Psalm 116,1
Andachten
„Sei nun wieder zufrieden, meine Seele:“ so redet David seine Seele an, um sie wieder in die Stille und Ruhe zu bringen, nachdem er in großer Angst und Unruhe gewesen war. Nicht aber ist es David allein gewesen, dessen Herz bald durch dieses, bald durch jenes beunruhigt wurde, sondern es ist dies das Loos aller menschlichen Herzen, auch aller frommen und christlichen Herzen. Ach, mein Gott, wie wird nicht unsere arme Seel beunruhigt, jetzt durch Amts- und Berufsgeschäfte, jetzt durch den Umgang mit andern Menschen und in der täglichen Gesellschaft, jetzt durch die mancherlei unvorhergesehenen Widerwärtigkeiten, die uns im Leben treffen, jetzt durch die bösen aufsteigenden Lüste und Begierden unseres sündlichen Herzens! Wie nötig ist’s uns da, unserer Seele zuzusprechen, um in die Ruhe wieder einzukehren! – David brachte sein Herz zur Ruhe durch die Erinnerung an die göttlichen Wohltaten, er setzte hinzu: „denn der Herr tut dir Gutes. Du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, mein Auge vor den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.“ Dies sind ja wohl hohe und große Wohltaten des lieben Gottes, die Er seinen Kindern schon hier in der Zeit vielfach widerfahren lässt. Dafür danke eine fromme Seele ihrem Gott mit David und gelobt: „Ich will wandeln vor dem Herrn im Lande der Lebendigen. So muss es sein. Das Leben, das du gleichsam aufs neue durch die Erlösung und Auferstehung Jesu Christi erhalten hast, musst du von nun an emsiger zu dem Dienste und Wohlgefallen Gottes anwenden. Wandeln musst du vor dem Herrn, dass du Ihn stets vor Augen hast und dich in allem deinem Tun und Lassen nur einzig und allein nach Seinem Wink und Willen richtest, wie es Gott von Abraham gefordert, und das alles im Lande der Lebendigen, so lange du noch hier auf Erden zu leben hast.“ Dazu gib mir Freudigkeit und Kraft, o Herr; dann kann ich getrost sein und fest glauben, dass Du immer ein wachendes Auge auf mich haben und mich bis ans Ende behüten, regieren, trösten, führen, beschützen und bewahren wirst. Amen. (Friedrich Arndt)
Das ist mir lieb, dass der Herr meine Stimme und mein Flehen hört; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen. Der Herr ist gnädig, und unser Gott ist barmherzig. Du hast meine Seele aus dem Tode gerissen, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. Wie soll ist dem Herrn vergelten alle seine Wohltat, die er an mir tut? Ich will mein Gelübde dem Herrn bezahlen vor all seinem Volke. Herr, ich bin dein Knecht, du hast meine Bande zerrissen. Dir will ich Dank opfern, und des Herrn Namen predigen. Halleluja.
Herr, allmächtiger Gott und Heiland, du Tröster aller Traurigen, du Helfer aller Kranken, wir preisen deinen herrlichen Namen, dass du uns deine Barmherzigkeit hast erfahren lassen. Wir kommen mit Danken vor dein Angesicht, dass du unsre liebe Mutter (Kind, Bruder) von ihrer Krankheit errettet und ihr Leben gnädig bewahrt und erhalten hast. Du hast unser Gebet erhört. Deine Güte ist's, dass wir nicht gar aus sind. Deine Barmherzigkeit ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß; Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Gib uns deinen Geist, dass deine Güte, die wir nicht verdient haben, uns zu dir ziehe, dass wir, wie der Samariter, umkehren und uns von Herzen zu dir bekehren und dir danken mit einem neuen Leben in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Bewahre uns auch ferner vor allem Argen. In deine Hände befehlen wir uns; du wirst es wohl machen, du treuer Gott. Amen. (Adolf Clemen)
Das ist mir lieb, dass der HErr meine Stimme und mein Flehen hört, dass Er Sein Ohr zu mir neigt; darum will ich mein Leben lang Ihn anrufen.
Ja freilich, was kann einem betrübten Herzen lieber sein, als wenn es empfindet, dass so ein heiliger, mächtiger und gerechter Gott erhört das Gebet eines so unheiligen Menschen, eines ohnmächtigen und verlassenen armen Sünders? Ja, das ist das höchste und größte Lob Gottes, dass so ein heiliger Gott hört die Stimme eines so unreinen Menschen; so ein gerechter Gott Seine Ohren neigt zu einem armen Sünder; so ein mächtiger Gott sich wendet zur Erde und Asche. Sollte uns das nicht lieb sein? Was hat ein armer Untertan für Liebe und Freude, daran, wenn ihn seine hohe Obrigkeit gerne hört? Das ist einem Geringen gleich als ein frischer Regen in dürrer Zeit, und als ein Tau, so über die verwelkten Blumen fällt. Sollte nicht die Gnade des Höchsten mehr erfreuen? Sonderlich aber ist dies eine große unaussprechliche Freundlichkeit Gottes, dass Er 1. Seine Gegenwart an unser Gebet gebunden hat: Der HErr ist nahe allen, die Ihn anrufen rc., Ps. 135, v. 18. Ferner 2. Seine Erhörung: Jes. 65, v. 24. 3. Seine Hilfe: Ps. 50, v. 15. 4. Ja, das ist eine überaus große Herrlichkeit, dass wir mit Gott also reden mögen, als mit unserm eigenen Herzen. Ach, mit welchem Menschen können wir das tun? Darum ist es am besten, seines Herzens Leid Gott geklagt. (Johann Arnd)