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Matthäus 11,6

Matthäus 11,6

Andachten

Selig ist der sich nicht an mir ärgert.
Die Jünger des Johannes hatten Jesum erkannt. Sie hatten gefragt, sie hatten seine Antwort gehört und gesehen. Sie waren überwunden. Sie gehen mit festem Schritt zu ihrem Meister zurück. Der glaubt auch. Sein Zagen ist gestillt, der Versucher ist zurückgeworfen. Er fragt nie wieder. Willst du mehr als Johannes? Willst du noch am Wege stehen und auf das Wetter warten, bis ein wärmerer Odem dich anwehe? Es gibt keine Wahrheit über diese Wahrheit, keine Majestät über diese Majestät, keine Liebe über diese Liebe. Willst du eines Andern warten? Sage doch an, wie soll er denn sein? was soll er denn bringen? Ärgerst du dich an Christi Lehre, so liegt die Schuld an deiner eigenen trotzigen Weisheit, die sich von Gott nicht will zurechtweisen lassen. Ärgerst du dich an seiner armen Gestalt, so ärgerst du dich an der Liebe Christi, der sich so tief erniedrigte. Ärgerst du dich an seinem Mittlerverdienst, so ärgere dich lieber an deinem Hochmut, der die Gnade nicht annehmen will und doch kein eigenes Verdienst hat, mit dem er vor Gott bestehen könnte. Ärgerst du dich an Christi Forderungen, dass du dich selbst verleugnen und dein Kreuz auf dich nehmen sollst, so ärgere dich lieber an deinem Stolz, der dich behalten will wie du bist, der von Selbstverleugnung Nichts hören will. - Es heißt hier einmal: „Entweder diesen Heiland oder keinen.“ Christus ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Herr, mein Gott und Heiland, du bist unser Bruder geworden, und doch hat die Fülle der Gottheit in dir leibhaftig gewohnt. Und so ist es noch. Du bist erhöht zur Rechten Gottes nach deiner ewigen Gottheit und nach deiner verklärten Menschheit. Das danken wir dir und sind fröhlich in unserer Armut und in deiner Herrlichkeit. Wir haben dich, unsern Bruder, zur Rechten Gottes. Du kennst unsere Schwachheit und die Anfechtung des alten Feindes. Doch hast du Mitleid mit unserer Schwachheit. Du bist der ewige Gottessohn. Darum hast du Macht, deine armen Gläubigen zu erretten aus allen Trübsalen des Leibes und der Seelen. Darum rufen wir dich an, du Gottmensch, schaffe und hilf im heiligen Geist, dass wir rechte Menschen Gottes werden. Amen. (Fr. Ahlfeld)


Willst du recht glauben und Christum wahrhaftig erlangen, so musst du die Werke alle fahren lassen, damit du gegen Gott und vor Gott handeln (dich darauf berufen) willst; es sind eitel Ärgernisse, die dich von Christo und von Gott führen. Vor Gott gilt kein Werk, denn Christi Selbsteigene Werke; die musst du lassen für dich gegen Gott handeln und du kein ander Werk vor Ihm tun, denn solches glauben, dass Christus seine Werke für dich tue und setze gegen Gott, auf dass also dein Glaube lauter bleibe, Nichts tue, denn stille halte, lasse ihm wohltun und empfange Christi Werk, und lasse Christum seine Liebe an ihm üben. Du musst blind, lahm, taub, tot, aussätzig und lahm sein, Oder wirst dich an Christo ärgern. Das Evangelium leugt dir nicht, das Christum nur unter solchen Dürftigen lasst sehen und wohl tun. Siehe, das heißt Christum recht erkennen und aufnehmen, das heißt recht christlich glauben. Gott fordert von uns kein Werk an Ihm zu tun, denn allein den Glauben an Christum; daran hat Er genug. Damit geben wir Ihm seine Ehre, als Dem, der gnädig, barmherzig, weise, gut, wahrhaftig ist.

