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Psalm 121,1

Psalm 121,1

Andachten

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt. Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.
Hochgelobter Heiland! Du ließest Dich heute einen Jesum nennen und versprachst damit Dein Volk selig zu machen von ihren Sünden. Herr, Dir sei Dank, dass Du diesen Deinen heilsvollen Namen auch das vergangene Jahr an uns bewiesen hast. Sei nun auch ferner unser lebendiger Jesus, unser Heiland in der Tat und Wahrheit. Erlöse uns vor allen Dingen von unsern Sünden, als dem ärgsten und gefährlichsten Schaden. Siehe, unser Herz sehnet sich nach Deiner neuen Schöpfung, darin Du Alles neu machen willst. so schaffe in uns einen neuen, gewissen Geist, damit das Alte alles vergehe, das uns geplagt und beunruhigt, auch Dich an Deinem Segen gehindert hat. Erneure mit diesem Wechsel des Jahres Dein Gedächtnis in uns, dass Du nun von neuem uns vor Augen gemalt werdest durch den Glauben, den Gott selber wirket. Werde uns, was Dein Name mit sich bringet, lauter Heil und Seligkeit. Schenke uns zum neuen Jahre neue Gerechtigkeit, neue Heiligkeit, neue Weisheit, neue Erlösung. Lass uns mit ganz neuem Sinn und Ernst dieses Jahr anfangen, und nicht in dem alten Sauerteig der Sünden und bösen Gewohnheiten. Ach, dass wir nun Alle ein Herz erflehten, dass Dich kindlich fürchtete, herzlich liebte, brünstig anriefe und treulich kämpfte! Werde uns Alles in Allem, denn in Dir liegt Alles, was wir bedürfen, du allerkostbarste Neujahrsgabe. Werde unserer Obrigkeit das rechte Gesetzbuch in Deinem heiligen Namen, der da ist Gottes Wort; sei ihr gerades Zepter, dass Dein Wille nur durch sie geschehe, und ihr Schirm und Schutz, Lohn und Kron. Sei Du allen Lehrern das wahrhaftige Licht, das allen Menschen vorleuchte, und die Irrigen zurechtweise, die Unwissenden lehre, die Schwachen stärke, die Traurigen tröste. Allen Gemeinden werde mit Deinem heiligen Namen ein Tempel, darein sie in Einigkeit des Geistes versammelt werden zur gemeinsamen Besserung. Dein Name sei und bleibe der Armen Schatz, der Kranken Heilung, der Elenden Zuflucht, der Verlassenen Rat und Trost, der Witwen Versorger, der Waisen Vater, ja Allen Alles. Denn Du kannst uns im Tode erwecken und in Schwachheit neue Kraft geben, den Zorn in Liebe und den Fluch in Segen verwandeln. Ja, lehre Du uns selbst Dein Wohlgefallen, und ohne Dich lass uns nichts reden, tun oder denken. Wir empfehlen uns Dir ganz und gar mit Allem, was wir sind und haben, auf ewig. Amen. (Friedrich Arndt)


Glück zum neuen Jahre! Glück zum neuen Jahr! - So tönt's in diesen Tagen durch die Reihen der Menschenkinder. Wir stehen gleichsam auf einem hohen Berg und möchten in die Ferne spähen, dahin wir ziehen sollen. Aber dichter Nebel bedeckt Täler und Höhen und unser Auge kann nicht durchdringen. Und doch möchten wir so gerne sehen. Ach, was wogt nicht alles von Furcht und Hoffnung, von Angst und Sehnsucht in der Seele auf und nieder! Thronen und Herrschaften hofft dieser zu erlangen, jener arme Tagelöhner wäre überglücklich, wenn er im Lauf dieses Jahres so weit käme, seinen milchlustigen Kindern eine Ziege anzuschaffen; der Astronom dort gedenkt neue Sternwelten zu entdecken; dieser Schwindsüchtige zweifelt nicht, dass ihm das neue Jahr ein unfehlbares Heilmittel bringt; auf das Steigen seiner Aktien hofft der Fünfte, auf eine Erbschaft der Sechste usw. Und, so verschieden die Hoffnungen der Menschen sind, so verschieden ist auch ihre Furcht. Ja, Mancher schaut im Blick auf seine leere Kasse und die schlechten Geschäfte, auf seine Familienverhältnisse, auf seine eigene hinschwindende Gesundheit und dergleichen, - gar trüb ins neue Jahr hinein und fragt: Wo will's hinaus? Wie will das werden?

