Psalm 84,6
Andachten
Wohl den Menschen, die Dich für ihre Stärke halten, und von Herzen Dir nachwandeln.
Es ist die Neigung des natürlichen Menschen, möglichst selbständig dazustehen, in eigener Kraft, unabhängig. In solcher Stellung gefällt und fühlt er sich, sie schmeichelt seinem Hochmut. Wird diese seine Selbständigkeit angetastet, so hält er es für ein Unglück. Gottes Ziel mit jedem Menschen ist, ihr in völlige Abhängigkeit von ihm zu bringen. Das kann aber nur geschehen durch Brechen solcher Selbständigkeit, die sündlich und gottlos ist. Zu diesem Zweck bringt Gott uns in Lagen in welchen eigene Weisheit, eigene Kraft und eigene Mittel nicht mehr ausreichen. Nun ist aber die große Frage, wie wir uns stellen, ob wir in solcher Notlage auf Kunstgriffe verfallen, das heißt auf Selbsthilfe und Menschenhilfe, oder ob wir uns demütigen und Hilfe bei dem Herrn suchen. Letzteres ist Gottes Gnadenwille, der aber leider von den meisten Menschen auch in der Not nicht verstanden wird. Es sind wenige, die sich gründlich demütigen, ihr Unvermögen erkennen und sich in die gottgewollte Stellung bringen lassen, den Herrn für ihre Stärke zu halten. Die Sünde verblendet den Menschen und diese Verblendung lässt ihn nicht erkennen, dass das die seligste Stellung ist, wenn wir im Herrn unsere Stärke haben. Nur mit dieser Stärke reichen wir allezeit aus, mit aller andern Kraft werden wir zu Schanden. Einem rechten Kind ist es keine Last, von den Eltern abhängig zu sein; es ist ihm genug, sich von den Eltern versorgt zu wissen. So ist es für einen gedemütigten Menschen ein seliger Stand, in allen Dingen sich vom Herrn abhängig zu wissen und erfahren zu dürfen, seine Kraft ist in unserer Schwachheit mächtig, er versorgt uns. In solcher abhängigen Stellung wird der Wandel sehr erleichtert; man kann nicht beliebig wandeln, sondern wandelt nach dem Vermögen, das Gott darreicht, und lässt sich von ihn den Weg weisen.
Ich danke Dir Herr, mein Gott! dass Du meine eigene Kraft gebrochen hast. Bringe mich in allen Dingen in völlige Abhängigkeit von Dir und lass Deine Gotteskraft an mir offenbar werden. Amen.(Elias Schrenk)
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten. Wohl dem, der sich auf dich verlässt.
Pries Moses das Volk Israel schon selig, dass sich der Herr ihrer in ihren Kriegen mit andern Völkern annahm und alle ihre äußern Feinde besiegte; wie viel mehr sollen wir uns und alle die selig preisen, die mit uns an Jesum glauben, ihn von ganzem Herzen lieben, seine beseligende Gnade und Liebe im Herzen tragen, von ihm Vergebung der Sünden, und Geist und Leben empfangen haben, ihm zu dienen in lebendiger Hoffnung des ewigen Lebens?! Ja, wohl dir, du Volk! das durch den Herrn selig wird, des Herr und Gott Jesus Christus ist: wohl dir, dass du ihn für deine Stärke hältst, dass du dich allein auf ihn verlässt, nur auf sein Verdienst und auf seine Gnade bauest. Er wird deiner Hilfe Schild und das Schwert deines Sieges sein; du wirst, wenn du von ganzem Herzen an ihm hängst, ihn mit ganzer Seele liebst, du wirst durch den Schild des lebendigen Glaubens an ihn alle feurigen Pfeile des Satans auslöschen; du wirst mit dem zweischneidigen Schwerte seines lebendigen Wortes alle deine Feinde der Seele schlagen, in allen Kriegen des Geistes siegen und die Krone des Lebens davon tragen. O wohl dir, Israel Gottes! wer ist dir gleich?! Wo ist ein Volk, das einen solchen König, ein solches Haupt, solche Rechte, solche Schätze und Reichtümer, solche Hoffnungen und Aussichten in die Ewigkeit hat?! Dein König ist bei dir, in dir, ist dein, und mit ihm Alles! (Johannes Evangelista Gossner)
Wohl den Menschen, deren Stärke in Dir ist; die in ihrem Herzen an die gebahnten Straßen denken.
