Matthäus 2,10
Andachten
Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.
Am Weihnachtsfeste hatten wir uns im Geiste mit der ganzen Christenheit an der Krippe versammelt. Wir hörten die Engel singen, schauten ihren Strahlenglanz, gingen mit den Hirten nach Bethlehem und fanden allda Maria, die stille Magd des Herrn, Josef, ihren treuen Freund und Beschützer, und das Kindlein, in dem Gott sich der Menschheit zugesellt. Nicht blendend, aber wunderbar lieblich sind diese einfachen Geschichten. Nun kommen unbekannte Männer von ferne her, Erstlinge aus den Heiden, von keinem Engel gerufen, von einem Stern geleitet. Christus ist für alle geboren und außer ihm ist kein Heil; darum müssen neben den Hirten aus dem Volke Israel auch die Heiden erscheinen, neben den Armen und Ungebildeten auch die hohen und weisen Fremdlinge, denen eine unzählbare Schar aus allen Sprachen und Völkern nachfolgen wird, um mit dem auserwählten Brudervolk in einem Chore den Heiland der Welt zu preisen.
Im Morgenlande den Sternenhimmel betrachtend, schaute nicht nur ihr Auge nach der Größe, dem Lauf und dem Glanze der funkelnden Himmelskörper; ihr Herz sah sich um nach dem allmächtigen Gott, nach einem Gott, der die Liebe ist, nach einem Gott, der ihnen Frieden schenkt. Ihr Suchen wurde gestillt. Sie sahen in einem Sterne das Pfand, dass der König der Juden geboren war. Schnell wuchs ihr Glaube und bald ward der Entschluss gefasst, Vaterland und Freundschaft zu verlassen, um nach Jerusalem zu ziehen und anzubeten. Ihr Glaube war emsig und scheute keine Mühe, alles zuzurüsten, um die Reise zu unternehmen; und fort gings, geleitet vom Zuge des Geistes. Ihr Glaube war ein gewisser Glaube; denn als sie hinkamen ins gelobte Land und in die Gottesstadt einzogen, fragten sie erwartungsvoll: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir sind gekommen, ihn anzubeten.“ Herzhaft, und ohne sich einschüchtern zu lassen, bekannten sie das, ob auch Herodes erschrak und mit ihm ganz Jerusalem.
Vom Worte der Verheißung gekräftigt, sollten sie weiterziehen; aber niemand begleitete sie. Ohne sich über die ihnen zuteil gewordene Verachtung zu ärgern, hielten sie in ihrem Glauben aus, bis er sie zum kleinen Bethlehem führte. Hocherfreut sahen sie den Stern wieder; und ob auch die äußeren Umstände in der Herberge einer königlichen Würde nicht entsprachen, so wurde ihr Glaube doch gekrönt und ihr Mut neu belebt, als sie das Kindlein sahen. Voll Liebe und Dank brachten sie ihre Schätze hervor: Gold, Weihrauch und Myrrhen. Gefunden hatten sie, was ihr Herz gesucht und was der Stern ihnen verbürgt. Haben sie Gott bis dahin gehorcht, so leitet er sie wieder mit Heil im Herzen in ihre Heimat, um dort Zeuge zu sein von seinem wunderbaren Walten über denen, die nach ihm fragen.
Diese Weisen sagen uns, dass im Heilande das Heil für alle geboren ist, und dass um ihn sich scharen werden alle, die aus der Wahrheit sind. Sie sind eine tröstliche Hinweisung auf das Walten Gottes auch an entfernt wohnenden Heidenseelen und eine Weissagung auf die unzählbare Schar der einst zur Herrlichkeit Geretteten, von welcher die Offenbarung schreibt.
Lieber Herr, gib noch vielen aus den Heiden den Zug zu dir und einen starken Glauben, der die Hindernisse durchbricht. Lehre sie aushalten und ein Segen sein, dass die Zahl deiner Anbeter voll werde. Schenke der Christenheit immer mehr den Trieb, im Gehorsam gegen deinen Befehl überall dein Heil zu verkündigen, und segne die Missionsarbeit in allen Landen! Amen. (Rudolf Wenger)
Da sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut, und gingen in das Haus, und fanden das Kindlein mit Maria, Seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an, und taten ihre Schätze auf, und schenkten Ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.
