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Römer 13,12

Römer 13,12

Andachten

Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen.
So ruft uns die Epistel am ersten Adventsonntage zu, und verkündigt uns damit die Adventszeit als eine Morgenzeit, den Adventsruf als einen Morgenruf. So ziemt es uns denn auch, sie als eine Morgenzeit zu feiern und zu benutzen; denn Morgenstunde hat Gold im Munde, und ist der Anbruch heilig, so ist der ganze Tag heilig; ist der Anfang des Kirchenjahres ein gesegneter, so wird auch das ganze Jahr ein gesegnetes sein. Was tut der Mensch aber am Morgen? Er wacht auf und steht auf. So wollen auch wir, wir morgen bis jetzt in Sicherheit und Sorglosigkeit, in Selbsttäuschung und Selbstverblendung geschlafen haben, oder nach der ersten Erweckung wieder schläfrig, nach der ersten Liebe wieder lau und matt geworden sein, aus unserm geistlichen Schlafe aufwachen, uns den Schlaf aus den Augen reiben, uns neu aufraffen und ermannen und aufstehen. Wenn Einer noch so schlaftrunken wäre und seine Augen noch so sehr mit Müdigkeit kämpften, sollte er nicht munter werden, wenn man ihm zuriefe: „Wache auf, stehe auf! Der Sohn des Königs, der Erbe seines Thrones ist gekommen; er steht vor deiner Tür! Er will bei dir einkehren! Er hat dir viel Geschenke mitgebracht! Er will dich aus aller deiner Not herausreißen! Er will alle deine Schulden bezahlen! Du sollst diese deine elende Hütte verlassen, er will dich mit sich nehmen in seine Stadt! Er will dich als seinen Bruder betrachten! Er will dich dereinst neben sich zu seiner Seite auf seinem Throne sitzen lassen!?“ Das aber ist es, was uns jeder Advent von Neuem verkündigt. - Was tut der Mensch ferner am Morgen, wenn er aufsteht? Er zieht sich an. So wollen auch wir anziehen die Kleider des Heils, anziehen den Herrn Jesum Christum; ablegen die Nachtkleider, die Werke der Finsternis, und anlegen die Waffen des Lichts. Denn Kleider machen Leute. Durch das Kleid Jesu Christi werden wir erst etwas zum Lobe seiner Herrlichkeit. Durch das Kleid Jesu Christi gewinnt Er erst in uns eine Gestalt, so dass Gott uns nicht mehr ansieht, wie wir sind, in unsern Sünden, sondern Christum in uns ansieht in der Fülle seiner Tugenden und Verdienste. - Was tut endlich der Mensch am Morgen, wenn er sich angezogen hat? Er geht an seine Arbeit und beginnt sein Tagewerk. So wollen auch wir ehrbarlich wandeln als am Tage, das Ehrenkleid Jesu Christi nicht wieder beflecken durch neue Sünden und Missetaten, und in unserm Reden, Tun und Lassen, in unserm Verhalten gegen Freund und Feind, unter Freuden und Leiden, im häuslichen und im öffentlichen Leben beweisen, dass wir Jünger Jesu sind. Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeigekommen. So lasst uns wirken die Werke des Herrn, so lange es Tag ist! (Friedrich Arndt)


Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen; darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts!
Wie steht es unter uns? Ist niemand da, von dem man sagen muss, dass er am hellen Tage des Heils noch schläft und träumt und darüber Stunde um Stunde seines Lebenstages verrinnen lässt und hinüberschläft in die Ewigkeit, um dort erst zu erwachen, wo es zu spät ist, noch sein Heil zu schaffen? Ach ich fürchte, die Menge der Schläfer ist größer in der Christenheit, als die meisten unter uns meinen wahrnehmen zu dürfen: in ungleich höherem Grade ist uns das Heil jetzt näher, als den Christen damals, da der Apostel Paulus den Römern schrieb. Die Zeichen der Zeit sind ernst, auf sie nicht achten, ist Unverstand und Torheit. Es gilt also, bei Zeiten sich zu scheiden von dem bösen Wesen der Welt, von ihrem ungöttlichen Tun, von ihrer oft verschuldeten Blindheit, und die Zeit auszukaufen, die uns noch zu Gebote steht, um das Lämpchen mit dem Öl des Glaubens zu versorgen und sich durch den eilenden Lauf der Jahre aus der Sicherheit wecken zu lassen!

