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Psalm 86,5

Psalm 86,5

Andachten

Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte, allen, die dich anrufen.
Der Herr ist Schirm und Schild, ein Schatten in der Hitze der Trübsal, der uns die Müdigkeit benimmt, uns erquickt und stärkt, wenn wir unter seinen Schatten fliehen. Die Zaghaftigkeit des menschlichen Herzens ist die Quelle aller Leiden. Unglaube die Mutter aller Angst und Bangigkeit im Leiden. Wer Gott zum Freunde hat, wer an seine schützende und schirmende Hand glaubt, die Tag und Nacht ausgereckt ist, uns zu bedecken, und ohne welche uns kein Haar gekrümmt werden kann; wer, sage ich, diese Hand im Glauben erfasst, was sollte der fürchten? Wir suchen Schutz bei Menschen, und sie können uns dennoch nicht schützen, wohl aber durch ihren Schutz im Vertrauen auf den Schutz des Herrn schwächen und am Ende sitzen lassen. Darum drückt sich Jeremia (17,5.) so stark aus, indem er spricht: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt und Fleisch für seinen Arm hält, und (wohlgemerkt!) mit seinem Herzen vom Herrn weicht. Wer nämlich so allein auf Menschen-Hilfe traut, dass er von Gott gar nichts erwartet oder nicht glaubt, dass Gott es ist, der ihm durch Menschen hilft, der ist verflucht und wird den zukünftigen Trost nicht sehen, sondern in der Dürre verlassen bleiben. Aber gesegnet ist der Mann, der sich auf den Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt und am Bach gewurzelt, dessen Blätter auch in der Hitze der Trübsal nicht verwelken, sondern immer grün bleiben. Ja wahrlich, die Hoffnung auf den Herrn ist ein Immergrün, trägt immer Früchte, zu jeder Jahreszeit, Hitze und Kälte kann sie nicht in ihrer Fruchtbarkeit stören; sie trotzt allen Stürmen und allen Gefahren, und bleibt noch, wenn Alles untergeht. (Johannes Evangelista Gossner)


Du, HErr! bist gut und gnädig, von großer Güte allen, Die Dich anrufen.
Das Gebet ist einer solchen Art, dass es einen gütigen Menschen leicht bewegt; ja es ist einer solchen Art, dass es auch oft einen harten Menschen bewegt, wie von der Witwe geschrieben steht, die den harten und ungerechten Richter mit ihrem öftern Gebete bewegt, Luk. 18, 1. ff. Denn das Gebet hat etwas von der geistlichen Kraft und Stärke in sich, die manchem oft das Herz einnimmt und bewegt. Denn weil das Gebet aus dem Geist kommt, so ist es eine geistliche Stärke der Seele. Dieweil denn Gott nicht ein harter Gott ist, sondern die höchste Lindigkeit, die edelste Gütigkeit, die zarteste Freundlichkeit, die höchste Geduld, die edelste Sanftmut und brünstigste Liebe; Summa: Gott ist alle Tugend im höchsten Grad; so kann es nicht fehlen, ja es ist unmöglich, dass Er nicht sollte bewogen werden. Sollte ein Mensch barmherzig sein, und der, der ein barmherziges Herz gemacht hat, sollte selbst unbarmherzig sein? Hat Gott nicht das allerfreundlichste Vaterherz? Sollte Gott ein Vaterherz gemacht haben, und sollte selbst kein Vaterherz haben? Wo ist ein Kind, das den Vater ums Brot bittet, der ihm einen Stein dafür biete? So dann ihr, die ihr arg seid rc. Ist Er nicht der rechte Vater über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, von dem alle Vaterschaft genannt wird? Eph. 3, 15. Und in Summa: Dieser Spruch muss erfüllt werden: Du HErr bist gut und gnädig allen, die Dich anrufen, oder Gott müsste Seinen Namen Vater verlieren. (Johann Arnd)

Predigten

Arnd, Johann - Wie ein Mensch durchs Gebet die Weisheit Gottes suchen soll - Kapitel VIII

Gott ist kein Anseher der Person, sondern hat sie Alle gleich lieb.

Psalm 86, 5.: Du, Herr! bist gut und gnädig und von großer Güte Allen, die dich anrufen.

Ich weiß nun, dass Gott mein Anliegen besser weiß, denn ich's ihm kann vorbringen; er hat das Beten befohlen und Erhörung zugesagt; ich zweifle aber daran, ob er mich auch heiße beten und erhören wolle.

2. Da lerne, dass Gott kein Anseher der Person sei; obwohl die blinden Leiter aus etlichen Sprüchen, als Röm. 9, 13. Mal. 1, 2. 3. und dergleichen Gott parteiisch und zum Menschenfeinde machen wollen, wider die klaren, unwidersprechlichen Zeugnisse der Schrift, die wir uns wohl einbilden, und davon in keinem Wege abtreiben lassen sollen.