Der heutige Tag, von dem auch die nächstfolgenden Sonntage ihren Namen empfangen haben, heißt Epiphanias, das bedeutet: Erscheinung, Offenbarung, weil wir von jetzt an die ersten Strahlen der Herrlichkeit bei dem bis dahin der Welt noch verborgen gebliebenen Erlöser hervorbrechen sehen. Es fasst dieser Tag, der in der alten Kirche festlich begangen wurde, und dessen Bedeutung auch in unseren Tagen wieder aufs Neue anfängt sich geltend zu machen, zwei Ereignisse aus dem Leben Christi zusammen, die zwar der Zeit nach weit auseinander liegen, aber innerlich nahe zusammenstehen, die Taufe Christi, und die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande. Wenn wir von der ersten uns bekannten Offenbarung des Jesuskindes, Seinem Ausspruch im Tempel: „Wisst ihr nicht, dass Ich sein muss in dem, das Meines Vaters ist?“ absehen, da sich doch nur die Ahnung Seiner künftigen Gottes - Majestät darin bekundet, so ist bei der Taufe Christi zum ersten Male, auch vor Menschen-Augen ersichtlich, die in Ihm beschlossene und bis jetzt noch verhüllt gebliebene Herrlichkeit laut und deutlich in Wort und Bild bezeugt worden; denn nach vollendeter Taufe hat sich über Ihm der Himmel aufgetan, und „Johannes sah den Geist Gottes, gleich als eine Taube, herabfahren, und über Ihn kommen.“ (Matth. 3, 16.) An dieser Erscheinung sollte den Seinen klar werden, dass über Ihm allezeit ruhen sollte der Geist ohne Maß, und an Ihm des Propheten Jesaia Ausspruch, den Jesus selber in Nazareth auf sich bezogen hat (Luk. 4, 17-21.), in Erfüllung kommen: „Der Geist des Herrn ist über Mir, darum hat Mich der Herr gesalbt. Er hat Mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu predigen den Gefangenen eine Erledigung, den Gebundenen eine Öffnung; zu predigen ein gnädiges Jahr des Herrn.“ (Jesaia 61, 1 f.) - Mit dieser einen Seite der Offenbarung Seiner Herrlichkeit beginnt die Reihe aller der herrlichen Liebeswunder, die der Erlöser in gewaltiger Predigt und in mächtigen Taten unter Seinem Volke ausgerichtet hat. - Die zweite geschichtliche Tatsache, die dem heutigen Tag eine festliche Weihe verliehen hat, ist die Anbetung der Weisen aus dem Morgenlande. Wir kehren zurück an die Krippe des Jesuskindes, und gewinnen von hier aus einen weiten ahnungsvollen Ausblick in die künftige Vollendung des neuen Gottesreiches. Die Weisen aus Morgenland, die nach den drei verschiedenen Gaben als Dreizahl angenommen und wegen des hohen Wertes ihrer Geschenke für Könige gehalten worden sind, weshalb auch dieser Tag in unseren Kalendern als der Drei-Königs-Tag verzeichnet steht, gelten als die Bewohner des heidnischen Osten, als die Stellvertreter des Heidentums, das in ihnen dem neugeborenen Könige ihre Huldigungen darbringt, und anbetend reiche Gaben zu Seinen Füßen niederlegt. Die eigentlichen Namen dieser Weisen, die der Kalender der alten völlig unverbürgten Sage zufolge mit Kaspar, Melchior und Balthasar anführt, sind uns unbekannt geblieben, aber sie werden uns einst offenbar werden, weil sie als ewig Gerettete in dem Buche des Lebens angeschrieben sind. In ihrer Huldigung erblicken wir die erste Erfüllung des prophetischen Ausspruches, der von jeher an diesem Tage die christliche Andacht beschäftigte (Jesaia 60, 1 ff.), und vor Allem des Wortes: „Sie werden aus Saba Alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen.“ (Jes. 60, 6.) Das ist eine Weissagung, die auch an uns erfüllt worden ist, die wir in unseren Vorvätern aus der Heidenwelt sind gesammelt worden, und die Gaben, welche von jenen unseren ersten Glaubensvätern dargebracht wurden: Gold, Weihrauch und Myrrhen, sollen auch von uns immer aufs Neue Ihm geweiht werden in dem Sinne, den die alte Kirche ihnen unterlegte: das Gold des reinen und lauteren Glaubens, als die Münze, die im Reiche Gottes alleinige Geltung hat, und auch die Tore des Himmelreiches uns aufschließt; der Weihrauch des Gebetes, auf dessen Flügeln die Seele sich aus der Armut und dem Jammer dieses Lebens zu ihrem Gott und Heiland aufschwingt, und die bittere Myrrhe der Buße, die dem Glauben vorangehen muss, um wie Johannes der Täufer, dem Werke des Herrn in der Menschenseele eine Bahn zu brechen. (Julius Müllensiefen)
Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhen.
