Epheser 2,3
Andachten
Wir haben auch alle weiland unsern Wandel gehabt in den Lüsten unseres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Vernunft.
Fleischeslust, ach, das ist es ja, wonach die Welt vorzüglich hascht; das sucht sie ja mit all den Anstalten, die sie trifft, das sucht sie ja mit allem Rennen und Jagen, mit ihren Lustgelagen, mit ihren Partien, mit all ihren Eitelkeiten, das sucht sie Jahr aus Jahr ein, Tag und Nacht, und wird nimmer satt, und kann zu keinem Genüge kommen; denn das elende Fleisch und sein Gelüste soll seine Nahrung finden; dem Fleische muss auf feine oder grobe Weise geschmeichelt werden. Doch ihr wisst alle, was darunter verstanden ist, ihr wisst, dass darunter Alles begriffen ist, was die Gelüste oder Gelüstlein des Fleisches kitzelt, habe es nun Namen, welche es wolle; und wahrlich, unsere sinnliche Zeit hat es weit darin gebracht, immer wieder neue Arten der Fleischeslust zu schaffen, immer schönere Namen ihr zu geben. Es fragt sich nur darum, ob wir davon los sind, ob wir nicht in feinerer oder gröberer Knechtschaft des Fleisches gefangen liegen, ob wir Überwinder sind? Ach, mein Gott! wie manche Seele möchte hier gegenwärtig sein, die eine Gebundene der Welt ist, wie Mancher, dem sein Bauch mehr oder weniger sein Gott ist.
O ihr armen Geister, die ihr der Fleischeslust dient, feiner oder gröber, seht Jesum an, seht, was eure Sünde angerichtet hat, wie ihm sein Fleisch gegeißelt und gezüchtigt, sein heiliger Leib zerrissen und verwundet, das ganze Gericht der Sünde an ihm hinausgeführt wurde. Ihr lebt mit der Welt in Lust und Freude, und er musste in Todesqual sich verzehren. Ach, welche Schuld ladet ihr auf euch, wenn ihr Jesum mit euren Wollüsten täglich noch kreuzigt! Welche schreckliche Saat wird aufgehen in der Ewigkeit, wenn es an euch wahr wird, dass, „wer auf das Fleisch sät, vom Fleische das Verderben erntet!“ (Ludwig Hofacker)
Wir waren auch Kinder des Zorns von Natur, gleichwie auch die anderen. Aber Gott, der da reich ist von Barmherzigkeit, durch seine große Liebe, damit er uns geliebt hat, da wir tot waren in den Sünden, hat er uns samt Christo lebendig gemacht.
Gott hätte das vollkommenste Recht dazu gehabt, uns untreue, abtrünnige Geschöpfe auf immer von seinem heiligen Angesichte zu entfernen: denn wie hässlich müssen wir in Gottes Augen sein, wir sündige, verdorbene Geschöpfe in den Augen dessen, der lauter Licht ist und in dem keine Finsternis wohnt; der der allein Selige, allein Gewaltige, der Unvergängliche und allein Weise ist; vor dem die Seraphinen unaufhörlich lobpreisen und rufen: Heilig, heilig, heilig ist unser Gott, der HErr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Ja, wenn er, der Allmächtige, uns nur einen einzigen Gnadenblick gönnen wollte, müssten wir nicht dadurch in unserem innersten Herzensgrunde beschämt werden, müssten wir nicht mit David ausrufen: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst und des Menschen Kind, dass du dich sein annimmst? Ja, in der Tat groß wäre schon die Gnade, wenn er uns eines einzigen Blickes würdigen wollte! Nun aber hat er keinen Ekel an uns gefasst, hat uns nicht verstoßen in die ewige Finsternis, da wir es doch verdient hätten, nein, nur Barmherzigkeit und Gnade hat er vorwalten lassen; durch die ganze Zeit des alten Bundes herauf hat er sich mit rührender Geduld und Treue der törichten und blinden Menschen angenommen, hat sich zu ihrer Schwachheit herabgelassen, hat sie im Elende getröstet, im Leiden erquickt, hat sie väterlich und mehr als väterlich gezüchtigt und gestraft und unaussprechliche Mühe mit ihnen gehabt. Alle Schriften des alten Bundes zeugen von dieser Herablassung des ewigen Gottes zu den sündigen Menschen. Das war ihm aber noch nicht genug. Als die Zeit erfüllt war, hat er seinen Sohn, seinen eingebornen Sohn, das Liebste, das er hatte, den Abglanz seiner Herrlichkeit, das Ebenbild seines Wesens herniedergesandt in der Gestalt sündlichen Fleisches, hat ihn in unsere Menschheit eingepflanzt, hat ihn allen leiden und Mühseligkeiten dieses Lebens ausgesetzt, hat ihn zuletzt erwürgen und am Kreuze verschmachten lassen, damit wir elende, an Leib und Seele zu Grund gerichtete, unter dem Fluch liegende Geschöpfe erlöst würden von der Knechtschaft der Sünde, des Todes, des Teufels und der Hölle.! (Ludwig Hofacker)