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Lukas 21,36

Lukas 21,36

Andachten

So seid nun wacker allezeit und betet.
Wenn der HErr Jesus von einbrechenden Gerichten Gottes, und insonderheit vom Jüngsten Gericht redete, so gebot Er das Wachen, und setzte zuweilen auch das Gebot zu beten hinzu. Luk. 21,36. sagte Er: so wacht nun und betet zu aller Zeit, auf dass ihr würdig werden möget zu entfliehen diesem Allem, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn. Christen sollen Schüler des HErrn Jesu sein; denn Er sagt: kommet her zu Mir – lernet von Mir, Matth. 11,28.29. Wer will aber schlafende Zuhörer etwas lehren? wer will ihnen etwas offenbaren? Christen sollen aus der Fülle Jesu Gnade um Gnade nehmen; es soll ihnen allerlei göttliche Kraft, was zum Leben und göttlichen Wandel dient, geschenkt werden. Wer aber schläft, das ist, sicher, sorglos, leichtsinnig ist, nimmt nichts aus der Fülle Jesu, ihm kann nichts von Gott geschenkt werden. Christen sollen mit Geduld laufen in dem Kampf, der ihnen verordnet ist, und Überwinder sein: ein Schlafender kann aber weder laufen, noch kämpfen, noch überwinden. Er bleibt liegen, wo er ist, und kommt nicht weiter, und wird überwunden, wenn ihn eine Versuchung überfällt. Christen sollen Knechte und Mägde Jesu Christi sein, Seinen Willen tun, und mit ihren Pfunden oder Gaben wuchern, und für ihren HErrn etwas gewinnen: dazu schickt sich aber das Schlafen nicht, wie man leicht erkennen kann. Christen sollen glauben, lieben, hoffen, beten, der Heiligung nachjagen, auf ihren HErrn warten usw.: dazu ist aber eine rege Munterkeit, ein steter Fleiß, eine genaue Beobachtung und Prüfung dessen, was innerlich in ihnen vorgeht, und äußerlich ihnen begegnet, nötig. Was man hat, muss man bewahren, damit man noch mehr bekomme; die empfangenen geistlichen Kräfte muss man brauchen und anwenden zum Dienst Gottes, weil sie dazu gegeben sind; und auf die Versuchungen, die mannigfaltig sind, täglich vorkommen, und nach dem Alter und nach andern Umständen sich verändern und neue Gestalten bekommen, muss man Achtung geben, damit man nicht von ihnen überwältigt werde, und an seiner Seele Schaden leide. Bei dem Wachen aber soll man zu jeder Zeit beten, und darin nicht lass werden. Luk. 18,1. Das Beten erhält den Christen in der Wachsamkeit, und die Wachsamkeit bewahrt die Kraft zum Beten. Beten sollen wir, obgleich Gott für Sich selbst weiß, was gut ist, und bereitwillig ist, alles Gute zu tun und zu geben: wir sollen Ihn aber mit Beten ehren, weil Er’s haben will, und Seinem gnädigen Willen mit unserem Bitten begegnen. Wir sollen beten, weil Vieles, das uns heilsam ist, nicht geschähe, und wir Vieles nicht empfingen, wenn wir nicht beteten.

Nicht nur die gegenwärtigen Versuchungen erfordern das Wachen und Beten, sondern auch die zukünftigen Begegnisse. Der HErr Jesus hatte Luk. 21. von der Zerstörung Jerusalems und von Seiner Zukunft zum jüngsten Gericht geredet, und wer jene erlebte, musste bereitwillig sein, Hab und Gut zu verlieren, ein geliebtes Vaterland zu verlassen, und dem jämmerlichsten Untergang vieler Landsleute und Anverwandten zuzusehen. Wer nun vorher nicht gewacht und fleißig gebetet hatte, war nicht tüchtig, sich in dieses Alles zu schicken, gab den Verführern, die fälschlich von Glück und Sieg weissagten, Gehör, nahm an dem Aufruhr der Juden Anteil, und wurde dem Weib des Lot ähnlich, welche mit ihrem Herzen an ihren Gütern und Freuden hing, dem Teufel, der ihr das Wort Gottes vom Herzen wegnahm, Raum gab, still stand, und von der Strafe Sodoms ergriffen wurde. (Magnus Friedrich Roos)


So seid nun wacker allezeit und betet, dass ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, das geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.
Wacker sein ist eine der ersten und dringendsten Forderungen, welche der Herr an seine Jünger stellt, vorab im Blick auf seine Wiederkunft am Jüngsten Tag, aber auch im Blick auf den Jüngsten Tag des eigenen Lebens. Wir wissen nicht, wann er kommen wird. Darum gebührt uns wachsam zu sein, mit nüchternem, durch die Dinge dieser Welt nicht getrübtem Geiste auf alle Vorzeichen zu achten, welche seine Nähe verkünden, mit Vorsicht auf unsere Herzen zu achten und jede Begierde, jeden Gedanken, der Einlass fordert, daraufhin anzusehen und zu prüfen, ob er Freund oder Feind unserer Seligkeit ist: ist er Freund, so mag er bleiben, ist er Feind, so muss er weichen. Solche Wachsamkeit ist aber auf die Dauer nur möglich durchs Gebet, darum flicht der Herr beides zusammen: „seid wacker allezeit und betet“. Das Gebet ist das Öl, welches die Lampen unserer Wachsamkeit brennend erhält; das Gebet ist die Arbeit, welche wir immerdar verrichten müssen, um uns wach zu erhalten die Erfahrung lehrt, dass der Müßige weit eher vom Schlafe übermannt wird, als der eine Arbeit unter die Hände nimmt. Wie ist's um unser Gebet bestellt? Liegt es ganz darnieder, haben wir diese Sprache des Herzens mit unserem Gotte etwa ganz verlernt oder ist's mehr nur ein Stammeln und Stottern als ein Sprechen zu nennen? Dann wäre unsere Seele in der höchsten Gefahr und es wäre Zeit, dass wir uns aufmachten und zu unserem Gott wendeten und den gestörten und abgebrochenen Verkehr unseres Herzens mit ihm wieder aufnähmen. Er ist ja bereit dazu; wenn wir nun kommen und das „Abba, mein Vater“ zu ihm sprechen, so gibt er uns die Antwort: „mein Kind“ zu hören. Überaus nötig sind Wachsamkeit und Gebet, denn diese beiden sehen die Jünger Jesu allein in den Stand, der Drangsal und dem Leiden, das der jüngste Tag mit sich bringt, zu entfliehen und vor des-Menschen Sohn, in seinem Gerichte zu bestehen. Wachsamkeit und Gebet tut not auch im Blick auf unsern Jüngsten Tag, wenn die Schrecken des Todes über unsere Seele fallen und das Gericht Gottes uns unter die Augen tritt. Wir wissen nicht, wann dieser Tag für uns erscheint. Bei Zeit und allezeit finde uns der Herr wachend und betend. Das kann uns allein retten.

Drum so lasst uns immerdar wachen, flehen, beten, weil die Angst, Not und Gefahr immer näher treten; denn die Zeit ist nicht weit, da uns Gott wird richten und die Welt vernichten. Amen. (unbekannt)

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