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Psalm 31,16

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Andachten

Du bist mein Gott, meine Zeit steht in deinen Händen.
„Du bist mein Gott,“ das ist die ganze Dogmatik des Palmisten. Es sind nur vier kurze Wörtlein, „du bist mein Gott,“ jedes Wort zählt nur eine Silbe und doch liegt für ihn in diesen Worten Alles, aller Trost, alle Kraft, alle Wissenschaft, alle Beruhigung über Zeit und Ewigkeit. „Du bist mein Gott,“ hat er zuerst gesagt, dann fügt er hinzu: „Meine Zeit steht in deinen Händen;“ wir fühlen, damit will er sagen: „in guten Händen,“ es ist ein Heil, dass sie in Deinen und nicht in meinen Händen steht.

O selig, wer dies du und mein recht fassen, ja, wer's in Wahrheit mitsprechen kann: du, der barmherzige Vater der Herrlichkeit, du, alles Trostes Gott, du bist mein. Und ich, das arme, unreine, unruhvolle, hilfsbedürftige Menschenkind, - ich bin dein. Damit ist das persönliche Verhältnis zwischen dem Vater aller Geister und dem erdgeborenen Geschöpf angezeigt. Denke dich da hinein! Kannst du wirklich sagen, „du bist mein Gott“, so ist dir für Zeiten und Ewigkeiten Alles gegeben, was dir Not tut; die zarteste, verständnisvollste Liebe, die sicherste Zuflucht in jeder Not, die unfehlbare Weisheit, die in keinem Erziehungsmittel fehlt, die Macht aller Macht, für die es keine Hindernisse und Schwierigkeiten gibt. „Du bist mein Gott,“ so darfst du sagen. Es wäre unverschämt so zu sagen, wenn Gott selbst es dir nicht auf die Lippen gelegt hätte. Willst du nun wirklich Gottes sein, so darfst du ihn dein Eigen nennen, als gehörte er dir ganz allein. Freilich, es sind Millionen in allen Zonen der Erde, die Anspruch auf ihn machen. Aber wie die unzähligen Blümlein, die der Sonne harren, darum nicht weniger von ihr empfangen, weil ihrer so viele sind, sondern ein jedes empfängt von der Sonne so viel wie es nur immer aufnehmen und gebrauchen kann, so ist's auch zwischen dir und Gott. Wie vermessen es auch lauten mag, du darfst ihn, den Allmächtigen in der Höhe, ansehen als den Deinen, der für dich ganz da ist und dich mit Allem herrlich durchbringt.

Darum ist freilich dem Gottesmenschen keineswegs garantiert, dass sein Lebensweg glatter und leichter sein werde, wie der anderer Menschen. Aber wenn der Anker deines Schiffleins im Ewigkeitsgrund ruht, wenn der Wille Gottes der Wind ist, der deine Segel bläht, wenn sein Wort dein Kompass, wenn Jesus Christus der Steuermann deines Schiffleins ist, da bist du gewiss, dass du zum besten Hafen kommen wirst. Mag manche Klippe, manche Sandbank drohen, mögen die wilden Wellen oft furchtbar über Deck schlagen, - untergehen wird dein Schifflein nicht. Mögen deine natürlichen Kräfte zerstört, dein Angesicht durchfurcht, dein Haar grau werden, - der Gottesmensch ist wie die Tanne, die wohl unten abstirbt, aber in ihrem Gipfel so viel lustiger weiter grünt und weiter wächst, ja die so viel kräftiger himmelwärts strebt, je mehr sie nach unten hin abstirbt.

