Psalm 143,3
Andachten
Der Feind verfolgt meine Seele und zerschlägt mein Leben zu Boden; er legt mich in das Finstere, wie die Toten in der Welt.
„Die Nacht ist vergangen,“ steht in unserer Epistel. Was war das für eine Nacht! die Nacht, da der Feind die Seele verfolgt, da er das Leben zu Boden schlägt und uns in die Finsternis begräbt. Was war das für eine Nacht, als nach der ersten Sünde unsere ersten Eltern ihre einsamen Wege zogen! Der Paradiesesglanz war verloschen, und durch das Dunkel sahen sie von fern das Leuchten des flammenden Schwertes, das der Gerichtsengel in der Hand trug. Was ist das für eine Nacht, wenn der Feind deine Seele zerschlägt! Das Licht der seligen Paradiesesheimat sinkt zusammen. Als du noch deinen Heiland lieb hattest, da warst du zu Hause in leuchtender Heimat. Da kommt der Feind und sucht die Seele. Er verfolgt und sucht in allen Ecken; das Licht des Paradieses ärgert ihn; er kann's nicht sehen; er sucht, bis er die Seele findet, bis er das Paradiesesleben zerschlägt und dir die zerbrochenen Stücke vor die Füße wirft. Da ist's Nacht. Ein Licht nach dem andern erlischt Glaube, Liebe, Hoffnung alle sinken sie dahin. Der Böse gräbt dir das Grab der Verzweiflung, und in dies Grab leuchtet kein Sternlein hinein, nur der Wiederschein von dem Schwerte des Gerichts schneidet durch die schwarze Finsternis. Und niemand auf der Welt kann das Licht wiederbringen, keine Macht, kein Geld, keine Klugheit. Der Adventskönig allein kann die Nacht zum Tage kehren.
Lasst uns beten: Treuer Herr Jesu Christe, wir müssen Dir bekennen, dass die Sündennacht auch unser Herz so oft umschlungen hält und unser Denken und Tun in Finsternis einschließt. Hilf Du selbst uns mit Deiner treuen Heilandsliebe, dass wir den rechten Schmerz empfinden über all das Weh, das wir Dir bereitet haben, und vergib uns alle Schuld. Lass uns heute diesen Tag ein rechtes Adventsleben führen, segne das Werk unserer Hände und leite unsere Füße auf ebener Bahn, bis wir vor Deiner Krippe ankommen und da alles wiederfinden, was wir brauchen zu unserer Seelen Seligkeit. Amen. (Wilhelm Hunzinger)