Hast du dein Anliegen vor Gott ausgeschüttet und Ihn um Wegleitung gebeten, so versäume es nicht, still und gelassen auf Seine bestimmten und klaren Winke zu achten. Wir haben einen lebendigen Herrn, und Er hat uns lieb. Um uns aber erhören zu können, muss Gott nicht selten die Dinge ganz anders leiten, als es in unserem Sinne lag. Kurzsichtig ist auch der kluge Mensch; der Unverstand äußert sich oft darin, alles verstehen zu wollen. Da kann es gar leicht geschehen, dass wir uns zerarbeiten, eherne Riegel vorschieben und uns unnötige Schmerzen bereiten, während doch der Herr freundlich Seine Hand zur Hilfe ausgestreckt hat. Vielleicht hängt ein Schleier über deinem Gesicht im Blick auf deine jetzige Lage, du fühlst dich wie umschlossen und kannst nirgends hinaussehen. Was mag es schaden? Christus ordnet dein Leben, und Er steht über dem Staube, für Ihn gibt es keine Finsternis, kein Dunkel, und das ist genug für dich. Hauseltern, Väter, Mütter! denkt doch in eurem Herzen an die gebahnten Straßen, tragt dem Herrn euer Anliegen vor, suchet Sein Angesicht. Vorsteher, Lehrer, Hirten der Herde Jesu, haltet fest daran: In Gott ist unsere Kraft. Gehet auf die Knie und betet euch durch, der Herr wird gnädig darein sehen und sich lebensmächtig offenbaren. Haltet euch ganz und unbedingt an den Unsichtbaren, als ob ihr Ihn sähet. O, wisset es, Er ist ein Herr aller Reichtümer. Nicht nur das Zukünftige, auch das Gegenwärtige, nicht nur das Ewige, auch das Zeitliche gehört Ihm. (Markus Hauser)
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten, und von Herzen dir nachwandeln. Die durch das Jammertal gehen, und machen daselbst Brunnen. Und die Lehrer werden mit viel Segen geschmückt. Sie erhalten einen Sieg nach dem andern, dass man sehen muss, der rechte Gott sei zu Zion.
Wer seine Ausgaben richtig lösen will, dessen Stärke muss in Gott sein. Wer die Stärke in seiner Gesundheit, in seiner Willenskraft und in seinen Anlagen sucht, wer auf andere Menschen traut oder auf Ehre, Geld und Gut, kann schrecklich getäuscht werden, denn das sind Stäbe, die ihm unter den Händen brechen. Gott allein ist zuverlässig und neigt sich zum Menschen hernieder, dass auch der Schwache Kraft genug empfängt. Diese Kraft soll er gebrauchen zum Wandel in Gottes Wegen, ohne Zagen, ohne Missmut und von ganzem Herzen. Wer das tut, hat einen glücklichen Gang. Sein Weg führt zwar nicht immer durch grüne Aue, sondern oft durch ein enges Felsental, aber dem Frommen zeigt Gott Brunnquellen, dass auch die ödeste Strecke ihn nicht umkommen lässt.
Wessen Stärke in Gott ist, der erhält einen Sieg nach dem andern. Wie lieblich tönt das Wort: Sieg! Wie glücklich macht es den Streiter! Wie stärkt es den Mut gegen neue feindliche Anläufe! Ein einmaliger Sieg entscheidet freilich noch nicht für alle Zeiten; der alte Mensch ist zwar unter die Füße getreten, aber er sucht bald wieder Luft zu bekommen. Darum dauert der Kampf immer fort, aber wenn recht gekämpft wird, d. h. im Glauben an Christum, mit Lauterkeit und mit den rechten Waffen, dann folgt Sieg auf Sieg.
Merke auf das Wörtlein: sie erhalten einen Sieg nach dem andern. Trotz der Anstrengung des Kampfes haben nicht sie den Sieg errungen, sondern er ist ihnen geschenkt worden. Sie kämpfen ja in der Stärke ihres Gottes, das heißt, er kämpft in ihnen. Wenn dem aber so ist, warum gibt es denn so viel Niederlagen? Weil wir oft genug im Verborgenen mit der Sünde liebäugeln und nur ein Scheingefecht führen. Das bringt einen Bann auf uns. Ein lauteres Herz und ein klarer Wille muss erbeten sein. Von Gott Sieg um Sieg zu erhalten, macht das Herz fröhlich und bei aller Demut und wohlerkannten Schwachheit mutig. Wer einen solchen Sieger sieht, wird an ihm erkennen, dass er einen starken Gott hat, und glauben, dass sein Gott der rechte sei. Ich fürchte, unser viele geben von Gott ein schlechtes Zeugnis. machen wir ihm nicht fernerhin Schande! In seiner Kraft solls anders kommen.
Herr Zebaoth, sei du unsere Stärke. Gib uns in deiner Nachfolge Sieg um Sieg, dass manche es sehen und rühmen können: der rechte Gott sei zu Zion! Amen. (Rudolf Wenger)