O dass wir nur einmal mit dem „du bist mein Gott“ völligen Ernst machten! Aber daran fehlt's leider zumeist. Wir haben leider immer keine rechte Zeit für Gott und darum haben wir auch nichts von Ihm, keine Kraft, kein Licht, keine Zucht, keinen Trost. Wenn wir nur jeden Tag eine einzige halbe Stunde Ihm ganz weihen und vor Ihm stehend uns klar machen wollten, was das heißt: „Du bist mein Gott“, „ich bin dein Kind“, - wie fröhlich würden wir dann sagen: „Meine Zeit - mit Allem, was sie bringt von Lieb und Leid, Verlust und Gewinn, Schmerz und Freude, - meine Zeit steht in deinen Händen“. Da würde es uns noch besser zu Mut sein wie einem Mann, der sein Kapital, das er nicht zu verwalten verstand, nunmehr in den Händen eines Mannes weiß, der mit der größten Tüchtigkeit und Klugheit die höchste Liebe und edelste Selbstvergessenheit verbindet. Wir dürfen nur in der Zeit Tag um Tag einfältig und pflichttreu ausrichten, was uns vorliegt und dann ganz ruhig Ihm überlassen, wie Er die Zeit ausfüllt, und was Er uns sendet in der Zeit. Wir dürfen alles innere Quälen wegen Geschäften, Gesundheit, Weib und Kindern, wegen Innerem und Äußerem ruhig fahren lassen. Was zerplagst du dich mit Sorgen und Grämen und machst dich selbst untüchtig und matt dadurch, zerstörst deine Freudigkeit und erwirbst dir weder Gottes noch der Menschen Wohlgefallen dadurch, erweise dich nur allenthalben als ein sorgloses, friedereiches Kind Gottes und du wirst es erfahren, wie die Berge zur Ebene und die Stürme zu eitel Frühlingsboten werden. Ja, aller Trost wird dir sprudeln aus dem einen: „Du bist mein Gott“. (O. Funcke)


Auch meine Zeit steht in Deinen Händen, Herr mein Gott, wie die Zeit Deines Knechts David. Du hast die Zeit meiner Geburt bestimmt, dass sie in denjenigen Teil der Weltzeit hat fallen müssen, in den sie gefallen ist, und dass ich an den Begebenheiten, die indessen in der Welt vorgekommen sind, einigen Anteil habe nehmen können. Dank sei Dir gesagt, dass Du meine Geburt in die Zeit des Neuen Testaments, in die angenehme Zeit, in den Tag des Heils hast fallen lassen, und dass auch zu dieser meiner Zeit das Evangelium in der Weltgegend, wo ich wohne, helle scheint. Meine Zeit steht auch sofern in Deinen Händen, dass Du bisher durch Deine Vorsehung bestimmt hast, wie lange ich an einem jeden Ort bleiben soll, und mein Bleiben noch jetzt bestimmest. Wenn Dein Angesicht nicht mit mir geht, so führe mich nicht von hier weg. Meine Zeit steht in Deinen Händen: doch lässt Du mir die Freiheit, in dieser meiner Zeit Gutes oder Böses zu tun, fleißig oder träg zu sein, und überhaupt die Zeit so oder anders anzuwenden. Doch bietest Du mir Licht und Kraft an, Gutes zu tun. Du lehrst, tröstest, züchtigst und leitest mich, wenn ich darauf merken will. Du willst meine Zeit zu einer Saatzeit machen, auf welche eine gesegnete Ernte folgen können. Soll ich auch zuweilen mit Tränen säen, so willst Du durch Deine Gnade verschaffen, dass ich dagegen mit Freuden ernte. Meine Zeit steht nach ihrer ganzen abgemessenen Währung in Deinen Händen. Arbeiten, Krankheiten und andere Zufälle hätten mich schon lange aufgerieben, wenn meine Zeit nicht in Deinen Händen stünde. Du aber, o Gott, erhieltest mich bisher, weil meine Zeit noch nicht abgelaufen war, und wirst mich auch so lange erhalten, bis die rechte Stunde meiner Entlassung von meinem Dienst kommen wird, die Du allein weißest. Verleihe Gnade, dass alsdann mein Wille dem Deinigen nicht widerstrebe, und ich also gern und im Frieden dahin fahre. Meine Zeit steht in Deinen Händen; dass aber ein Segen auf dieser meiner Zeit liegt, dass mir darin an der Seele und am Leib viel Gutes widerfährt, und dass sie eine ewige Seligkeit nach sich ziehen kann, habe ich den zweiunddreißig Jahren und etlichen Monaten zu danken, die Dein lieber Sohn auf der Erde zugebracht hat. Von dieser an sich kurzen aber höchst wichtigen Lebenszeit meines Heilandes ergieße sich der Segen noch ferner auf meine Lebenszeit, der Segen, welcher den Fluch wegnehme, den meine Sünden verdienten, und mir die Gaben, welche das Leben erleichtern und heiligen können, verschaffe. Meine Zeit steht in Deinen Händen: aber Du, Jehovah, bist außer und über alle Zeit. Bei Dir ist keine Veränderung, welche sonst die Zeit macht. Dir ist immer Alles gegenwärtig. Unermesslich weit unter Dir, der Du Dir immer gleich bleibst, fließen die Weltzeiten und die Lebenszeiten einzelner Menschen dahin: das Heute wird zu einem Gestern bei den Geschöpfen; bei Dir ist ein beständiges Heute. Was willst Du aber mir armem Erdenwurm, dessen irdisches Leben einer Hand breit ist, geben? Ewiges Leben willst Du mir geben durch Christum, Deinen Sohn! Halleluja! (Magnus Friedrich Roos)


