein Reich gründet (einen Weinberg pflanzt), in welchem Vergebung der Sünden, Friede, Leben und ewige Seligkeit zu erlangen ist, so ist das Gnade, auf welche kein Mensch einen Anspruch hat. Dieses ganze Gleichnis ist überhaupt vom Herrn gesprochen worden, um Gottes freie Gnade zu verherrlichen. Petrus hatte sich so eben noch (V. 27) nach dem Lohne erkundigt, welchen die Jünger dafür zu erwarten hätten, dass sie Alles verlassen und Jesu nachgefolgt wären. Der Herr stellt ihnen einen solchen in Aussicht, knüpft aber daran dies Gleichnis, um ihnen zu zeigen, welche Gesinnung Er von ihnen erwarte, nämlich, dass sie in seinem Dienste nicht um des Lohnes willen arbeiten würden, sondern aus innerem Triebe und aus Freudigkeit an seinem Rufe. Viele aber von den, in seinem Weinberge zu arbeiten Berufenen, würden sich als Lohndiener erweisen und würden daher, wenn sie auch der Zeit nach die zuerst Berufenen seien, doch dem Range, d. h. ihrer innern Zugehörigkeit zum Reiche Gottes nach, die letzten sein und gar nicht zu den Auserwählten gehören, welche Gottes Sinn im Herzen haben, von seiner Liebe getrieben werden und nur von seiner Gnade leben wollen. Aber wie die Pflanzung des Weinberges eine Gnade ist, so ist es wiederum Gnade, wenn Gott Jemand zur Arbeit in diesen Weinberg ruft. Denn offenbar haben wir nichts dazu getan, weder dass wir getauft sind, noch auch, dass uns Gottes Wort verkündigt wird; noch auch dürfen wir es uns als ein Verdienst zurechnen, wenn wir nun an uns und Andern mit Gottes Wort arbeiten dürfen. Hätten wir denn nicht eben so gut in der Finsternis des Heidentums geboren werden, oder als Anhänger des falschen Propheten aufwachsen können? Oder, wenn du mitten in einer verweltlichten Christenheit dennoch von dem Ruse deines Heilandes erreicht und zum Glauben an Ihn herangezogen worden bist, welches Verdienst kannst du dir dabei zuschreiben? Ist es nicht Gottes freie Gnade, welche dich ergriffen hat, vielleicht nachdem du ihr lange widerstrebt hattest? Und wenn du in deinen Jugendjahren, - am Morgen erweckt und bekehrt wurdest, ist es nicht Gnade, dass Gott dich dein Erdenleben nicht vergeuden, sondern in seinem Dienste verwenden lässt? Ist es nicht Gnade, dass du Frucht schaffen und davon vielleicht auf Erden noch etwas schauen darfst? und in welchem Lebensalter du auch vom Markte des Lebens, wo du für den Weinberg Gottes wenigstens müßig da standest, zu deinem Jesus und seinem Dienste berufen wirst, ist es nicht immer Gnade, lautere, freie Gnade, dass du gewürdigt wirst, mit zu dem Ausbau seines Reiches verwendet zu werden! Ja, wenn du erst am Abend deines Lebens, wo vielleicht viel irdische Arbeit hinter dir liegt, aber wenig oder keine für Gottes Reich, noch zur Erkenntnis des Heils kommst, ist es nicht anbetungswürdige Gnade, dass deine eigene Seele noch gerettet wird, wie ein Brand aus dem Feuer, wenn auch das Beispiel deiner Bekehrung die einzige Arbeit noch sein könnte, die du für Gottes Reich verrichtest? Und wenn nun dafür, dass du dich vom Tode zum göttlichen Leben erwecken lässt, dafür, dass du dem Drange des Lebens folgest und wirkest so lange es Tag ist, dir Gott der Herr noch einen Lohn ausseht, so frage ich nochmals, ist das nicht Gnade über Gnade? Wer will denn nun rechten mit Gott, wieviel Er jedem geben soll, da Er doch Niemanden auch nur das geringste schuldig ist, und scheel sehen, wenn seine Gnade überfließt? Bist du kein Mietling, sondern ein Kind im Hause Gottes, so freust du dich über die Güte Gottes, wem sie sich auch zuwende. (Anton Camillo Bertoldy)

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