Psalm 5,8
Andachten
Ich aber will in Dein Haus gehen auf Deine große Güte, und anbeten gegen Deinen heiligen Tempel in Deiner Furcht.
Wer in das Haus GOttes tritt, und betet im heiligen Tempel nicht des Gebäudes, sondern des Geistes denselben führt GOtt in seiner Gerechtigkeit, um seiner Feinde willen, damit er seinen Weg richte vor GOttes Angesicht. Es schreibt der heilige Lehrer Arnobius1): Das allerschönste Haus, darin wir beten sollen, ist die große Menge der Gnade und Barmherzigkeit GOttes. Und dieselben Schätze der Gnade GOttes sind überflüssig in Christo JEsu, in Seiner heiligen Menschwerdung, in Seinem Leiden und Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt - das ist die Menge der Barmherzigkeit GOttes, darin geschieht das allerkräftigste und heiligste Gebet; denn durch das Leiden Christi wird unser Gebet heilig, und durch Seine Auferstehung wird es sieghaftig wider unsere Feinde. In Christo ist der Reichtum der Gnade GOttes uns aufgetan, da müssen wir beten.
David spricht: Ich will anbeten in Deiner Furcht, das ist: in wahrer Demut und kindlicher Zuversicht. Das ist auch ein Stück von dem Hause GOttes, von dem schönen Tempel, darin wir beten sollen: Demut und Furcht GOttes. In GOttesfurcht beten ist: wenn man GOtt das Lob der Allmacht gibt, dass GOtt helfen kann; der Barmherzigkeit, dass Er helfen wolle; das Lob der Gerechtigkeit, dass uns GOtt nicht Unrecht tut, wenn Er uns straft. Das heißt sich GOtt ganz und gar ergeben und überlassen, wenn man den Willen GOttes für die höchste Weisheit achtet, sich unter Seine gewaltige Hand demütigt, Ihm die Ehre gibt: Er werde Zeit, Ort, Maß und Ziel wissen, ja längst zuvor beschlossen haben, wie und wann Er helfen wolle. Wer also betet, der betet in der Furcht des HErrn; der erkennt in wahrer Buße Seine Sünde; erkennt sich für den unwürdigsten Menschen, der nichts wert sei, denn des höllischen Feuers; der erkennt, dass es lauter unverdiente Gnade GOttes sei, dass er lebe und der Wohltaten GOttes genieße. Wer das erkennt, der betet in GOttesfurcht in dem rechten schönen Tempel. Denselben leitet und führt auch GOtt recht. An solchem gottesfürchtigen Herzen hat GOtt ein Wohlgefallen. Dem gewährt Er Hilfe, Trost und Schutz in allen Nöten; denn der HErr tut, was die Gottesfürchtigen begehren. Ps. 145, 19. (Johann Arnd)
Ich will in dein Haus gehen auf deine große Güte, und anbeten gegen deinen heiligen Tempel in deiner Furcht.
Jes. 2, 3. Kommt, lasst uns auf den Berg des Herrn gehen, zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege, und wir wandeln auf seinen Steigen. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und des Herrn Wort von Jerusalem.
Dich, Herr, der du Himmel und Erde erfüllst und Alles trägst durch deine allgegenwärtige Macht, dich, gütigster Gott, rufe ich herab in meine Seele, die du zu deiner Aufnahme bereitet hast. Ehe ich zu dir rief, hast du mich gerufen und gesucht, auf dass ich dich fände und findend liebte. Ich suchte und fand dich, Herr, und verlange, dich zu lieben. Vermehre mein Verlangen, und gib, warum ich bitte. Schenke mir dich selbst, mein Gott. Übergib dich mir; siehe, ich liebe dich, aber zu wenig; stärke meine Liebe. Wenn mein Geist zu dir hinaufseufzt und über deine unaussprechliche Güte nachdenkt, dann wird die Bürde des Fleisches weniger lastend, der Aufruhr der Gedanken wird gestillt; rings wird Ruhe und Stille. Dann möchte meine Seele Flügel haben, und ohne Ermüdung auffliegen und gelangen zum Thron deiner Herrlichkeit. Dich suche immer meine Seele, und du verleihe, dass sie im Suchen nicht ermüde. Wer dich nicht sucht, ist elend. Wer sich weigert, dir zu leben, ist tot. Darum, Erbarmungsvoller, übergebe und befehle ich mich dir. Nach dir gehe meine Pilgerschaft und ruhe in dir. Unter den Schatten deiner Flügel flüchte sich mein Geist vor dem Drange der Weltgedanken, in dir finde Frieden mein Herz, dies Meer voll ungestümen Wellen.
Gott, du reicher Geber höchster Erquickungen, gib dem Müden Speise, sammle den Zerstreuten, befreie den Gefangenen. Siehe, er steht vor deiner Tür und klopft an. Befiehl, dass dem armen Anklopfenden aufgetan werde, auf dass er mit freien Schritten zu dir eintrete und durch dich erquickt werde. Denn du bist der Quell des Lebens, das Licht der ewigen Klarheit, worin die Gerechten leben, welche dich lieben. Mir geschehe nach deiner Verheißung. (Nach Augustinus.) (Adolf Clemen)