Aber was hilft alles Fragen, Klagen, Zagen? Was hilft alles Ausschauen und ob man sich die Augen ausschaut? Darum senkt sich der Nebel doch nicht. Es ist eine Erfahrung, die Jeder gemacht hat, der nicht gedankenlos seine Straße zog, dass wir fast nie nach unserer Kalkulation durchs Leben kommen, wie fein wir auch spekuliert und kalkuliert haben mochten, ja dass wir selbst dann „unsern Willen“ nicht hatten, wenn's nach unserm Willen ging. So werden auch in diesem Jahre die Dinge hart wider all deinen Verstand, Rat, Willen und Weisheit anlaufen.

„Aber das wäre doch schrecklich, so ins Finstere hineinzutappen und der Spielball unberechenbarer und unbekannter Gewalten zu sein!“ Freilich, zum Verzweifeln wäre es, und zwar am meisten für Den, der am ernstesten und am sinnigsten ist; zum Verzweifeln wäre es, ist es und bleibt es auch, bis der Ausblick zum Aufblick wird, bis wir von den Dingen, die unten sind, zu dem, was droben ist, uns hinkehren und mit dem Psalmisten sprechen lernen: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.“

Wir wissen, dass die frommen Israeliten vor Christo, wenn sie dieses Lied sangen, zunächst an die Berge dachten, darauf Jerusalem, die Gottesstadt und Gotteswohnung, gegründet war. Wir Kinder des neuen Bundes schwingen uns bei solchem Gebet höher hinauf, dahin, wo im innersten Himmelsheiligtum unser Gott, der in Christo Jesu unser Vater ist, wohnt. Wohl Dem, der versteht, was das sagen will, der es aus eigener seliger Erfahrung weiß, dass über den Wolken ein Vaterherz für ihn schlägt, welches eitel Liebe und Erbarmung ist, und dass dieser Vater es ist, dem Reich, Kraft und Herrlichkeit gehören und der alle Wege seiner Kinder, mögen sie nun durch finstere Tiefen oder über sonnenbeleuchtete Höhen führen, also wendet und regiert, dass ihre wahre innere und äußere Vollendung und Verherrlichung dadurch erzielt werde. Wohl Dem, der mit solchem Sinn aus den Tiefen der Sorge und aus dem Lust- und Leid-Gewirre der eigenen Gedanken heraus in die Höhe schaut, der wird sich die Frage: „Woher kommt mir Hilfe?“ getrost beantworten können: „Meine Hilfe kommt von dem Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat, ja der mir seinen einigen Sohn zum Bruder gesetzt und mich zum ewigen Leben erlöst hat.“ - Und bei solcher Antwort wird's dann weit und licht und frei im Herzensgrund. Wohl hast du auch jetzt mitnichten eine Garantie, dass du auf glatten Wegen und zwischen Rosengärten wandeln wirst, Eins aber weißt du, dass die ewige Liebe Alles regiert, dass nicht über Vermögen deine Anfechtungen, wohl aber über all dein Verstehen und Begehren seine Gnade und seine Güte sein werden.