3. Ap. Gesch. 10, 34.: „Nun erfahre ich in der Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in allerlei Volk, wer ihn fürchtet und recht tut, der ist ihm angenehm“. 5 Mos. 10, 17. 18.: „Der Herr, euer Gott, ist ein Gott aller Götter, und Herr aller Herren, ein großer Gott, mächtig und schrecklich, der keine Person achtet, und kein Geschenk nimmt, und schafft recht den Waisen und Witwen, und hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gebe“. Gal. 2, 6.: „Gott achtet das Ansehen der Menschen nicht“. Col. 3, 25.: „Bei Gott gilt kein Ansehen der Person“. B. Weish. 6, 8.: „Der, so Aller Herr ist, wird keines Person fürchten, noch die Macht scheuen. Er hat Beide, die Kleinen und Großen, gemacht, und sorgt für Alle gleich“. Ezech. 33, 11. 12.: „So wahr ich lebe, spricht der Herr, ich habe keinen Gefallen am Tode des Gottlosen, sondern dass sich der Gottlose bekehre und lebe. Wenn ein Gottloser fromm wird, soll's ihm nicht schaden, dass er ist gottlos gewesen, und aller seiner Sünde, die er getan hat, soll nicht gedacht werden.“ 1 Tim. 1, 15. 16.: „Das ist je gewisslich wahr, und ein teuer wertes Wort, dass Christus Jesus kommen ist in die Welt, die Sünder Selig zu machen, unter welchen ich der vornehmste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, auf dass an mir vornehmlich Jesus Christus erzeigte alle Geduld, zum Exempel denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben“. 1 Tim. 2, 4.: „Gott will, dass allen Menschen geholfen werde, und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“. 2 Pet. 3, 9.: „Gott will nicht, dass Jemand verloren werde, sondern dass sich Jedermann zur Buße kehre.“

4. Solche und dergleichen Zeugnisse mache sich ein Jeder bekannt, damit er wisse, wie Gott keinen vor dem Andern lieb habe, sondern Alle zugleich ohne Unterschied. Denn er hat sie Alle gleich geschaffen zu seinem Bildnis, und durch Christum wieder erlöst. Er hat bei sich selbst geschworen, dass er keinen Sünder will verderben lassen; Gott kommt uns Allen zuvor mit seiner Gnade, er wartet nicht, bis wir würdig werden. Denn ehe wir zu ihm kommen, kommt er zu uns. Er hat uns geliebt, „da wir noch seine Feinde waren“, Röm. 5, 10. Blind und gottlos ist der Mensch, der da sagen darf: Gott hat Einen lieber, als den Andern. Ein solcher verschmäht die göttliche Majestät, macht Gott stracks parteiisch, zum Anseher der Person.

5. Dass aber gesagt wird, „Gott habe Jacob lieb, und Esau hasse er“, Röm. 9, 13. ist nicht zu verstehen von ihrem menschlichen Wesen, oder von bloßem Hass, sondern von der Ausschließung des Erbteils im gelobten Lande; nicht von dem Hass der verweigerten Seligkeit, sondern des verweigerten irdischen Segens.

6. Und ob wir gleich Alle Sünder sind, doch liebt Gott die, die ihn lieben, vor denen, die in Sünden und Blindheit stecken bleiben, und Gott nicht wollen für ihren Vater erkennen, noch Buße tun. Daran aber Gott keinen Gefallen trägt, sondern wollte lieber, dass alle Menschen selig würden.

7. Ebenso Röm. 9,18.: „Er erbarmt sich, wessen er will, und verstockt, wen er will“. Ist recht. Er will aber keinen verstocken, denn der sich selbst verstockt durch seinen Unglauben und Unbußfertigkeit. Solche lässt er, wiewohl ungern, fahren. So sind sie genug und allzusehr verstockt. Dergleichen V. 16: „Es liegt nicht an Jemands Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“ Denn Gott läuft uns zuvor, erwählt uns und nicht wir selbst. Darum ist Alles Gottes Gabe und Gnade. Nichts soll uns zugeschrieben werden, ob wir gleich etwas Gutes tun.

8. Dies ist die rechte Erklärung solcher Sprüche. Aber die eigensinnigen Köpfe drehen sie nach ihrer Vernunft, machen den Haufen der Verdammten groß aus Gottes Ordnung und Vorsehung, aus Gott einen Menschenfeind, neidischen Saturn, der seine eigenen Kinder fresse und hasse. Daher Nichts folgt, denn Zerstörung des Glaubens, Verzweiflung, ein rohes, wildes, epikurisches Leben, wie vor Augen ist. Gott behüte uns vor solchen Sticken des leidigen Satans! Amen.

Gebet um Erkenntnis der allgemeinen Liebe Gottes.

O ewiger, unparteiischer Gott! der du nicht achtest die Person der Menschen; liebst sie alle gleich, Einen wie den Andern; bist also gütig, dass du Allen zuvorkommst mit deiner Gnade; wartest nicht, bis der Mensch tüchtig werde, sondern durch deine vorlaufende Gnade machst du ihn selber würdig und tüchtig: lehre mich durch deinen Geist dankbar erkennen solche deine unermessliche Güte gegen Alle und über Alle; lass mir das Licht aufgehen in meinem Herzen, dass ich das gegenwärtige, mir eingetane Gut, das herrliche Erbteil, den Schatz im Acker, mit der blinden Welt nicht verleugne, sondern denselben fleißig suche, finde, fühle, und in mir schmeckend gewahr werde. Amen.

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at/19/psalm_86_5.txt · Zuletzt geändert: von aj
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