Darnach denke nicht mehr, als: tue deinem Nächsten, wie dir Christus getan hat, und lass alle deine Werke mit ganzem Leben auf deinen Nächsten gerichtet sein. Suche, wo Arme, Kranke und allerlei Gebrechliche sind, denen hilf, da lass deines Lebens Übung stehen, dass sie deiner genießen, wer dein darf, so viel du vermagst, mit Leib, Gut und Ehre, und wisse, dass Gott dienen ist nichts anders, denn deinem Nächsten dienen und mit Liebe wohl tun, es sei Kind, Weib, Knecht, Feind, Freund, ohne allen Unterschied, wer dein bedarf, an Leib und Seele, und wo du helfen kannst, leiblich und geistlich; das ist Gottesdienst und gute Werke.-

Ach Herr Gott! wie gehen wir Narren in der Welt und lassen solche Werke nach, und sind doch an allen Enden überflüssig, an denen wir sie üben könnten; Niemand sucht, noch dringet sich dran. Und ob wir wohl sehen, hören, greifen und bekennen müssen, dass christlich Leben sei der Glaube zu Gott und die Wohltat oder Liebe zu dem dürftigen Nächsten, dennoch will's nirgend tun. Dieser hanget an seinem Gottesdienst und eigenen Werken, der andere scharret allein zu sich und hilft Niemand. Auch die, so diese Lehre des lauteren Glaubens gern hören und verstehen, greifen's doch nicht an, dem Nächsten zu dienen, gerade als wollten sie durch den Glauben selig werden ohne Werke, sehen nicht, dass ihr Glaube nicht Glaube, sondern ein Schein vom Glaube ist. Gleichwie ein Bild im Spiegel ist nicht das Angesicht, sondern ein Schein davon, wie St. Jakobus (1, 22 - 24) gar fein von demselben schreibt und spricht: Seid Täter des Worts und nicht Hörer allein, damit ihr euch selbst betrüget. Denn so Jemand ein Hörer ist des Worts und nicht ein Täter, der ist gleich einem Manne, der sein Angesicht schauet im Spiegel, denn nachdem er sich beschauet hat, geht er von Stund an davon, und vergisst, wie er gestaltet war. Also sehen diese in sich selbst wohl ein Bild des rechten Glaubens, wenn sie es hören oder reden; aber sobald das Hören oder Reden aus ist, gehen sie mit andern Sachen um und tun nicht danach. Damit vergessen sie es immerhin der Frucht des Glaubens, der christlichen Liebe. Darum siehe auf dein Leben; findest du dich nicht auch, wie Christum das Evangelium weist, unter den Dürftigen und Armen, so wisse, dass dein Glaube noch nicht rechtschaffen ist und du gewiss Christi Wohltat und Werk an dir noch nicht geschmeckt hast. (Martin Luther)


„Selig“, spricht Christi eigener Mund, „selig ist, wer sich nicht ärgert an mir!“ Ja selig! Aber niemand hat sie erfahren, niemand hat sie geschmeckt, diese Seligkeit, wenn sie nicht aufgegangen ist als ein Licht im Dunkeln, als die Botschaft der Errettung, erleuchtend die Nacht des Seelengefängnisses peinigender Zweifel: „Bist du Christus?“ erleuchtend das Dunkel schmachtender Sehnsucht: „HErr wie lange, wie lange! meine Seele wartet, meine Seele harrt auf Dich.“ Ein frommer, viel versuchter Christ des vorigen Jahrhunderts hat den Ausspruch getan: er achte den Glauben keines Strohhalmes wert, der nie durch Zweifel angefochten worden. So groß und alles Denken übersteigend ist die Tatsache unseres Christenglaubens: „Er ist gekommen!“ Die ewige Herrlichkeit Gottes hat sich gesenkt in das Fleisch des Menschen und die Menschheit ist genesen; Einer hat gebüßt als Gottes Lamm und der ganzen Welt Sünde ist gesühnt. So himmelgroß ist dieser Glaube, dass der nie durchdacht hat, was er glaubt, dessen Glaube ohne Anfechtung und Gefahr des Ärgernisses an Christo geblieben ist. Der seligmachende Glaube geht auf, wie ein Licht am Abend unsres Erdenhoffens, wie Morgenschein in sternenloser Nacht. HErr, schenke uns solchen Glauben! Amen. (Gerhard von Zezschwitz)


