Psalm 77,17
Andachten
Die Wasser sahen dich, Gott, die Wasser sahen dich und ängsteten sich, und die Tiefen tobten. Die dicken Wolken gossen Wasser, die Wolken donnerten und die Strahlen fuhren daher. Es donnerte im Himmel, deine Blitze leuchteten auf dem Erdboden: das Erdreich regte sich und bebte davon. Dein Weg war im Meer und dein Pfad in großen Wassern und man spürte doch deinen Fuß nicht. Du führtest dein Volk, wie eine Herde Schafe, durch Mose und Aaron.
Welch eine ergreifende Schilderung! Es ist, als ob man spürte, wie das Erdreich sich regt und erhebt. Herrliche Poesie, und doch mehr als das! Auch die Kreatur hat ein Verständnis für den Machtwillen ihres Schöpfers, sieht seine drohend ausgereckte Hand und merkt auf seinen Wink. Auch der Wind und die Wellen des Sees legten sich, als Jesus sprach: „Schweig' und verstumme!“ Ihm ist ja die ganze Kreatur untertan, und es wohnt in ihr ein ängstliches Harren nach der Freiheit der Kinder Gottes. Wohl uns, dass wir in Gewittern und Erdbeben nicht abhängig sind von bloßen Naturgewalten, sondern Gottes Hand darin schauen können. Er macht seine Engel zu Winden und seine Diener zu Feuerflammen. Es muss doch alles seinen Kindern dienen. Kein Hagelschlag soll verheeren und kein Nachtfrost vernichten, keine Welle ersäufen ohne den Allmächtigen, zu dem ich sprechen darf: Abba, lieber Vater! Er kann also auch Hilfe schaffen im gewaltigsten Gewitter, und wenn die Berge weichen und die Hügel hinfallen, so bleibt seine Gnade über denen, die ihn fürchten. Möchte niemand also verblendet sein, wie die Ägypter, die den Weg Gottes im Meere hätten sehen können und doch seine Fußstapfen nicht erkennen wollten. Wie verblendet sind auch die Kinder der heutigen Tage! Alle Mittelursachen vermögen sie zu erforschen, alle Ereignisse zu erklären, aber das, was allem Wert und Leben gibt, Gottes heiliges Walten, merken sie nicht.
Assaph erkennt nun, dass in Wolken, Donner und Blitz die Treue, die Macht und die Liebe Gottes offenbar worden ist. Sein Volk hat er geführt wie eine Herde Schafe. Die Schwächsten und Blödesten sind Zeugen der mächtigsten Rettung. Wer sich vertrauensvoll führen lässt, ohne über den dunklen Weg zu murren, schaut Wunder und erfährt eine ewige Erlösung.
Mächtiger und gnädiger Herr Jesus, der du Israel in der Wolken- und Feuersäule durchs Meer geleitet hast, lehre mich in jeder Not sprechen: Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an! Amen. (Rudolf Wenger)