Meine Zeit steht in Deinen Händen.
Die schönen Festtage sind vorüber, und wir treten wieder ein in den Ernst der täglichen Arbeit. Die letzten stillen Tage haben uns Muße genug gegeben, den Umfang dieser Arbeit zu überdenken. „Das Leben ist kurz, die Kunst ist lang“; so sagt schon ein heidnischer Sittenspruch; wem es Ernst ist, seine Pflicht zu tun, der findet der Arbeit kein Ende und sieht, wie nötig es ist, die Zeit auszukaufen, und das geschieht zunächst durch richtige Einteilung. Wie viel Stunden sind in unserem bisherigen Leben nutzlos hingegangen, und haben einen großen Teil des uns von Gott anvertrauten Lebens - Kapitals aufgezehrt, ohne dass es uns Wucher getragen hätte; wie viel heilige Pflichten mussten wir unerfüllt lassen, weil die Zeit, mit der wir nicht haushälterisch umgingen, nicht ausreichte! Wie ein Hausvater sich genötigt sieht, seine Einnahmen richtig einzuteilen, damit sie ausreichen, die laufenden Ausgaben zu decken, und doch für unvorhergesehene Notstände einen Sparpfennig übrig zu lassen: so wollen auch wir lernen unsere Zeit einteilen, dass sie für die Pflichten des täglichen besonderen, wie des allgemeinen Christenberufes ausreiche, und doch ein Sabbatstündlein zu stiller Einkehr für jeden Tag übrig bleibe. - Wir wollen zuerst einen Blick werfen in den von Gott uns zugewiesenen Beruf: warum ist er uns oft so schwer geworden, als weil wir mit knechtischem Sinn seiner warteten; weil die Not uns zwang, wo die Liebe und Treue uns hätte drängen und treiben sollen. Wenn wir nun diesen Beruf als eine von Gott uns gestellte Aufgabe aus Seinen Händen nehmen wollten, und in jedes Geschäft alle Gewissenhaftigkeit und Treue hineinlegen, deren unsere Natur fähig ist: er würde uns leichter werden, weil lieber; wir würden bald einsehen, dass man viel mehr ausrichten kann, wenn man seine Arbeit von Herzen ausrichtet, und um Gottes willen. - Aber unsere Arbeit ist nicht auf den uns befohlenen Beruf beschränkt. Die freie Liebe hat auch ihr Werk, ihre Aufgabe zu erfüllen. Wir sind als Glieder eines größeren Gemeinwesens auch diesem zu dienender Liebe verpflichtet: haben wir uns ihrer nicht geweigert? haben wir auch ein Herz gehabt für die Armen, für die Verlassenen in unserer Umgebung? Sollte nicht jedes Haus wenigstens Eine arme, unglückliche Familie unter seine Obhut stellen, und deren leibliche oder geistige Pflege als einen Teil seiner Lebens-Aufgabe ansehen? -

Wir wollen auch einen Blick in unser Haus werfen: haben wir den Gliedern unseres Hauses so gelebt, dass wir in den geschäftsfreien Stunden ihnen angehörten und bemüht waren, ihnen zum Segen zu werden? Wir hatten nicht Zeit; wir besuchten zerstreuende Gesellschaften; Kunst und Wissenschaft sollten mit ihren Genüssen uns aufheitern, uns für das Opfer eines schweren Berufslebens entschädigen, und doch, wie wenig haben sie uns gebracht! Das Bedürfnis unseres inneren Menschen, unsrer besseren Natur fand keine Befriedigung. Wir suchten vergebens nach einem Glücke außer dem Hause, was uns reichlich geworden wäre, wenn wir daheim geblieben wären, und in herzlicher Liebes - Gemeinschaft mit den Unsrigen das Haus gebaut hätten. Darum wollen wir heimkehren aus dem zerstreuenden Außenleben, da das Herz verödet, in die Stille des Hauses; wir wollen für jeden Tag ein stilles, heimliches Sabbatstündlein zu bewahren suchen, wo wir unser Tagewerk betend durchdenken, und im Ausblick zu Gott, in der Selbstprüfung vor Seinem Angesicht die Seele erquicken können; dann werden wir innerlich weiter kommen, und unser Werk wird unverloren sein für die Ewigkeit. (Julius Müllensiefen)

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