Psalm 3,8
Andachten
Auf, Herr, und hilf mir, mein Gott.
Beim Anfang des neuen Jahres muss der Herr sich aufmachen und uns helfen. Darum rufen wir: Hosianna! Herr, hilf doch! Hilf mir, dir allein vertrauen. Das heilige Gotteswort sagt so herzlich zu uns: „Befiehl dem Herrn deine Wege“, und im Liede singen wir so getrost: „Sorge Vater, sorge du, sorge für das deine.“ Aber dass das Vertrauen auf unsern himmlischen Vater so recht in der Tiefe des Herzens wohnt, dass wir alles gering achten, und nur der Herr unsre Zuversicht ist im Leben und Sterben, dazu gehört die Kraft des Heiligen Geistes, der unser Herz regiert und bewegt. Darum wenn's in die dunkle Zukunft hineingeht: „Hosianna! Herr, hilf mir, dir allein vertrauen! Und weiter geht unsre Bitte, und wir rufen: „Hilf mir immer vorwärts schauen.“ Ja, wir schauen wohl vorwärts, aber wie weit? Wir sehen nach vorne, quälen und mühen uns ab um die kommenden Tage, wie wir das Leben und Arbeiten wohl ausrichten, wie wir für unsre kleinen Dinge tüchtig sorgen mögen. Aber es handelt sich bei unserm Christenleben um einen viel weiteren Blick bis zu dem Herzen Gottes hin, bis über den langen Lauf der Zeiten hinweg, bis in die Ewigkeit hinein. - Dorthin sollen wir schauen, wo die Sterne Gottes stehen, die alle unsre Nacht durchleuchten. Wer so weit sehen kann, der betrachtet auch die kleinen Dinge des irdischen Lebens ganz neu und in ganz anderer Gestalt. Darum bitten wir heute: Hosianna, hilf mir, immer vorwärts schauen. endlich bitten wir und rufen: „Hosianna, hilf mir, dir ein Häuslein bauen.“ Die Arbeit, die wir auch im neuen Jahr zu vollbringen haben, soll die sein, dass wir in unserm Herzen dem Herrn Jesu eine Hütte bauen, wo er gerne wohnen mag, und wo er auch bleiben mag. Ist's auch einfach und arm in unserm Herzenshause, wenn er nur treuen Glauben und herzliche Liebe findet, da bleibt er gern. Des Christen kindlicher Wunsch soll der sein: In meinem Herzen soll Niemand wohnen, als Jesus allein. Darum, Hosianna, hilf mir, dir ein Häuslein bauen!
Lasst uns beten: Dir bringen wir unsern Dank in dieser Morgenstunde, Du treuer Herr und Gott, dass Du in der vergangenen Nacht über uns gewacht hast, und rufen zu Dir um Hilfe für den heutigen Tag und für unsre ganze Lebenszeit. Hilf Du uns, dass wir es lernen, allein auf Dich zu vertrauen und alle Sorge Dir zu schenken; hilf uns auch dazu, dass wir über die kleinen Dinge unsres Erdenlebens hinwegsehen und uns das Auge stärken lassen, damit wir über alle Berge zu Dir hinschauen und auf Deinen seligen Trost warten dürfen. Hilf uns endlich auch, dass wir in Glaube und Liebe Dir eine Hütte in unserm Herzen aufrichten. Wohne Du in uns mit Deinem Heiligen Geist, regiere Du in uns durch Gnade und Vergebung und pflanze Dein Kreuz in unser Leben hinein. So wollen wir Dein eigen sein und Dich nicht aus dem Herzen lassen. Amen. (Wilhelm Hunzinger)