Johannes 1,23
Andachten
Johannes sprach: ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste. - Der ist's, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, des ich nicht wert bin, dass ich seine Schuhriemen auflöse.
Eine demütige Seele will nichts sein, sie will auch nicht einmal demütig heißen, sondern ganz nichts sein. Ich bin nicht, ich bin nichts, sagt sie. Sagt dann ein Anderer: du bist fromm, fürchtest Gott, kannst eifrig beten; so spricht sie: Nein, ich bins nicht; ich tue es nicht, nicht ich, sondern Gottes Gnade in mir. Demut hält sich nicht nur unwert der geringsten Gnade Gottes, sondern auch unwürdig, Gott den geringsten Dienst zu leisten. Ich bin nicht wert, sagt Johannes, ihm die Schuhriemen aufzulösen. Da Mancher meint, er tue Gott einen großen Dienst, wenn er in die Kirche geht, beichtet, betet und dergleichen. Ach, sagt da eine demütige Seele zu sich selbst, schäme dich, dass du darfst in dem Tempel vor der hohen Majestät Gottes erscheinen, du armer Wurm, denn was bist du? Erde und Asche. Und du darfst doch vor Gott treten und beten! Solche Demut gründet sich in Erkenntnis unserer selbst; denn Niemand ist von Herzen demütig, er kenne denn sich selbst…… Mein Herz, zur Selbsterkenntnis gehört die Nachfrage. Frage nach: Wer bist du? Ich antworte mit Johannes: Eine Stimme bist du und nichts mehr. Eine Stimme lauft schnell von einem Ort zum andern. Der Schall läuft geschwind vom Aufgang bis zum Niedergang. So ist es mit den Menschen. Kaum haben wir angefangen zu leben, da fangen wir an zu sterben. (unbekannt)
Johannes sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Richtet den Weg des Herrn! wie der Prophet Jesaias gesagt hat.
Diese Antwort gibt Johannes der Täufer den Juden, welche mit der Frage: Wer bist du? zu ihm an den Jordan gekommen waren. Wie demütig ist doch Johannes! Er lässt seine Person ganz zurücktreten; er will für sich selbst nichts sein und keinen Wert haben; nur die Stimme eines Predigers ist er. So lenkt er die Gedanken von sich weg auf den Prediger, der sich seiner bedient, um die Predigt im Worte kund werden zu lassen, d. i. auf Gott selbst. Dem Johannes steht diese Demut so wohl an. Lernen wir sie von ihm. Wir glauben immer, wir müssten viel aus uns machen und rücken unsere Person in den Vordergrund; wenn uns Gott nicht hätte, so bilden wir uns ein, müsste es um ihn und seine Sache schlimm bestellt sein. Lernen wir vielmehr die Demut, welche bekennt: an mir und meinem Leben ist nichts auf dieser Erde, was Christus mir gegeben, das ist der Rede wert. Ein Christ ist ja nur durch seinen Heiland etwas, wie der Mond nur durch die Sonne scheint. Darum nur klein und demütig! Erst dann kann uns Gott brauchen, wie er den demütigen Täufer zu seiner Stimme sich erkoren hat. Der Inhalt der Predigt Gottes, welche Johannes hat kund werden lassen, ist kurz gefasst dieser: Richtet den Weg des Herrn! So hatte Gott einst auch im Propheten Jesaias (40, 3) seinem Volke Israel predigen lassen, als er kam, aus der Gefangenschaft es zu erlösen. Das ist auch Gottes Predigt an uns immerfort, insonderheit in dieser heil. Adventszeit. Wir können Christum freilich mit unseres Armes Macht nicht in unsere Herzen herabziehen, aber doch in der Kraft des Herrn ihm den Weg richten, ihm ebene Bahn machen. Das heißt vorab: alles wegräumen, was seinen heiligen Augen missfällt, den Sünden in unsern Herzen, in unsern Häusern den Scheidebrief geben, in herzlicher Buße Hand anlegen, die Schutt- und Schmutzhaufen, die sich so oft durch jahrelange Unbußfertigkeit angesammelt haben, wegräumen, „niedrig machen, was hoch steht“, die Berge und Hügel unsers Hochmuts einlegen, unter welchen unser Glaube begraben liegt, dass er wieder lebendig werde und freudig Christo sich entgegenstrecke. Dass doch keines unter uns solche Predigt überhörte oder ihr den Gehorsam weigerte! Es wäre uns nicht gut. (unbekannt)
Er sprach: Ich bin eine Stimme eines Predigers in der Wüste: „Richtet den Weg des Herrn“, wie der Prophet Jesaias gesagt hat.
