Jesaja 53,7
Andachten
Da er gestraft und gemartert ward, tat Er Seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
Er ist aber für unsere Sünde gestorben, auf dass wir nicht ewiglich stürben, sondern die Macht erhielten, der Sünde zu sterben. O, so sei es uns ein ganzer, heiliger Ernst, diese Macht zu gebrauchen! In dem Maß, als wir ernstlich diese Macht gebrauchen, werden wir dessen inne werden, dass wir sie haben. Und Er ist willig in Sein Leiden und Sterben gegangen; auch uns ist einem jeden sein besonderes Maß von Leiden verordnet und es kann wohl für manche noch vermehrt werden, wie Gott es weiß und ordnet, nun so seien wir willig zu leiden, was Gott auflegt, es sei etwas Geringeres oder Größeres! Der große Hohepriester will und kann uns hereinziehen wunderbar in die Gemeinschaft und Einheit mit Sich. O, so seien wir willig dazu, auf dass auch unser ganzes Leben, Leiden und Sterben, das wohl an sich nicht heilig und nicht vollgültig vor Gott ist durch die Gemeinschaft mit Seinem allgenugsamen priesterlichen Leben und Opfertode, vor Gott als heilig und genügend erfunden und angenommen werde, auf dass wir einst ein Gottes-Amen erfahren für den Sterbeseufzer unserer Seele: In Deine Hände befehle ich meinen Geist, Du hast mich erlöst, HErr, Du getreuer Heiland! Amen.(Nikolaus von Stackelberg)
Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.
ndheit, die Missverständnisse, die Herzenshärtigkeit Seiner Jünger! Philippus war drei Jahre lang bei Ihm gewesen und hatte Ihn doch nicht gekannt! Jene ganze Zeit hindurch war er in ungläubiger und strafbarer Unwissenheit der Würde und Herrlichkeit seines Herrn geblieben. Doch wie liebevoll erträgt ihn Jesus, indem Er ihm auf das Zugeständnis seiner Unwissenheit nur mit unvergleichlichen Gnadenverheißungen antwortet! Der geliebte Petrus wird zum Verleugner und zum Feigling. Mit vollem Rechte hätte sein Herr, durch solche unvergoltene Liebe verwundet, den unfruchtbaren Baum niederhauen können. Doch Er verschont ihn, trägt ihn, tadelt ihn auf die zärtlichste Weise und liebt ihn mehr als je zuvor!
Blicken wir auf den göttlichen Dulder in den letzten Stunden Seiner Leiden. Wie geduldig! Wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, und seinen Mund nicht auftut. Die geschändete Allmacht hätte in jenen schrecklichen Augenblicken zwölf Legionen Engel berufen und einem Jeden eine Zornschale in die Hand geben können; doch Er unterwirft Sich in sanftmütigem majestätischem Schweigen. In Ihm, wahrlich, blieb die Geduld fest bis ans Ende!
Bedenken wir Seine Geduld mit Seiner Kirche und den Seinen, seit Er aufgenommen wurde zur Herrlichkeit. Die vielen Jahre, in denen Er ihren störrischen Widerstand gegen Seine Gnade, ihre schändliche Undankbarkeit, ihre verkehrten Abweichungen, ihre Herzenshärtigkeit und Verachtung Seines heiligen Wortes ertragen hat. Welch eine duldende Liebe hat dieser Heiland! Seine Gnadenhand ist noch ausgereckt!
Kind Gottes! bestehst du vielleicht in diesen Augenblicke eine bittere Prüfung? Sind die Wege deines Gottes auf dem rauen Pfade erkennbar; kein Licht in den Wolken; kein Hoffnungsstrahl in der dunklen Zukunft? Sei geduldig! Der Herr ist freundlich dem, der auf Ihn harrt. Die auf den Herrn harren, bekommen neue Kraft! Oder, hast du lange auf dem Krankenbette gelegen, sind dir schmerzensreiche Tage und mühevolle Nächte beschieden worden? Sei geduldig! Ich hoffe, dies Seufzen, sagte einmal ein christlicher Dulder, ist kein Murren! Durch diese Heimsuchung will Gott in dir die köstliche Tugend, die in dem Charakter deines lieben Herrn so vornehmlich er glänzte, die Geduld, erwecken. Bei Ihm war sie die liebliche Gewohnheit der Seele. Bei dir ist die , Trübsal, welche Geduld wirkt, die nötige Zucht. Es ist ein köstliches Ding, geduldig sein, und auf die Hilfe des Herrn hoffen. Erduldest du vielleicht unverdientes Unrecht, bist du harten und schmerzlichen Beschuldigungen ausgesetzt, die den Fleisch und Blut schwer zu ertragen sind? Sei geduldig! Hüte dich vor übereilten Ausbrücken; bedenke, wie viel Unheil ein paar unbedachte Worte stiften können. Blicke auf Jesum, der in der stummen Ergebung bewusster Unschuld vor dem menschlichen Richterstuhl stand. Überlasse dem Herrn deine Sache. Lass dies den einzigen Ausdruck deiner Klage sein: Herr, ich leide Not, lindre sie mir!