Drei Weise aus fernem Heidenlande kamen nach Jerusalem. Nicht unbekannt mit der Hoffnung des göttlichen Bundesvolkes und den Schriften seiner Propheten, aufmerksam gemacht und geführt von einem der Sterne, die von Anfang der Welt gesetzt sind, dass sie gäben auf Erden Zeichen und Zeiten, Tage und Jahre, betraten sie die heilige Stadt mit der Frage: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten. Gewiesen nach Bethlehem, als darauf der Prophet Micha gedeutet habe, nahmen sie ihren Weg dahin. Und siehe, da sahen sie den Stern wieder. Von ihm geleitet, als ginge er vor ihnen her, wurde ihr Herz hoch erfreut. Sie aber gingen in das Haus, da er oben über stand, und fanden das Kindlein mit seiner Mutter, beugten vor ihm ihre Kniee und brachten ihm ihre Geschenke und Gaben. Gleich als die Vertreter der Heidenwelt kamen sie, aus der alle noch kommen sollen und dich anbeten als ihren König und Herrn und sich selber dir zum Opfer bringen mit all ihrer Macht, Reichtum und Herrlichkeit, o Jesu Christe, du König der Ehren. Das herzliche Verlangen nach dir hast du ja gewiss in den Herzen der Weisen erweckt, durch deinen Heiligen Geist. Durch deinen Stern und durch dein prophetisches Wort hast du sie auf dem rechten Wege, dass sie nicht irren konnten, zu dir geführt. Das soll uns denn ein Zeugnis sein, dass du die Person nicht anstehest. Aus allerlei Volk, wer Gott fürchtet und recht tut, der ist dir angenehm. Auch die armen Heiden willst du als dein Eigentum zu dir ziehen, sie zu dir sammeln, dich ihnen offenbaren als ihren einigen Heiland, dass sie an dich glauben und aus Gnaden gerecht und selig werden. Umso dringender bitten wir dich: Lass doch auch uns, deinen Knechten, dein himmlisches Gnadenlicht aufgehen in unsern Seelen. Hilf, dass wir dich suchen mit aufrichtigem Herzen und zu dir kommen und bei dir bleiben in unverbrüchlicher Treue. Entziehe uns doch nicht die heilsame Predigt deines seligmachenden Evangeliums. Wende dich nicht von uns weg, als die wir selber uns nicht wert hielten des ewigen Lebens. Verwirf uns nicht und erwähle dir nicht statt unserer die Heiden. Nimm dich aber auch der armen Heiden, die noch unbekehrt sind, voll Erbarmen an. Höre, erhöre gnädig das ängstliche Seufzen der Kreatur nach ihrer Erlösung. Mache uns willig, dir zu dienen zu ihrer Bekehrung mit unserm Gold und unsern Schätzen, als die wir hocherfreut sind, dass wir deinen Stern sehen und genießen deine unaussprechlich selige Königshuld. Segne dazu jede Gabe und jedes Opfer im Dienste deines heiligen Missionswerkes, dass recht bald alle Welt eingehe zu deinen Toren mit Danken und dir entgegen jauchze mit Freuden: Hosianna, gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Amen! (Carl Just)