Johannes war ein großer, gewaltiger Mann. Als er in der Wüste am Jordan anfing zu predigen, strömten Tausende des Volkes ihm zu; auch die Pharisäer und Sadduzäer und die Vornehmsten des Volkes kamen, seiner Predigt zuzuhören, und sich von ihm taufen zu lassen. Und der Herr Jesus selbst gibt ihm das Zeugnis, dass er mehr sei, denn ein Prophet (Matth. 11, 9). Und wie bescheiden und demütig ist dieser große Mann! Als die Pharisäer zu ihm schickten, und ließen ihn fragen, ob er Christus sei, der Erlöser, den Gott verheißen; oder ob er Elias sei, von welchem der Prophet geweissagt, dass er wiedererscheinen werde vor dem großen und schrecklichen Tag des Herrn (Mal. 4, 5); oder ob er endlich der große Prophet sei, von welchem Gott zu Mose geredet (5. Mose 18, 18): da beantwortete er alle diese Fragen mit Nein. Er wollte nichts sein als die „Stimme“ eines Predigers in der Wüste, von welcher Jesaias geweissagt hatte (40, 3), dass sie sagen werde: „Richtet den Weg des Herrn.“ - Der Herr ist wieder nahe. Wieder ergeht in dieser Adventszeit der Ruf: „Richtet den Weg des Herrn!“ Wollen wir dem Herrn den Weg bereiten in unser Herz, so müssen wir Demut lernen von Johannes dem Täufer. Bei dem Demütigen kehrt er ein. Zwei Steine müssen wir hinwegräumen, wenn der Herr Jesus bei uns einziehen soll mit seinem Heil und seinem Frieden. Der erste Stein ist der Hochmut. Und wessen wollen wir uns rühmen vor dem ewigen Gottessohn, der alle seine Herrlichkeit abgelegt hat und spricht: „Lernet von mir, ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“, der ein armes Kind geworden ist um unsertwillen. Und wir haben nicht nur keinen Ruhm vor ihm. Unsere Sünde verklagt uns vor diesen klaren Kindesaugen. Unser Leben hat nicht bloß einige kleine Fehler und Mängel. Das ganze Herz ist vielmehr verderbt von der Sünde. Aber wenn wir es erkannt haben, dass es so nicht weiter geht, dass es anders mit uns werden muss: dann gilt es den zweiten Stein hinweg zu räumen, der dem Kommen des Heilandes im Wege liegt, das ist das Vertrauen auf die eigenen Werke und auf unsere eigene Kraft. Wer hätte nicht schon einmal gedacht: Ich will mich bessern. Wer müsste aber nicht auch klagen, dass die guten Vorsätze nicht zur Tat geworden sind. Aus eigener Kraft vermögen wir nichts. Ohne ihn können wir nichts tun. Wir müssen erst Verbindung mit dem Herrn suchen. Es fehlt uns an Mut und Kraft, solange die alten Wunden im Gewissen bleiben. Er muss uns erst rein machen von unserer Sünde.
Lasst uns beten: Herr Jesu Christe, wir bekennen Dir demütigen Herzens, dass wir arme Sünder sind vor Dir, und nicht wert Deiner Gnade, mit welcher Du wieder zu uns kommst in dieser heiligen Zeit. Wir können auch nicht loskommen von der Sünde und dem Unfrieden unseres Herzens aus eigener Kraft. Darum bitten wir Dich, reinige Du uns von unserer Sünde durch Dein Blut. Gib uns demütige Kindesaugen, dass wir die Gnadengeschenke erkennen, die Du uns bringst, und nicht zweifeln, dass sie auch für uns da sind. Schenke uns Deine Kraft, dass wir durch Dich unsere Sünde abtun, damit wir mit Frieden an Deiner Krippe stehen können. Amen. (Alfred Meyer)