Psalm 100,1
Andachten
Komm, meine Seele, wir wollen anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der dich gemacht hat; denn Er ist unser Gott, und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Heerde. Ich erscheine jetzt vor Deinem Angesicht, o Vater der Barmherzigkeit, und begehre Deine Gnade und Deinen Schirm für diese Nacht und allezeit. Vergib mir zuvörderst alle meine Sünde, damit ich Dich den ganzen Tag und die Zeit meines Lebens beleidigt, es sei mit leichtfertigen Worten, eitlen Gedanken, lieblosen Werken oder sonst womit geschehen. Ich bereue von Herzen alle meine Sünden und Fehler, und kehre mit dem abtrünnigen Israel wieder zu Dir. Gedenke diesen Abend meiner, mein Gott, im besten, und lass mich nimmermehr vergessen all’ des Guten, das ich von Dir empfangen. Vergiss, gütiger Vater, was geschehen, und hilf, dass ich fortan vor Dir wandle und fromm sei. leite mich stets in Deinem Rat, dass meine Füße nicht gleiten noch straucheln, mein Herz nicht wanke, sondern in die Fußtapfen Jesu Christi, Deines Sohnes, trete, Dir gehorsam zu sein bis an’s Ende. Erfülle meine Seele mit herzlicher Liebe zu Dir, bewahre meinen Geist in kindlicher Furcht und Verehrung Deines heiligen Namens und Gesetzes, und das Hauptwerk meines ganzen Lebens sei, Dir zu dienen und Deine Ehre zu verwahren. Lehre mich, o Herr, meine Tage zählen und bedenken, dass es ein Ende mit mir haben wird, mein Leben ein Ziel hat und ich davon muss. Lass Deine Engel diese Nacht eine Wagenburg um mich schlagen, besuche mein ganzes Haus und lass mich und alle, die darin sind, Barmherzigkeit finden vor Deinen Augen. In Deine Hände, Jesu, befehle ich meine Seele und meinen Leib, Du hast mich erlöset mit Deinem teuren Blute. Segne und heilige meinen Schlaf wie Deines Knechtes Jacob, und hilf, dass ich mit meinem Geiste stets zu Dir wache, Dein zu bleiben im Wachen und Schlafen, im Leben und Sterben. So schlaf ich ein in Gottes Namen, ganz mit Frieden; denn Du allein, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne. Amen. (Friedrich Arndt)
„Jauchzet dem Herrn alle Welt; dienet dem Herrn mit Freuden; kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! Denn der Herr ist freundlich, seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.“
So mögen Alle in hoher Freude sprechen bei dem reichen Erntesegen, den uns Gott wiederum beschert hat. Der Herr hat die Sorge des Lebens von uns genommen und unsere Scheuern und Keller gefüllt mit seinem Segen. Wir dürfen nun nicht ängstlich für den andern Morgen sorgen und fragen: „was werden wir essen, was werden wir trinken; womit werden wir uns kleiden?“ Ach, wenn Sorgen der Nahrung unser Herz beschweren, fehlt es unserem Geiste an Freudigkeit und Kraft zu jeder Art von Tätigkeit; unsere Arbeiten ermüden uns, ehe wir sie vollendet haben, und selbst die leichtesten Geschäfte misslingen; über Alles hat sich der dunkle Schleier der Traurigkeit gelegt, besonders wenn Weib und Kinder und des Hauses Genossen von uns ihr täglich Brot begehren. Wie lebhaft wir auch die Vorzüge des Geistes empfinden, durch welche wir über die vernunftlose Kreatur erhoben werden; wie deutlich wir uns auch unserer Verwandtschaft mit dem Unendlichen, mit dem Vater der Geister selbst bewusst werden; wie glückliche Fortschritte wir auch auf dem Wege der Weisheit und der Erkenntnis gemacht haben: es wird uns doch täglich fühlbar, dass wir dem Staube, angehören, dass die Tätigkeit unserer Seele zum Teil von dem Zustande unseres Leibes abhängt, dass wir irdischen Bedürfnissen untertan sind. So lange wir in dieser Hütte wohnen, müssen wir die Gebrechlichkeit derselben empfinden. Darum dem Vater im Himmel, der uns Alle ernährt und versorgt, Preis und Dank, dass er seine milde Hand aufgetan und uns Nahrung die Fülle gegeben hat. Mit Danksagung will auch ich mein täglich Brot empfangen, des Herrn Gabe mit Mäßigkeit genießen, meinem ärmeren Bruder davon freundlich mitteilen und dabei nie vergessen, dass der Mensch nicht vom Brote allein lebt. Meine Speise ist die, sprach Christus, dass ich tue den Willen Des, der mich gesandt hat, und vollende sein Werk. So mach' mich denn reich, du Gnadenreicher, durch den Geist des Glaubens und durch das Wort des Lebens, das ewiglich bleibet. Gib, dass ich am Tage jener großen Ernte mit Freuden komme und meine Garben bringe, aus deiner Hand aber die unverwelkliche Krone der Ehren empfange um Jesu Christi willen. Amen. (Christian Wilhelm Spieker)
Jauchzt dem Herrn alle Welt! Dient dem Herrn mit Freuden; kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken; erkennt, dass der Herr Gott ist. Er hat uns gemacht, und nicht wir selbst, zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. Geht zu seinen Toren ein mit Danken, zu seinen Vorhöfen mit Loben; dankt ihm, lobt seinen Namen; denn der Herr ist freundlich, und seine Gnade währt ewig, und seine Wahrheit für und für.