Von dem HErrn Jesu wird niemals in der Bibel gesagt, dass Er sich an etwas geärgert habe, ob Er gleich viel Böses unter den Menschen gesehen und gehört hat: denn nur derjenige ärgert sich, dessen Glaube, oder Liebe, oder Hoffnung durch dasjenige, was er sieht oder hört, geschwächt, oder der durch das Gehörte und Gesehene in die Gottlosigkeit, worin er schon steckt, noch weiter hineingetrieben wird. Wer aber das Böse, das er sieht und hört, in dem göttlichen Licht weislich beurteilen, und Gottes Zulassung dabei preisen kann, ärgert sich nicht; wer aber in der Finsternis wandelt, stößt oder ärgert sich leicht, ja er ärgert sich an Vielem, das heilig und gut ist. Es ist wunderbar, dass sich Viele auch an dem HErrn Jesu, der das sichtbare Bild des unsichtbaren Gottes war, geärgert haben, so lange Er auf Erden war, und Er deswegen denjenigen selig gepriesen, der sich damals nicht an Ihm ärgerte. Es hat aber schon Jesaias Kap. 8,14.15. und Kap. 52,14. 53,23.3.4 von diesem Ärgernis geweissagt. Man ärgerte sich an Jesu wegen Seiner armen Mutter und Anverwandten, wegen Seines unansehnlichen Aufzuges, wegen Seiner Lehre, in welcher Er von Gott als Seinem Vater redete, und unter Anderem auch sagte: was zum Munde eingehe, verunreinige den Menschen nicht. Auch ärgerte man sich an Seiner Leutseligkeit, nach welcher Er mit den Leuten aß und trank, und insonderheit Sich zu Zöllnern und Sündern freundlich neigte, und nannte Ihn deswegen einen Fresser und Weinsäufer, einen Zöllner- und Sündergesellen. Man ärgerte sich auch, weil Er den Sabbath nicht auf eine so abgeschmackte und übertriebene Weise hielt, wie die Juden nach der Anleitung ihrer blinden Lehrer zu tun gewohnt waren, und z.B. an demselben Kranke gesund machte. Vielleicht ärgerten sich auch Einige daran, dass Er dem Täufer Johannes nicht durch ein Wunder aus dem Gefängnis half. Man ärgerte sich auch an dem geringen Stand Seiner Anhänger; am allermeisten aber an Seinem letzten Leiden, und an Seinem Kreuzestod. Die Ursache dieses Ärgernisses war diese, dass die Juden sich von dem Messias und von der Heiligkeit falsche Begriffe gemacht hatten, und lieber Jesum und Seine Lehre und Werke verwarfen, als dass sie von ihren eigenen Vorstellungen etwas abgegeben hätten. Heut zu Tage ist unter den Christen das Ärgernis an der Vorsehung Gotte, und an Seinen Kindern sehr gemein. Der Weg, demselben zu entgehen, ist dieser: haltet euch nicht selbst für klug; bleibt immer Schüler der Weisheit, und redet nie, als ob ihr Meister wäret; Gott ist allein weise, Alles, was Er tut, das ist recht; lasst euren Augen Seine Wege wohlgefallen; wandelt im Licht und in der Liebe; seht auf euch selbst, und zieht die Balken aus euren Augen; richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Kein Licht auf der Erde ist ohne Schatten, keine Heiligkeit ohne Mängel. Auch sind mancherlei geistliche Stufen und Gaben, und der HErr führt Seine Heiligen wunderlich. Endlich wird ein Jeder für sich selbst Rechenschaft geben müssen. Auch du, der du immer richtest, und dich ärgerst, und nirgends keine frommen Leute nach deiner Vorstellung finden kannst, wirst endlich Rechenschaft geben müssen, warum du nicht fromm, ja nicht frömmer als Andere, die du richtest, worden seiest. (Magnus Friedrich Roos)


Selig ist, der sich nicht an mir ärgert.
So sagt der Heiland und allerdings ist er, der König des Reiches, hauptsächlich der Stein des Anstoßes und der Fels des Ärgernisses. So gings den Juden, so den Jüngern Johannis. Sie erwarteten einen Messias nach ihrer Art, aber dieser Eigenschaft entsprach Christus nicht. Er war ein Zimmermann, ein gemeiner Mensch und Lehrer; Johannes hatte von ihm gezeugt, er sei nicht wert, ihm die Schuhriemen aufzulösen und er ließ sich selbst zu den niedrigsten Diensten herunter. Die Juden hätten es gern gehabt, wenn er auch ein wenig Majestät hätte blicken lassen, aber er ließ gar keine solche Majestät blicken. Er trug sich wie andere Leute, er wandelte still und ruhig, er hatte nichts unterscheidendes in seiner Kleidung, wie Johannes, der Täufer; er jagte keinen Römer, gar Niemanden zum Lande hinaus, er ging dem Getümmel des Volks aus dem Weg, das ihn zum König machen wollte, außer wo es etwas zu helfen gab und wo es die Ehre des Vaters galt, kurz er war nicht der Mann des Volks, wie ihn die Juden erwartet hatten. Zu diesem Allem kam ein entsetzliches Widersprechen von den Sündern, welches er wider sich erduldete, die Schriftgelehrten hießen ihn einen Zauberer, einen Teufel, einen Besessenen; ja es kam so weit, dass seine besten Freunde ihn verleugneten und frei bekannten: ich kenne des Menschen nicht; zuletzt henkten sie ihn wie den gemeinsten Mörder an den Kreuzesgalgen, an welchem er sich verblutete und starb. Aber selig sind, die sich nicht an ihm ärgern. Und wer des Geistes Sinn gefasst hat, wer sein eigenes Verderben im Licht der Wahrheit hat erkannt und den Heiland an seinem Herzen erfahren, der ärgert sich ja auch gewiss nicht, dem ist im Gegenteil nichts größer, nichts wichtiger, nichts interessanter, nichts lieblicher, nichts herzerquickender als seine tiefe Erniedrigung. Nicht das ist einem Solchen sein Höchstes, dass Christus regiert, denn dies ist seine Natur so, das gebührt ihm, sondern dass er um unsertwillen so gering, so niedrig, so schwach wurde, das ist ein besonderer Stoff des Lobens und Dankens in die ewigen Ewigkeiten. (Ludwig Hofacker)