So fasset denn eure Seelen mit Geduld. Lasst die Geduld nicht eine, für besondere Zeiten und besondere Bedürfnisse aufgesparte Tugend sein, sondern das sei euer gewöhnlicher, sich durch ruhige Gelassenheit kundgebender Wandel: Gemütsruhe inmitten der kleinen Ärgernisse des alltäglichen Lebens und ein fester Wille, auf den Herrn zu harren, und jede Bürde auf Ihn zu werfen. (John Ross MacDuff)
Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scheerer und seinen Mund nicht auftut.
O, Du benedeites Gnadenbild meines gestraften und gemarterten Heilandes, gegrüßt seist Du mir an dem allerheiligsten Tage Seines Todesleidens! Es ist nun Abend geworden und die Sonne ist hinter Deinem Kreuze untergegangen. Sie haben Deinen heiligen Leichnam schon herabgenommen vom Kreuzespfahl, Josef und Nikodemus, und die frommen Weiber haben ihn gesalbt und in Grabtücher gewickelt, und Maria, die Schmerzens-Mutter, hat Dein teures Haupt noch Ein Mal in ihre Arme genommen, und Johannes, den Du lieb hattest, hat Dir die grausame Dornenkrone von der Stirn gelöst. Nun ruhst Du in dem neuen Felsen-Grabe. Wir aber gedenken in dieser heiligen Abendstille Deines stillen Freitages, Deiner großen, einzigen Liebe, wie Du Dein Wort eingelöst, dass Niemand größere Liebe habe zu den Seinen, denn dass er Sein Leben für sie lasse. Das können wir Dir nimmer vergelten; viel zu wenig ist dafür aller Reichtum aller Welten. Was solltest Du auch damit, mein Jesu? Du begehrst ja nur Eins: mein Herz! mein ganzes, ungeteiltes Herz! mit allen Gedanken, Gefühlen, Bewegungen, Wollen und Wünschen, mit all' Seiner starken Liebe. Ist das viel oder wenig? wenig genug ist's dem Werte nach, aber viel der Tat nach. Denn schwerer fällt der alten, sündigen Natur nichts, als das Herz ganz loszureißen von allem Andern und es ganz Jesu zu Eigen zu geben. Der Kämmerer aus dem Mohrenlande saß auf seinem Wagen und las diese Worte des Jesaias, und da er Philippum nun neben sich hatte, da fragte er: Ich bitte dich, von wem redet der Prophet Solches, von ihm selbst oder von jemand anders? Und nun musste Philippus ihm denn eine rechte Still-Freitags-Predigt halten, und als der Kämmerer die gehört, da flog sein ganzes Herz diesem Jesus entgegen wie ein Vogel, dem man sein Gefängnis öffnet, und sprach: was hindert's, dass ich mich taufen lasse? O, Du mein gekreuzigtes Gotteslamm! Du mein im Todesleiden verstummter Heiland, wenn doch auch also mein ganzes Herz Dir zuflöge und bei Dir bliebe ewig! (Nikolaus Fries)
Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
Dieses Stillschweigen Christi hatte seine gerechten Ursachen, die der Weisheit Gottes höchst anständig, dem Amt Christi höchst geziemend waren. Er schwieg, dass die Schrift (Ps. 38, 15. 39, 3.) erfüllt würde. Er schwieg, seine Bereitwilligkeit zum Tode zu bezeugen. Er schwieg, damit er die unordentliche Hitze, mit welcher die Menschen sich selbst und ihre Ehre zu verteidigen pflegen, aussöhnen möchte. Er schwieg, seinen Nachfolgern ein Exempel stiller, sanfter Demut zu geben, Schmach und Unrecht zu erdulden. Er schwieg, damit er das Stillschweigen seiner Knechte und Kinder, darein sie sich nach abgelegtem Zeugnis der Unschuld und Wahrheit endlich einwickeln, heiligen möchte. (J. G. Starke.)
Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.
