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Jeremia 31,25

Jeremia 31,25

Andachten

Ich will die müden Seelen erquicken, und die hungernden Seelen sättigen.
Da, wie's auch billig ist, in dieser Passionszeit die meisten Jünger Christi zum Tisch des Herrn treten, so soll auch hier (in vier aufeinanderfolgenden Andachten) vom heiligen Mahl gehandelt werden. Keiner Kirchengemeinschaft weder zu lieb noch zu Leid wollen wir reden, sondern als liebende Jünger Christi verstehen lernen, wie er selbst es gemeint hat. Ach, wie mangelt es grade hier an der Einfalt, die doch nirgends nötiger wäre, wie hier! Fleischessinn und übergeistliches Wesen, Menschenmeinungen und Wirrwarr, Parteigezänke und Rechthaberei, Unglauben, Aberglauben und Gleichgültigkeit begegnen uns auf diesem Gebiet aller Enden. Einer der alten Rationalisten hat in seiner gutmütigen Torheit gesagt: „Jesus würde sich, wenn er heute wiederkäme, gewaltig darüber wundern, wie viel aus seinen Stiftungen geworden sei?“ - Nein, verwundern kann sich der nicht, der Alles weiß. Aber traurig würden wir Ihn darüber sehen, wie seine Worte und Stiftungen missverstanden und verzerrt worden sind! Das gilt aber am meisten vom heiligen Abendmahl. Ach, des Teufels List und der Menschen Hochmut, Rechthaberei und Heuchelei sind nirgends auf Erden trauriger offenbar geworden, als grade in dem Streiten über das heilige Abendmahl. Das Mahl der Einigung ist zu einem Zeichen der Trennung, das Mahl der Liebe eine Quelle des verketzernden Hasses und der Lieblosigkeit geworden.

Die einen haben aus dem heiligen Mahl ein schauerliches Mysterium gemacht, Andere ein bloßes Gedächtnismahl, dessen geförderte Christen wohl entraten könnten. Diese hier streiten über die Spendeformel; Andere behaupten, dass Niemand das Mahl des Herrn würdig genieße, der nicht überzeugt sei, dass hier auch die Ungläubigen Leib und Blut des Herrn empfingen; wieder Andere legen alles Gewicht auf Zeremonien und Formen, ob Brot gebrochen wird oder ob Hostien gereicht, Lichter angezündet, Kelch und Brot angefasst werden, oder aber nicht.

Wer aber so gesinnt ist, der zeigt damit, dass er noch nicht im Mittelpunkt der Sache steht, sondern in den Elementen dieser Welt verstrickt ist. Welch eine kleinliche Anschauung von der Majestät unseres verklärten Heilands und Königs muss der haben, der da wähnt, Jesus mache seine Segnungen davon abhängig, ob wir diese oder jene Zeremonien und theologischen Formeln angenommen haben! In diesen Stücken halten's ja doch die allermeisten Menschen so, wie's in ihrer kirchlichen Gemeinschaft, der sie durch die natürliche Geburt angehören, Brauch und Sitte ist. Was gehen den Heiland, der für alle ist, diese Dinge an? Nicht wie ein Polizeibeamter, der mit strenger Miene die Pässe der Reisenden untersucht, sondern wie der holdseligste Wirt steht er an seinem Tisch und fragt: „Kinder, habt ihr Lust zu essen? Siehe, es ist alles bereit. Ich will die müden Seelen erquicken und die hungernden Herzen sättigen.“

Sagen wir uns das zuerst: Jesus will, dass seine Jünger essen und nicht hungern. „Esst, trinkt,“ - das sind die Worte im heiligen Abendmahl, die wir zuerst verstehen. Jesus will uns also speisen. Wir meinen das zunächst leiblich. Ihn jammerte des Volkes auch wegen ihres leiblichen Hungers und darum wandelte Er die dürre Wüste in eine Speisetafel für Tausende. Er kennt unsere Bedürfnisse und weiß, dass wir zu nichts, auch nicht zum Gebet, fähig sind, so lange wir hungern. Da hilft alle Willenskraft nicht und alle Poesie, Philosophie, Wissenschaft, Kunst und Herrlichkeit der Welt können uns nicht über den Hunger trösten. Darum hat auch Jesus die Bitte um's tägliche Brot mitten inne gestellt zwischen die Bitten um das Kommen des Gottesreiches und um die Vergebung unserer Sünden.

Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Viel tiefere Bedürfnisse schlummern in uns, als die auf Speise und Trank gerichtet sind. Dies Begehren finden wir auch bei den unvernünftigen Tieren. Unsere Seele dürstet und hungert nach Gott, nach dem lebendigen Gott, nach himmlischer Speisung aus Ihm. Und wie wir viel höhere Bedürfnisse haben, als die leiblichen, so hat auch Jesus viel höhere Absichten mit uns, als die. leiblichen Bedürfnisse zu stillen. An jedem Morgen, da wir aufstehen, dürfen wir uns sagen: „Gott will, dass wir essen, dass wir innerlich empfangen, was uns Not tut, und sollen uns nur immer klar machen, was uns Not tut. Durch alle Reden Gottes von Anfang her klingt's hindurch: „Ich will die müden Seelen erquicken und die hungernden Herzen sättigen!“„

Solche alte Gottesverheißung aber ist in Jesu erfüllt und zwar so, dass Er Wirt und Speise in einer Person ist. Jesus will nicht nur der Lehrer, nein, Er will der Sündentilger und Lebensspender der Menschheit sein. Darum nennt er sich das „Brot des Lebens,“ ohne dessen Genuss kein Sterblicher zum Leben durchdringe. - Darum sagt Er auch: „Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben.“ Ihn selbst müssen wir haben, nicht nur als Vorbild und Meister, auch nicht nur als König und Herr, ja, auch nicht nur als den Tilger unserer Schuld, der die Sünde in des Meeres Tiefe wirft, sondern auch als Den, der unseres neuen Lebens Inhalt, Kraft, Speise, Licht und Wesen ist, alle Tage, wie der Rebe alle Tage Saft und Kraft aus dem Weinstocke ziehen muss, falls er nicht hinwelken soll.

So sollen wir nun auch das heilige Mahl anschauen. Als arme hungrige Kinder kommen wir zu seinem Tisch, himmlische Speise begehrend: „Du, Herr Jesu, willst sie geben, willst sie allen Abendmahlsgästen, die ihre Armut und ihren Hunger schmerzlich empfinden und nach Deinem Reichtum sich sehnen, willig geben. So komme nun auch ich, wie ich bin, dass ich bei Dir werde, wie ich sein soll und wie Du allein mich machen kannst. Gib dich mir und nimm mich hin!“

Zeus mich hin, erhöhter Freund,
Zeuch mich an dein Herz der Liebe!
Deine Triebe
Führen mich, du Siegesheld,
Durch die Welt,
Dass ich deine Seele bleibe,
Und so lange an dich glaube,
Bis ich lieb' im innern Zelt. (Otto Funcke)

Predigten

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at/24/jeremia_31_25.txt · Zuletzt geändert: von aj
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