Von der Welt haben wir nichts Gutes zu erwarten, darum wollen wir mit ihrem Wesen unverflochten bleiben und die Waffen des Lichts anlegen, für Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe, von reinem Herzen und gutem Gewissen und ungefärbtem Glauben. So kaufen wir die Zeit recht aus. Amen. (Justus Nikolaus Ripke)


Die Nacht ist vorgerückt, der Tag herangenaht. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Nacht nennt Paulus den gegenwärtigen Stand der Christenheit, und doch jubelt er in der Gnade, dankt für alles und verherrlicht Gott in allem. Dennoch heißt er unsere Gegenwart noch nicht Tag, sondern Nacht. Denn er denkt nicht nur an sich selbst und seinen eigenen Anteil an Gottes Liebe, auch nicht nur an die Christenheit und das, was sie durch Jesus geworden ist, sondern schaut auf die Menschheit mit ihrer Schuld und ihrem Jammer. Paulus blieb ihr Glied und rang mit ihrer Sünde und litt unter ihrem Jammer. Ist Gott, fragte er, nur der Juden Gott? Und er antwortete: Nein! Er ist auch der Gott der Völker. Die Christenheit darf ebenso wenig meinen, Gott sei nur ihr Gott. Er ist größer als unser Herz und die in unser Herz gelegte Gnade; er ist auch größer als die Christenheit, und das, was sie in ihrer Gemeinschaft erarbeitet und besitzt, reicht bei weitem nicht aus, um sichtbar zu machen, was Gott schaffen wird. Das wird erst dann offenbar, wenn Gott alles, was sein Werk ist, mit seiner Herrlichkeit erfüllt, und dies geschieht erst durch Christus in seinem künftigen Reich. Darum heißt Paulus unsere Gegenwart Nacht, aber nicht eine bleibende, unbewegliche, endlose, sondern eine weichende Nacht, die sich zum Tag hinbewegt. Die nächtliche Art unseres Lebens zeigt sich darin, dass es noch mit Gefahr verbunden ist. Wir bedürfen noch Waffen, und solange uns solche unentbehrlich sind, ist der Tag noch nicht da. Dieser verscheucht die Gefahr. Im Dunkeln leben zu müssen, ist deshalb gefährlich, weil es uns verleitet, die Werke der Finsternis zu tun, die lichtscheuen Werke, die die Heimlichkeit nötig haben, damit sie nicht als schändlich erwiesen seien, all das, was nur mit einem gefälschten Titel und unwahren Schein geschehen kann, alles, was seine boshafte und gottlose Art unter einem unechten Glanz versteckt. Dieser Glanz kann uns nur locken, solange es Nacht ist; fällt auf ihn das Licht, so ist die Verwerflichkeit dieser Werke offenbar. Christus ist aber nicht nur einst das Licht, das die Nacht beenden und den hellen Tag herbeiführen wird, sondern ist auch jetzt bei uns und durch ihn wird uns das Licht als unsere Waffe gegeben, die uns auch in der dunklen Welt unangreifbar macht und die Werke der Finsternis verscheucht.
Herr Gott, dein Tag ist uns verheißen, damit wir uns seiner freuen, auch wenn wir im finsteren Tal wandeln mitten im Getriebe dieser dunklen Welt. Sende uns, wenn wir uns im Finstern verirren, einen Strahl Deines Lichts, damit wir unser Antlitz dahin wenden, wo die Nacht vergangen ist und der Tag scheint. Amen. (Adolf Schlatter)


Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen; so lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Der Tag ist der Gnadenstand, die Sonne aber an diesem Tage ist Christus, denn ein geistlicher Tag muss eine geistliche Sonne haben. Die natürliche Sonne erleuchtet. Wo Christus und sein heiliges Evangelium angenommen wird, da erkennt man Gott in seiner Güte und Freundlichkeit. Die Erkenntnis entzündet und treibt das Gemüt zur Liebe Gottes. Man erkennt sich selbst in seiner Nichtigkeit; diese Erkenntnis lehrt uns das Irdische verschmähen. Die natürliche Sonne erwärmt. Wo Christus im Glauben erkannt wird, da erwärmt er das Herz mit seiner Liebe und mit süßem Trost. Von Natur ist das Herz kalt in der Liebe gegen Christus, kalt zum Guten; aber durch die Liebe Jesu wird es angezündet, warm und eifrig gemacht zu guten Werken. Paulus spricht, dass die Liebe Gottes ausgegossen sei in unser Herz durch den heiligen Geist. In Christo erkennen wir die Liebe Gottes gegen uns und schmecken sie nicht als ein Tröpflein sondern als einen Strom. Denn Gott hat in Christo sich selbst uns mitgeteilt mit allem, was er hat und vermag. Das tut die höchste Liebe. Dieser Strom ergießt sich durch den heiligen Geist in unsere Herzen. Wenn der heilige Geist zugleich mit unserm Geiste zeugt, d. h. wenn er uns durch unsere eigene Erfahrung überzeugt, dass wir Kinder Gottes sind. Wie nun ein Strom alles mit sich reißt, was er ergreift, so zieht uns die Liebe Jesu, wenn sie von uns empfunden wird, vom Bösen kräftig ab und reißt uns zum Guten, dass wir dem Bösen feind werden und das Gute mit Lust und Freude tun. - Die natürliche Sonne erfreut. Wo Jesus ist, da ist Freude. Er ist die einige Quelle aller wahren, lebendigen Freuden, und sein Brunnen hat Wasser die Fülle. Wo Jesus nicht ist, da mag das Herz nimmer froh sein auch in den süßesten Wollüsten; und wo Jesus ist, da muss das Herz immer froh sein auch im bittersten Kreuze. - Die natürliche Sonne macht das Erdreich fruchtbar. Wo Christus ist, da sind die Früchte des Geistes Christi: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit, Glaube, Sanftmut, Keuschheit. Der Geist Christi ist nimmer müßig in der Seele, sondern regt und treibt von einer Tugend zur andern. Unser Glaube ist keine tote Wissenschaft sondern eine lebendige Kraft, dadurch wir in Christum gepflanzt, aus Christo Saft und Kraft ziehen zu grünen, zu blühen und Frucht zu bringen in guten Werken. Wie die Sonne mit ihren Strahlen allen Kreaturen Gedeihen und Wachstum bringt, so bringt Christus durch sein Evangelium das geistliche und ewige Heil. (Heinrich Müller.)


Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen.
Die Stunde, da es Zeit ist, aufzustehen vom Schlaf, ist die Morgenstunde, wo der Morgenstern am Himmel steht und die Morgenröte den kommenden Tag verkündigt. In dieser Zeit leben wir, denn mit der Erscheinung des Heils wird es Tag auf Erden, und das Licht geht auf denen, die in Finsternis und Schatten des Todes sitzen. Und das ist nicht bloß bildlich zu verstehen, denn wie die Obrigkeit der Finsternis, die Sünde und der Tod nicht Bilder sind, sondern wahrhaftige, fühlbare Mächte des Verderbens, so ist auch das Licht, welches uns aufgegangen ist, kein Bild, sondern Gott selbst, das ewige wahre, geistliche Licht ist erschienen, erschienen als die heilsame Gnade; und wo diese Gnade einkehrt in die finstern Herzen, da wird es Licht, denn sie erkennen ihr Elend und verstehen ihren Beruf, sie kommen zu der Gemeinschaft Gottes und wandeln als die Kinder des Lichtes. Zwar es ist noch immer dunkel genug, und die Nacht wirft ihre dunklen Schatten weit und breit in das Land hinein, aber das kann man doch sagen, dass die Nacht im Weichen ist. Unser lieber Heiland wird wieder kund und offenbar Seinem Volke, und es fehlt nicht an Boten, die den Frieden verkündigen und den Gemeinden sagen: „Seht, da ist euer Gott“. Wir wollen Gott danken, dass es so ist, und wenn auch zu keiner Zeit der Unglaube und die Gotteslästerung so entschieden, so frech und unverhohlen hervorgetreten ist, wie zu dieser unserer Zeit, so soll uns doch das nicht bange machen, denn so wenig die Gottlosen die Sonne am Himmel auslöschen und den Tag zur Nacht machen können, eben so wenig wird es ihnen gelingen, Christum auszurotten und den Tag des Heils zunichte zu machen. Der Tag ist angebrochen, mit jeder Stunde kommt das Heil uns näher, bis die Zeit erscheinen wird, da es aus ist mit dem steten Wechsel von Furcht und Hoffnung, von Kampf und Erquickung, und die Erlösten des HErrn mit Jauchzen einziehen werden in Zion.

