Lukas 14,2
Andachten
Und siehe, da war ein Mensch, der war wassersüchtig; und Jesus griff ihn an, und heilte ihn, und ließ ihn gehen.
Die alte Kirche hat ihre Diakonen oder Pfleger gehabt, welche von Haus zu Haus eilten mit dem Troste des Wortes und, wo es nottat, auch leibliche Hilfe spendeten. In unserer Kirche ist dies teure Amt eingeschlafen. Es muss wieder erweckt werden. Die Gläubigen müssen es übernehmen. Der Herr steht vor dem Wassersüchtigen. Setze du dich mit ihm an Krankenbetten. Es kommt nicht darauf an, ob der Kranke dein Angehöriger und Freund ist, oder nicht. Wir sind alle Glieder an dem Leibe Christi, also auch Freunde. Dämpfe die natürliche Lieblosigkeit. Diese sagt allerdings: „Was geht mich denn der oder die an? Es ist ein schlechter Aufenthalt im dumpfen Krankenzimmer.“ Höre, was ging denn deinen Heiland der Wassersüchtige an? Was ist denn die Erde gegen den Himmel? Ich sage dir, das Zimmer, dessen Fenster mit Papier verklebt sind, das die Farbe und den Geruch des tiefsten Elends trägt, steht von deiner Putzstube lange noch nicht so weit ab, als die arme Erde mit ihrer Sünde, von der Herrlichkeit, die Christus bei seinem Vater hat. Und er ist doch gekommen, und er hat sich keines Hauses geschämt, er ist unter den Elenden der Elendeste geworden, er hat sich seinen Plat gesucht recht im Brennpunkte ihres Jammers, am Kreuz.
Ja, treuer Herr, wir wollen auch heute auf dich schauen, und bei aller Berufsarbeit, welche die neu begonnene Woche bringt, die stille Liebesarbeit nicht vergessen. Gib uns deine Barmherzigkeit und Demut in unsere Seele, dass wir lernen in deinem Sinne zu helfen und zu pflegen, wo Hilfe und Pflege nötig ist. So gehe du mit uns und lehre uns auf Schritt und Tritt dir nachzuwandeln in Liebe und Gehorsam, Treue und Wahrheit. Amen. (Friedrich Ahlfeld)