Selig ist, der sich nicht an mir ärgert.
Ärgernis heißt etwas, das im Wege liegt, daran man sich stößt und darüber fällt. Solcher Ärgernisse ist die ganze Welt und dies ganze Leben voll. Jetzt stößt man sich da, jetzt fällt man dort; da muss man sich losreißen, dort mit großer Mühe arbeiten, dass man hindurch komme, und geht ohne Gefahr und Schaden nicht ab, wir müssen allenthalben Haare lassen, wie ein Schaf in der Dornhecke. Denn wer kann sich alles Ärgernisses erwehren? sonderlich weil wir dazu geneigt sind, und unser Fleisch, die Welt und der Satan so treulich dazu helfen. Da ist kein Wunder, dass wir über Ärgernis klagen müssen; ja man greift und sieht es, dass alles voll Ärgernis ist. Aber hier, da unser Herr Christus kommt mit seinem Wort und der fröhlichen Botschaft des Evangeliums, und beut Jedermann an Vergebung der Sünden und ewiges Leben, wer sollte es glauben, dass ein Mensch daran sich ärgern könnte? Uns dünkt, Jedermann sollte die Hände aufheben, Gott loben und danken für solche Wohltat, ich schweige, dass man sich noch sollte ärgern! Wohlan, wir lassen uns dünken, was wir wollen. Gleichwohl sagt Christus: Selig ist, der sich nicht an mir ärgert. (Veit Dietrich.)


Und selig ist, der sich nicht an Mir ärgert.
Johannes der Täufer trauert im Kerker. Mitten aus seinem glänzenden Wirkungskreise, aus den Scharen der heilsbegierigen Seelen, die seinem Worte lauschen, wird er hinausgerissen und zum Stillesein und Warten verurteilt. Das tut ihm wehe; das kann er nicht fassen. Er beginnt, an dem Meister irre zu werden, der Seinen treuesten Knecht nicht mit starker Hand aus Kerkersnacht herausreißt. Und doch ist das Tun des Herrn so gar herrlich und weise. Johannes soll vollendet werden. Wie der Herr Mosen auf die Höhe des Berges Nebo führt, um ihn das verheißene Land, das sein Fuß nicht betreten darf, wenigstens von Ferne schauen zu lassen, so soll das heilige Bild Jesu, das Johannes leiblich nicht mehr schauen darf, ihm innerlich in seiner Herrlichkeit verklärt werden. Wie in der Himmelfahrt der Heiland Seine sichtbare, persönliche Gemeinschaft den Jüngern entziehen muss, damit der Heilige Geist sie zum vollen Glauben an Ihn führen könne, so muss auch hier der Herr Sich Seinem Propheten äußerlich entziehen, um Sich ihm innerlich offenbaren zu können. Bis jetzt hat der Jünger dem Meister die Bahn gebrochen; jetzt will der Herr Sich in dem Herzen Seines Jüngers Bahn brechen. Es hat wohl Mancher schon auf lichten Höhen gestanden, aber die Hand des Herrn hat ihn von da in das tiefe Tal der Niedrigkeit hinabgeführt; „Selig, wer sich nicht an Mir ärgert.“ Mancher hat einst Tage des Wohlstandes gekannt, jetzt steht er in Armut und Entbehrung; es war ein reicher Kreis der Lieben, der sich um ihn zusammenschloss: der Tod hat ihn zerrissen; Alle, die er so innig liebte, sie ruhen im kühlen Schoße der Erde; er dünkte sich einsam und verlassen; er stand in einem gesegneten Wirkungskreise, und Gott der Herr riss ihn heraus in der Blüte seiner Jahre, und legte ihn auf das Kranken- und Schmerzenslager. Und warum tat der Herr also? Er wusste es wohl, wie viel Er dem Menschen nehmen musste, um Raum zu finden, die besten Gaben in seinem Herzen niederzulegen. Alle Seine Kinder müssen lernen, den untersten Weg lieb gewinnen; das ist ihre Ähnlichkeit mit dem Meister, dass sie in Seine Knechtsgestalt eingekleidet werden, weil Er sie so am besten vollenden kann. Dafür, dass sie Ihm anhangen, haben sie von der Welt keinen besonderen Lohn zu erwarten; nur von Wenigen werden sie verstanden und gewürdigt, die Menge achtet sie gering. Der Herr selbst lässt sie gering bleiben; Er gibt ihnen keine besonderen Gaben; keine guten und bequemen Tage; ihr Pfad führt sie über spitze Dornen, durch schreckliche Wüsten; auch sie müssen oft arbeiten, ohne den Erfolg ihres Wirkens zu sehen; das Beste, was sie tun, kommt nicht an das Tageslicht, und wie Johannes im Kerker, so müssen auch sie ihren Herrn in der Dunkelheit preisen, im stillen Kämmerlein vor Ihm im Staube liegen, müssen Tag und Nacht gegen ihre Sünden zu Felde liegen, die Gedanken ihres Herzens überwachen, ihre Worte behüten, müssen bemüht sein, in Allem gut, in Allem treu erfunden zu werden, und Niemand sieht, Niemand hört es, Niemand lohnt es - Niemand, als der Eine treue himmlische Freund, der sie in der Demütigung läutert, und für Himmels-Seligkeiten geschickt macht; o, meine Seele, halte Ihm stille, lass Ihn gewähren - halte du nur an Ihm fest, und Er wird dich ewig nicht verlassen! (Julius Müllensiefen)