HErr, bewahre uns vor aller Schläfrigkeit und Sicherheit, und lass diese Zeit nicht ohne Segen an uns vorübergehen. Wir hören noch Dein Gnadenwort. Lass es uns zu Herzen dringen, dass wir Dich empfangen und aufnehmen, Dich unser Heil, und täglich wachsen und zunehmen im Glauben, Dir zu leben und Dein zu warten, bis Du wiederkommst in Deiner Herrlichkeit, und wir zu Dir eingehen dürfen zur ewigen Freude. Amen. (Hermann Haccius)


Lasst uns ablegen die Werke der Finsternis.
So lange wir im Schlafe liegen, haben das fleischliche Wesen und die weltlichen Lüste die ungestörte Herrschaft, und wir tun Werke der Finsternis. Sobald wir erwachen, erkennen wir diese Werke, fühlen einen Abscheu davor und geben den alten Menschen in den Tod. Aber es weiß auch ein jeder aus eigener Erfahrung, wie wenig er damit zustande gekommen ist, denn das ist nicht eine einmalige Handlung und sodann eine fertige Sache, sondern es ist das Werk und die Aufgabe unsers ganzen Lebens. Die Werke der Finsternis machen unser Kleid durch und durch befleckt, und je heller das Licht leuchtet, desto hässlicher werden die Flecken uns erscheinen, und wir werden uns schämen, in solchem Kleide den Heiland zu empfangen. So lange wir uns selbst gefallen, gefallen wir dem HErrn nicht; und wollen wir zu dem gelangen, was wir noch nicht sind, so müssen wir allezeit Missfallen haben an dem, was wir sind. Prüfe sich nur ein jeder vor Gottes Angesicht, er wird allezeit vieles finden, was dem HErrn missfällt, denn der alte Adam ist immer noch nicht gestorben, und die Schoßsünde zumal hat so tiefe Wurzel geschlagen, dass sie wohl durch die Arbeit eines ganzen Jahres geschwächt, aber nicht ausgerottet werden kann. Sei froh und dankbar, wenn du etwas gewonnen hast, und werde nicht mutlos und verzagt, weil es nicht mehr ist. Er ist dir nahe, dessen Kraft in den Schwachen mächtig ist, und bleibst du nur beim Ablegen, so bleibt Er dabei, dir deine Kraft zu stärken. Er kennt deine Schwachheit und hat Mitleiden mit ihr, denn Er ist unseres Fleisches und Blutes teilhaftig geworden, und wie Er allenthalben versucht ist, doch ohne Sünde, so hilft Er denen, die versucht werden.