Ein wahrer Gottesmensch ist verzagter und mutiger wie andere Leute. Er ist verzagter, so lange er auf sich selbst und die Dinge hier unten schaut. Denn tiefer wie der Weltmensch hat er, vom Licht der Wahrheit erleuchtet, den Eitelkeits-Charakter und den Betrug der Dinge dieser Zeit erkannt, und was noch schmerzlicher ist, die Unzuverlässigkeit, Heuchelei und Unreinheit des eigenen Herzens. Darum kann er sich aus dem, was um ihn und in ihm ist, kein Herz fassen. Aber unbeugsam ist sein Mut und unerschütterlich, wenn er sein angstbeschwertes Herz aus dem Gewirr und Wogengebrause dieser Welt dahin rettet, wo alle Erdenstürme nicht hinreichen, wenn er den Anker seines Herzens demutsvoll und kindlich-gläubig in seines Gottes Herz einsenkt. Derselbe Psalmist, der so angstvoll ruft: „die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen gräulich,“ fährt alsobald, fast trotzig triumphierend fort: „Aber der Herr ist noch größer in der Höhe!“ Derselbe Moses, der ganz verzagt betet: „Herr, wenn dein Angesicht nicht mit uns zieht, so führe uns gar nicht von dannen herauf,“ schreitet dann mit aufgerichtetem Haupt in Wüstenei und Kampf, Sturm und Wetter, als sein Gott ihn getröstet hat: „Mein Angesicht soll mit dir ziehen, damit will ich dich leiten.“ Herzbeweglich klingt es, wenn Paulus wehklagt: „Ich elender Mensch, wer wird mich erlösen von dem Leib dieses Todes?“ Dennoch jubiliert er im Anblick eines Meeres von Schmerzen und Kämpfen: „Ich vermag Alles durch Den, der mich mächtig macht, Christus.“

„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe?“1) fragt der Psalmist voll Bangigkeit; und alsobald kann er sich selbst ermutigen: „Meine Hilfe kommt von dem Herrn.“

Und auch deine Hilfe, lieber Leser, wird kommen in jedem Kampf, zu jeder Stunde, an jedem Ort, wenn du das Augenaufheben recht üben, wenn du, so gut du's vermagst, fort und fort deine Seele aufwärts schwingen und den züchtigenden, erquickenden, erleuchtenden Strahlen der heiligen Gottessonne öffnen willst.

Dann, wenn wir also „nicht von der Welt“ sind, werden wir erst recht „in der Welt“ sein, so dass wir den irdischen Dingen ihr volles Recht geben und unsern Posten darin ganz und mit Freuden ausfüllen, und dennoch darüber erhaben sind, so dass wir von ihrem Lusttaumel nicht berauscht, von ihrem Ruin nicht begraben werden.

Mag denn auch das neue Jahr bringen was es will, für Den, der sein Herz in Gott heiligt, für Den, der sich selbst in seinem Gott sucht und findet, für den wird es dennoch eitel Leben bringen und ein „gnädiges Jahr des Herrn“ sein. Darum getrost, wer ihm angehören will, der soll sich freuen allewege und alle seine Sorgen und Ängste in den Abgrund seiner Liebe begraben. (O. Funcke)


Wenn der Blick des Psalmisten sich zu den Bergen wendet, so bewegt ihn eine Frage und er sagt uns, was ihn umtreibt. Er sucht die Hilfe. Darum sieht er hinaus in die weite Ferne und hinauf zu den höchsten Höhen, die seinem Blick erreichbar sind. Aber sein Blick bleibt nicht an den Gipfeln und Kämmen der Berge hängen, als könnte sich dort eine Heerschar zeigen, die Israels Schutz und Schirm wäre. Höher empor erhebt er das Auge und sucht nicht im irdischen Umkreis den Helfer. „Meine Hilfe kommt vom Herrn.“ Nur einer ist der Helfer, der, der den Himmel und die Erde gemacht hat. Nun hat aber seine bange Frage die Antwort und sein spähender Blick sein Ziel gefunden und er weiß, woher die Hilfe kommt, nicht nur vielleicht, nicht nur hoffentlich, sondern sie kommt von Gott, und sie kommt deshalb von ihm, weil der Himmel und die Erde sein Werk sind. Deshalb gibt es keine Not, die ihn ohnmächtig machte, keinen Feind, der ihn hindern könnte, und keine Schranke, die seine Güte einengte. Aus der Schöpferherrlichkeit Gottes folgt die Fülle seiner ewigen Gnade.
Ich mache es, wie der Psalmist es mir sagt, und sende meinen Blick in die Höhe, über alles Irdische und Menschliche empor, empor auch über alles, was die Natur mir zeigt, empor zu Dir, mein Schöpfer und mein Vollender. Amen. (Adolf Schlatter)

Predigten

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So heißts genauer, nach dem Grundtext
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