Selig ist, der sich nicht an mir ärgert.
Unser Herr spricht so im Blick auf die äußere Gestalt seines Auftretens, auf die Unscheinbarkeit seines Reiches. Johannes der Täufer war in Gefahr an Jesu sich zu ärgern, in seinem Glauben an ihn irre zu werden, weil er die fleischlichen Hoffnungen, welche er im Herzen trug, in Christo nicht erfüllt sah, weil der Gang des Reiches Gottes ihm ein zu langsamer dünkte. Die Gefahr des Ärgernisses an Christo ist allezeit vorhanden. Denn er hat keine Gestalt noch Schöne und sein Reich auf Erden auch nicht. Seine Wunderwerke, an welchen man inne werden kann, dass er lebet und herrschet, geschehen zwar immerfort, wenn auch nicht leiblich, so doch geistlich: es werden Blinde sehend, Lahme gehend, Aussätzige rein und Tote stehen auf. Aber das alles genügt uns so oft nicht. Wir sehen daneben, wie die große Menge von ihm nichts wissen will, wie sich Tausende von ihm abkehren und statt des Glaubens Hohn und Spott für ihn haben, wie da und dort die Bosheit und Feindschaft gegen Christum und seine Gläubigen ihre Siege feiert, da kommen uns solche Gedanken ins Herz: ist denn kein Gott im Himmel, ist denn kein Christus da, der hervorbreche und die Gewalt seines Armes an seinen Widersachern offenbare? warum muss die Kirche Christi die Gestalt einer armen Magd tragen, während sie doch die Braut des zur Rechten der Majestät erhöhten Jesus ist? Wir möchten, dass Christus auch etwas an sich trage, was der Welt wohl gefällt und ihren Beifall hat, wir möchten, dass er mehr die große Menge unter sein Zepter zwinge, und weil dies nicht geschieht, so kommen Zweifel und Anfechtung über unsern Glauben. Aber wahrlich, wir haben gar keinen Grund zu solchem Ärgernis, denn erstlich steht das Reich Christi unter der gleichen Regel, unter welcher Christus selbst stand: „durch Leiden zur Herrlichkeit“, und sodann füllt der Herr doch immerfort seinen Himmel und baut sein ewiges Reich in diese widerstrebende Welt hinein, trog unserer Kurzsichtigkeit. So wollen wir an ihm in lebendigem getrostem Glauben festhalten und von ihm nicht wanken noch weichen und mit seiner armen Gestalt zufrieden sein, der Zeit wartend, wo er seine Herrlichkeit uns und aller Welt offenbaren wird. (unbekannt)

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