Lieber HErr JEsu, wir wollen nicht in dem alten Menschen der Sünde leben, das weißt Du, aber doch bringt uns die angeborene Sünde noch leider oft zu Falle in Gedanken, Worten und Werken, das weißt Du auch. So stehe uns denn bei, dass wir recht ernstlich kämpfen wider unser eigenes Fleisch, im Kampfe nie ermüden, aber auch nicht verzagen, wenn es nicht gelingen will, wie wir so gern möchten. Du willst ja nahe sein denen, die dich mit Ernst anrufen. So höre denn unser Gebet und bleibe bei uns mit Deiner Gnade, dann muss es uns gelingen. Amen. (Hermann Haccius)


Lasst uns anlegen die Waffen des Lichts.
Wohl ist uns das Heil nahe, aber nicht die Jahre rücken uns dem Heile näher, sondern der Kampf; denn der alte Mensch leistet einen zähen Widerstand und hat in dem Teufel und der Welt zwei mächtige Bundesgenossen, und wer den Kampf mit ihnen scheut, den werden sie wieder zum Schlafen bringen, dass er das Licht nicht sieht, obgleich der Tag herbeigekommen ist. Aber wenn wir erwachen, erkennen wir auch den schweren Kampf, den wir vor uns haben, und den mächtigen Feind, der uns entgegen steht. Wenn wir daher die Werke der Finsternis ablegen wollen, so geht das nicht anders, als dass wir zugleich die Waffen des Lichts anlegen, das sind die Waffen, die der Heilige Geist bereitet, und die in Seiner Kraft geführt werden. Wir müssen uns mit dem verbinden, der durch uns und in uns, aber auch für uns streiten will. Welches diese Waffen sind, das sagt der Apostel Eph. 6, 13 ff. nämlich der Gurt der Wahrheit und der Panzer der Gerechtigkeit, der Schild des Glaubens und der Helm des Heils und vor allem das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes. Zwar gilt es einen langen und heißen Kampf, aber kein Kämpfer ist verloren, so lange er diese Waffen trägt, denn sie sind mächtig und scharf genug, um auch an dem bösesten Tage Widerstand zu leisten. Darum rüstet euch, ihr Christenleute, die Feinde suchen euch zur Beute, ja Satan selbst hat euer begehrt. Es wähne keiner, dass er schon mit der Rüstung fertig sei, denn so wenig wie das Ablegen der Werke der Finsternis, eben so wenig ist auch das Anlegen der Waffen des Lichtes das Werk eines Tages. So wie es täglich gilt zu streiten, so gilt es auch täglich sich aufs neue zu rüsten. Der Feind darf uns nicht nur nicht schlafend finden, wir müssen auch fertig zum Streite sein.

HErr, wir warten Deiner mit sehnlichem Verlangen; wir wollen darum auch ernstlich mit den Werken der Finsternis nichts zu schaffen haben. Lass uns nur nie vergessen, dass wir das aus eigener Kraft nicht vermögen, damit wir immer Deine Hilfe und Stärke suchen und mit den Waffen des Lichtes uns rüsten. Mache unser Herz rechtschaffen und wahr, mache uns treu im Gebet, fleißig im Hören Deines Wortes, stark im Glauben, geduldig in Trübsal und fröhlich in Hoffnung. In dieser Rüstung lass uns beständig bleiben, so muss endlich der Sieg unser sein. Amen. (Hermann Haccius)


Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbei kommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts.
Darum, weil der Tag angebrochen ist, so ist unser Heil jetzt nahe bei uns; Christus und seine Gnade, dem Abraham verheißen, die ist jetzt aufgegangen, wird gepredigt in aller Welt, erleuchtet alle Menschen, weckt uns alle auf vom Schlaf, und zeigt uns die rechten ewigen Güter, dass wir uns mit denselbigen sollen zu schaffen machen, Die Worte Pauli beschreiben hier die liebe fröhliche Morgenröte und Aufgang der Sonne. Denn Morgenröte ist, wenn die Nacht vergangen und der Tag herbeikommen ist; da sehen wir, dass alle Vögel singen, alle Tiere sich regen, alle Menschen sich erheben, dass es ist, als werde die Welt neu und alle Dinge lebendig, wenn der Tag anbricht. Darum wird an vielen Orten der Schrift die tröstliche Predigt des Evangeliums dem Aufgang der Sonne verglichen. Diesen Tag macht die allerlieblichste Sonne JEsus Christus, daher ihn Maleachi nennet eine Sonne der Gerechtigkeit: „Euch, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und das Heil unter seinen Flügeln“.