Bis hierher hat mir der Herr geholfen. Herr, wie teuer ist deine Güte, dass Menschenkinder unter dem Schatten deiner Flügel trauen. Du beschirmst sie, und alle Morgen ist deine Güte neu. Mein Gott, du hast in dieser Woche deine Flügel über mich ausgebreitet. Viele haben in dieser Woche eine Trauer- oder Kreuzwoche gehabt, aber mich hast du sie in Frieden zurücklegen lassen. Wie Viele haben Elend und Jammer erfahren müssen, aber ich bin unter deinem Schirm unverletzt geblieben. Dafür sei hoch gepriesen, mein Gott. Lass mich dir Dank und Ehre bringen in einem gottseligen Wandel. Lass mich diesen letzten Tag der Woche verleugnen alles ungöttliche Wesen und die weltlichen Lüste, und dagegen züchtig, gerecht und gottselig vor dir leben. Lass mich mit meinen Kleidern anziehen herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Sanftmut, Demut und Geduld, hingegen den alten Menschen mit seinen Werken ausziehen. Weihe dir mein Herz zu einem Tempel, darin du wohnen kannst. Lass mich wohl bedenken, dass auch einmal die letzte Woche meines Lebens kommt, und lass mich alle Wochen und Tage so anfangen und vollenden, dass ich dereinst nicht zu Schanden werde. Dass mich in der neuen Woche reiner, dir gefälliger werden. Hilf mir und al den Meinigen an diesem Tag, deinen Willen zu tun, und segne uns den Ruhetag, den du uns morgen gibst, zu unserm ewigen Heile. Amen. (Nach Stark.) (Adolf Clemen)
Jauchzt dem HErrn, alle Welt. Diener dem HErrn mit Freuden, kommt vor Sein Angesicht mit Frohlocken.
Der freudige Geist Gottes redet hier die ganze Welt an und spricht: Sie sollen jauchzen, das ist, fröhlich sein. Wem soll diese Fröhlichkeit gelten? Antwort: dem Sohn Gottes, dem wahren Messias, nicht der Welt, oder allein dem, das in der Welt ist; das soll uns nicht so sehr freuen, als Christus mit Seiner Gnade. wer doch dies Jauchzen wohl könnte, und mit der Maria singen: Meine Seele erhebt den HErrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes! Unsere Seelenfreude soll allein Christus sein, dass wir sagen können: Ich freue mich im HErrn, und meine Seele ist fröhlich in Gott meinem Heil. Ein Tröpflein der himmlischen Freude ist besser denn ein großes Meer der irdischen Wollust. Ein kleines Tröpflein der himmlischen Freude kann süß machen viele Wasser der Trübsal. Darum dient dem HErrn mit Freuden. Was heißt Christo dienen? Antwort: An Ihn glauben, Ihn lieb haben, Ihn fürchten, der Welt absagen, und sich zu Ihm bekehren. Was ist denn, vor Sein Angesicht kommen? Antwort: Beten, Ihn in allen Nöten anrufen, Ihm für alle Wohltaten danken und Ihn loben. Wie fein muss das stehen im Himmel, wenn die heiligen Engel vor Gottes Thron stehen und Ihm dienen in Heiligkeit und Gerechtigkeit. So sollten wir auch tun auf Erden, wie die Engel im Himmel. (Johann Arnd)