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Römer 11,25

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Andachten

Ich will Euch nicht verhalten, liebe Brüder, dieses Geheimnis, auf dass ihr nicht stolz seid. Blindheit ist Israel eines Teils widerfahren, so lange bis die Fülle der Heiden eingegangen sei, und also das ganze Israel selig werde, wie geschrieben steht: Es wird kommen aus Zion, der da erlöse, und abwende das gottlose Wesen von Jakob.
Es ist kein Zeugnis, das so unwiderleglich die Wahrheit des göttlichen Wortes bestätigt, als das Volk Israel. Es ist eine lebendige Weissagung, die durch den Lauf der Jahrtausende sich erfüllt, und wiederum das geheimnisvolle Wort des Apostels bestätigt: „Gott hat Alles beschlossen unter den Unglauben, auf dass Er sich Aller erbarme!“ Dies Israel, einst Jahrtausende lang mit der Milch des göttlichen Wortes genährt, dies Pilgervolk, an Gottes starker Hand durch Meere und Wüsten geleitet; dem Gott selbst das Haus gebaut und behütet hatte, und es mit Wundern Seiner Erbarmung überschüttet; dies Volk, um der grässlichsten Sünde willen mit dem Fluche beladen, und in die Völker der Welt hinausgetrieben; dies Volk soll doch noch selig werden, es soll ein Erbe des Friedens werden! Denn dazu ist es von Anfang an bestimmt gewesen. An diesem Volke wollte Gott von jeher die Gedanken Seines Friedens offenbar werden lassen. Das Wort der Offenbarung, dass Er vor allen Völkern der Erde diesem Volke anvertraute, es war ein Friedenswort; die Stadt, die Er ihm gründete, Jerusalem, sollte eine Stätte des Friedens sein, wie es Sein heiliger Sänger erflehte: „Es müsse Friede sein inwendig in deinen Mauern, und Glück in deinen Palästen.“ (Ps. 122, 7.) Der König, der auf dem Berge Morija die Stätte der Anbetung Ihm herrlich aufbaute, hieß Salomo, der Friedefürst, weissagend auf den, der tausend Jahre später geschaut ward als der rechte Friedenbringer voller Gnade und Wahrheit, über dessen Wiege die himmlischen Heerscharen jauchzten: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden!“ Bis jetzt hat Israel keinen Frieden gefunden. Das Blut des Sohnes Gottes hat Ihm den Frieden genommen - auf Jahrtausende: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Und es ist ihm gekommen, was es gewollt hat; die Blutschuld hat sich an ihm gerächt, hat seine Friedensstätte Jerusalem zerstört, seinen Friedenstempel zertrümmert, und hat die Kinder des Volkes hinausgetrieben in alle Lande, hinaus zerstreut unter alle Völker. Und sie haben den Frieden gesucht und nimmer gefunden; nach den Gütern dieser Welt haben sie ausgeschaut; nach den Schätzen dieser Erde haben sie die Hand ausgestreckt, und Gott hat ihnen werden lassen, was sie suchten, den Lohn dieser Welt, aber mit diesen Gütern die Unruhe der Seele, die unbefriedigte Sehnsucht des Herzens, das Hungern und Dürsten nach neuen Gütern, die neues, unbefriedigtes Verlangen entzündeten; aber der Friede blieb ihnen ferne. Sie sind gepilgert von Land zu Land, von Volk zu Volk, durch die lange, lange Reihe der Jahrhunderte und der Jahrtausende, und neben ihnen und um sie haben sich Völker gebildet und eine Heimat gegründet, und haben geblüht und sind abgestorben, aber Israel fand keine Heimat und keinen Frieden, keine Stätte, da es hätte Hütten bauen und sein Haupt hinlegen können; und ob Geschlecht auf Geschlecht dahin starb, und auf den Trümmern untergegangener Völker neue Völker sich ausbauten: Israel konnte nicht sterben, nicht Frieden finden für seine letzte Stunde; Israel sollte über die vergänglichen Geschlechter hinausleben als ein wunderbares Denkmal der göttlichen Strafgerechtigkeit; Israel fand keinen Frieden im Leben, keinen Frieden im Tode; allenthalben das Wanderzelt ausschlagend, und allenthalben ein Fremdling; herrschend und geknechtet; so reich und doch so arm; und dies Israel, mit so wunderbaren Gaben ausgerüstet, und mit so furchtbaren Heimsuchungen gekennzeichnet, es ist als der Erstberufene bestimmt, bis zuletzt zu warten, und dann, dann, wenn der Heiden Fülle wird eingegangen sein, dann wird auch Israel an die Reihe kommen, dann wird auch Israel selig werden! (Julius Müllensiefen)

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