Das Tier, welches von den Juden am meisten zum Opfer verwandt wurde, war das Lamm. Zu Ostern musste jede Familie ein solches schlachten und verzehren. Und weil kein Tier sich so widerstandslos dem Schlachter ergibt, als eben das Lamm, so ist unter den Opfertieren vorzugsweise das Lamm das Vorbild auf den Sohn Gottes geworden, welcher unschuldig und geduldig, wie ein Lamm, sich hat schlachten und opfern lassen. Wie nun das Leben eines Lammes, als eines unschuldigen Tieres, geopfert wurde für das Leben eines Menschen, welcher durch seine Sünde sein Leben vor Gott verwirkt hatte, ein unschuldiges Tier also bluten musste für einen schuldigen Menschen, so hat Christus unser Heiland, als das rechte Lamm Gottes, sein unschuldiges, heiliges Leben dargegeben für das Leben einer sündigen Welt. Denn ein Tierleben, wenn es auch unschuldig ist, kann doch kein eigentlicher Ersatz für ein Menschenleben sein, weil es der freien Selbstbestimmung ermangelt, und seine Unschuld nicht eine Folge seines sittlichen Verhaltens ist; es kann bei einem Tiere von Sünde überhaupt nicht die Rede sein. Darum waren die Tieropfer schwache Vorbilder, welche auf das rechte Opfer hinweisen und vorbereiten sollten. Das Leben Jesu aber, als eines wirklichen aber sündlosen Menschen, welcher durch seine Geburt von einem Weibe in alle Bedingungen unseres Geschlechts eingetreten ist, bis auf die Sünde, ist ein vollständiger Ersatz für das Leben des Sünders und es bedarf daher zur Erlösung und Versöhnung der Welt in Ewigkeit keines andern Opfers mehr. Er ist gestraft und gemartert worden und hat es erduldet, wiewohl Er als der Sohn Gottes wohl Macht gehabt hätte, seine Peiniger zu zerschmettern; aber er hat widerstandslos erduldet, damit durch die Erduldung der Strafe und die Darbringung seines Lebens die Welt von ihrer wohl verschuldeten Strafe und vom Tode der Verdammnis erlöst würde. Ist denn die Sünde der Welt an Christo, als einem unschuldigen Opferlamm, gestraft, so wäre es unrecht, sollte die Welt für ihre Sünde nun auch noch gestraft werden. Nein, es ist vollbracht, das Lösegeld ist bezahlt, wir sind frei. Hinfort geht Niemand mehr verloren um der Übertretungen der göttlichen Gebote willen, sondern, wer verloren geht, der erleidet es deswegen, weil er das stellvertretende Opfer Jesu für seine Sünden verschmähet, weil er die dargebotene wirkliche aber auch einzige Rettung aus seinen Sünden nicht annimmt und in seinen Sünden bleibt. Ja, deine Sünden behalten ihre Macht über dich, so du nicht dieses Opfer ergreifst, denn nichts als der gläubige Anblick, der sich für deine Sünden verblutenden Liebe am Kreuze, ist mächtig genug, dein bisheriges Wohlgefallen an deiner Sünde in Hass zu verwandeln und dein bisher von Gott entfremdetes Herz in Liebe zu Ihm zu kehren, der auch seines eingeborenen Sohnes nicht verschont hat, sondern hat ihn für dich dargegeben, damit du lebst. (Anton Camillo Bertoldy)
Da er gestraft und gemartert ward, tat er seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.
So soll auch der Christ es machen, wenigstens soll er zunehmen an dem sanften und geduldigen Sinne, in welchem Christus, unser Herr, uns vorangegangen ist. Darum siehe zu, dass du die Sanftmut und Geduld und dadurch die Liebe zu Gott behaltest, welche mit dem Zorne nicht zusammen bestehen kann. O, du gläubiges Herz, (sagt Joh. Arnd) lerne, was Liebe sei! Du meinst, das sei Liebe, wenn du inwendig große Süßigkeit und Lieblichkeit empfindest. Nein, das ist die Liebe nicht in ihrem Wesen, sondern es ist nur ein Schein wie vom Feuer und eine Blüte der Liebe. Das Wesen der Liebe aber ist, wenn man sich Gott also lässt, aufopfert und seinem Willen ergibt, dass man alles aufnimmt, als von Gott selbst, wie Hiob den Verlust seiner Kinder, seiner Güter, seiner Gesundheit und Ehre als von der Hand des Herrn aufnahm und Gott pries (Hiob 1, 31), wie auch der König David aufnahm die Scheltworte Simei als vom Herrn und in der Liebe und Geduld ohne alle Rache blieb.“ (unbekannt)