Matthäus 13,44
Andachten
Abermals ist das Himmelreich gleich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden über denselbigen und verkaufte alles, was er hatte und kaufte den Acker.
Du aber treuer Heiland, der Du uns bisher das helle Licht Deines Evangeliums hast leuchten lassen, nimm um unserer Sünde, um unserer Lauheit und Trägheit willen nicht hinweg, was Du uns aus Gnaden bis hierher in Deinem lauteren Wort und Sakrament geschenkt! Erwecke uns vielmehr aus dem Schlaf der Sünde zu aufrichtiger Buße und Umkehr, segne uns im Acker deiner wahren Kirche, mit dem teuer-werten Schatz Deines Himmelreichs, dass wir, diesen Schatz findend, Dir angehören im einigen, wahren Glauben, Dich bekennen vor den Menschen mit Wort und Tat, auf dass Du uns auch bekennst vor Deinem himmlischen Vater dort, wo wir die Herrlichkeit Deines Himmelreiches schauen werden von Ewigkeit zu Ewigkeit! (Louis August Immanuel Körber)
Das Geheimnis des Himmelreichs, das Jesus durch dieses Gleichnis erläutert, bedrängte die Jünger schwer. Mit dem Himmelreich kehrt Gottes allmächtige Gnade bei uns ein. Nun beginnt die selige Feier mit jubelnder Wonne, denn Sünde und Tod sind vorbei. Allein vor dem Himmelreich steht der herbe Anspruch, Entsagung, die auf alles verzichtet, Armut, Verachtung, Flucht und Kreuzigung. Wie wächst das zusammen, höchstes Glück und bitterstes Leid, größte Gnade und schwerstes Gebot, Einsetzung in Gottes reiches Erbe und Entsagung, die auf alles verzichtet hat? Seht den Mann an, der den Schatz fand, sagt Jesus. Was tat er? Er verkaufte alles, was er besaß, und er verkaufte es froh. Was gibt, Jesus, deinem Gebot die alles umfassende Größe? Sie entsteht aus der alles umfassende Größe deiner Gabe. Alles fordere ich von euch, sagst du deinen Jüngern, weil ich euch alles gebe. Ich verlange, dass ihr um meinetwegen sterbt, denn ich gebe euch das Leben, verlange, dass ihr auf die Gemeinschaft mit denen verzichtet, die bisher das heilige Volk Gottes waren, denn ich mache aus euch die neue Gemeinde, die für Gott geheiligt ist. Ich trenne euch von dem alten Tempel und Altar; denn ich bin für euch der Tempel, in dem Gottes Gnade bei euch ist, und das Opfer, das bei euch von allen Sünden rein macht. Ich hole euch heraus aus der Welt und hebe euch empor über die Natur, dass ihr nicht mehr nach den natürlichen Gütern greift und euer Glück nicht mehr in der natürlichen Lust suchen könnt; denn ich führe euch zu Gott. Ist es nun nicht völlig deutlich, dass hier kein Raum für Halbheiten und zerteilte Herzen ist? Entweder begehre ich das Alte oder das Neue. Entweder glaube ich an Gott oder ich hänge mich an die Menschen. Die Entscheidung greift durch alles durch, weil Gott Gott ist und der Mensch Mensch. Wie könnte ich Jesus deshalb hart heißen, weil er so Großes fordert und mich ganz haben will? Hat er nicht Recht, wenn er mir sagt: Sieh auf den Mann, der alles verkaufte; er tat es mit Freude; denn so gewann er den großen Schatz?
Ich danke Dir, heiliger Herr und Gott, dass Du mich von allem wegziehst, was die Natur mir gibt und was wir Menschen haben, hin zu Deinem großen Schatz. Meinem blöden Auge ist Dein Reichtum noch verborgen und das, was ich bin und habe, scheint mir unentbehrlich und groß. Davon löse ich mich nur mühsam und die Freude im Entsagen ist nicht rein und hell. Ich widerspreche Dir aber nicht, wenn Du mir sagst: gib alles her. Denn das ist der Ruf Deiner Gnade. Ich höre ihn und danke Deiner Liebe, die mich gerufen hat. Amen. (Adolf Schlatter)
Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn, und ging hin vor Freuden über demselbigen und verkaufte alles, was er hatte und kaufte den Acker.
Der Acker ist Dein Herz der Schatz ist die ewige Gottesliebe und trägt die goldene Inschrift: „je und je geliebt“, das Finden ist die Belehrung. Bei der heiligen Taufe hat Gott der Herr den himmlischen Liebesschatz in Dein Herz hinein verborgen. Da hat er manch' liebes langes Jahr gelegen, unentdeckt und unerkannt, da liegt er vielleicht auch noch immer bis auf diesen Tag, und du weißt nichts davon. Gefunden aber hast Du ihn, wenn es Dir durchs Herz ging, wie es den Pfingstleuten durchs Herz ging, dass Du erlöst seiest mit dem Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Das gibt Freude, so hohe und unaussprechliche Freude, dass alles Andere verkauft werden muss, um den Acker zu kaufen mit dem Schatz, das heißt: ihn loszukaufen von der Welt und der Sünde und den fleischlichen Büsten! Ach ja, wer doch sagen könnte: der Acker ist ganz losgekauft! ist Dein Herz Gottes Eigen, dann erst ist es auch Dein Eigen, so lange hatte es noch einen andern Besitzer. Darum ist es auch unruhig in Dir, bis dass es ruht in Gottes Besitz, als Sein Eigentum. So wird der Schatz gefunden und der Acker losgekauft. Reden wir nicht oft und viel davon, dass wir an der Menschen Liebe, Güte und Treue einen Schatz haben und uns reich fühlen im Besitze solches Schatzes? und was ist doch aller Menschen Liebe, auch die teuerste, neben dessen Liebe, der uns je und je geliebt, treu bis in den Tod? wie arm sind wir bei allem Erden-Reichtum, so lange wir diesen Schatz nicht gefunden haben, und wie reich sind wir bei aller Erden-Armut, wenn wir hingehen mit Freuden, und wissen's: wir tragen den Schatz im Herzen, denn wir sind je und je geliebt. (Nikolaus Fries)
Abermals ist gleich das Himmelreich einem verborgenen Schatz im Acker, welchen ein Mensch fand und verbarg ihn und ging hin vor Freuden und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker.
Das Himmelreich ist ein Schatz! Die meisten Menschen leben aber so, als ob es umgekehrt lautete: der Schatz ist ein Himmelreich. Denn die ihn noch nicht haben, hegen und sehnen sich danach, als ob es ein Himmelreich gelte, und die ihn bereits haben, bewahren ihn als ihr Himmelreich. Die Schätze machen reich, angesehen, mächtig und daher auch glücklich. So scheint es wenigstens. Und daher redet der Herr im Gleichnis verständlich, wenn er sagt, das Himmelreich sei gleich einem Schatze. Wer versteht da nicht, dass der Herr sagen will, Alles was man von einem Schatze erwarte, das gebe das Himmelreich. Denn das Glück, welches die irdischen Schätze verheißen, ist Schein und nicht Wesen. Geld gibt wohl Ergötzungen und zeitliche Genüsse, aber es stillt nie das Verlangen der Seele, beruhigt nie im Schmerz, und hilft uns nie den Tod überwinden. Aber das Himmelreich gibt wahren Frieden, wahre Freude und wahren Trost und darum ist es der rechte wesentliche Schatz. Aber ein verborgener Schatz. Denn der natürliche Mensch glaubt dies nicht. Es ist ihm sogar eine Torheit, weil es zunächst nur unsichtbare Güter darreicht, über den Mangel an sichtbaren aber nur tröstet. Darum muss das Himmelreich als der rechte Schatz gefunden werden. Gott muss uns die Augen für dasselbe öffnen und wir müssen sie uns öffnen lassen. Der Herr Jesus Christus, welcher das Himmelreich in Person ist, muss uns in den Weg treten, sich uns als den zu erkennen geben, der uns eine Liebe bewiesen hat, welche stärker war als der Tod, und der nun auch unsrer höchsten Liebe wert ist. Wo aber tritt uns der Herr Christus entgegen? Nirgends anders als in der Kirche Jesu Christi, als in der Gemeinde derer, die auf Ihn getauft sind. Das ist der Acker, den wir kaufen müssen, wollen wir Christum mit erwerben. Dieser Acker ist zwar nicht allenthalben fruchtbar, ja er steht stellenweis voller Gestrüpp und Unkraut, aber dennoch enthält er, und er allein, den köstlichen Schatz, die unschätzbare Perle, Jesum Christum, welcher es wert ist, dass du um seinetwillen, um nur Ihn zu erwerben, Alles daran gebest, was du besitzt. So tat's der Apostel Paulus. Er war römischer Bürger, gehörte zur privilegierten Klasse, war vom Adel. Er war Pharisäer und Schriftgelehrter, und in der Beobachtung des Gesetzes erfunden untadelig, vor Menschen gerecht. Dies Alles, was früher sein Stolz gewesen, warf er hin, ja achtete es für Schaden, nur dass er Christum gewinne. Wer es anders machen will, und will noch etwas von dem Seinen behalten, der gewinnt Jesum nicht. Jesus ist nur um einen ganzen Kaufpreis zu gewinnen, und dieser Kaufpreis ist unser Herz, unser ganzes Herz. Worauf bist du kühn? Was bildet deinen Stolz? Welches sind die Vorzüge, die du dir beilegst? Gib sie hin und tausche Jesum dafür ein. Sie sind dir Schaden, Jesus ist dir Gewinn. Werde arm, so kann dich Jesus reich machen. Leere das Gefäß deiner Selbstherrlichkeit aus, so kann Christus es füllen. Dann wirst du Freude, überschwängliche Freude haben. Jener Reiche hatte einen Schatz und tat sein Gold in den Keller. Täglich ging er hin, ihn zu besehen. Aber um ihn nicht zu vermindern, kaufte er sich nicht die nötige Speise, und eines Tages fand man ihn bei seinem Schatze verhungert. Er freute sich an seinem Schatze, aber sein Schatz brachte ihn um. Ist Jesus dein Schatz geworden, so freust du dich auch täglich aufs Neue an Ihm, aber du stirbst nicht an dieser Freude, sondern du hast davon das Leben. Und je mehr du in seine Herrlichkeit hineinschauest, desto glänzender wird dir dein Schatz und desto mehr verbleicht dir aller Glanz der Erde. (Anton Camillo Bertoldy)