Gleichwie nun Christus die Sonne und das Evangelium der Tag ist, so ist der Glaube das Licht, oder sehen und wachen an diesem Tag. Denn es hilft nichts, dass die Sonne scheint und den Tag macht, wo die Augen nicht das Licht empfinden. Den Schlafenden aber ist die Sonne und der Tag unnütz, denn sie haben davon kein Licht, sehen eben so wenig, als ob keine Sonne noch Tag da wäre. Das ist nun die Zeit und Stunde, davon Paulus spricht. Eine geistliche Zeit und Stunde ist's, doch in der leiblichen Zeit aufgegangen, darin wir aufstehen vom Schlaf und ablegen sollen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts. Mit dem Wort Waffen will er uns beweisen, dass es ein Streit sei, Mühe, Arbeit und Gefahr koste, zu wachen und ein gut Leben zu führen, da Teufel, Welt und Fleisch ohne Unterlass uns widerstehen. Nun ist es ein groß Ding, das ganze Leben in Streit zu stehen, darum es wohl not ist, guter Posaunen und Heerpauken, die uns stärken und im Streit mannhaftig behalten. Am Tage tut man keine Werke der Finsternis, jedermann schämt sich vor dem andern und zeigt sich ehrbar. Hieraus siehst du, wie not solche Reizung und Ermahnung sei zu wachen, wie viel sind jetzt der Christen, die da leiden können, dass alle ihre Werke an den Tag kämen? Was ist aber das für ein christlich Leben, so vor den Menschen nicht mag offenbar werden? Da wir doch vor Gott und seinen Engeln und allen Kreaturen am jüngsten Tag werden bloß und entdeckt werden.

Darum soll ein Christ leben, wie er wollte am Jüngsten Tag und vor jedermann erfunden werden. Wandelt wie die Kinder des Licht. Die Frucht des Lichts ist eitel Gütigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit. (Martin Luther)


Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen.
„Ich bin das Licht der Welt;“ spricht unser Herr Christus (Joh. 8, 12). Wo es an diesem Lichte gebricht, ist Nacht und Finsternis, wo es aufgegangen ist, da ist's wahrhaftig Tag geworden. über dem alten Volke Israel lag die Nacht ausgebreitet, die Weissagungsworte von Christo leuchteten wie einzelne milde Sterne in diese Nacht; sie weckten die Sehnsucht nach dem Aufgehen des Lichts, nach dem Herbeikommen des Tages. Hüter, ist die Nacht schier hin? das war die Klage und Frage bei den Gläubigen des alten Gottesvolkes vor Christo. Noch dichter lag die Finsternis über den Heidenvölkern. Was sie an Künsten und Wissenschaften, an menschlichen Geisteskräften besaßen, war nicht stark genug, über die Finsternis ihres Götzendienstes und Aberglaubens und sündhaften Lebens zu siegen. In der Nacht dahingehen müssen, ohne Weg und Steg unter den Füßen, ist fürwahr kein beneidenswerter Zustand. Wie nun alles fröhlich wird, wenn das liebe Sonnenlicht uns grüßt und den Tag herbeiführt, so ruft es auch St. Paulus hocherfreut aus: „die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen;“ es ist der Tag des Heils, die neue Zeit, die mit unserm Herrn Christo angebrochen ist. Als getaufte Christen wandeln wir in diesem Lichte, äußerlich gehen wir unter den Segnungen des Christentums dahin. Aber innerlich in unseren Seelen soll auch die Wendung eintreten, dass die Nacht vergeht und der Tag herbeikommt. Nacht ist der Seelenzustand, da man schläft und unempfindlich ist für seine Sünde, für die Anklagen des Gewissens, da man sich nicht rührt noch regt, um auf den Wegen Gottes zu wandeln, da man verschlossene Augen hat, welche den rechten Stand des Herzens nicht erkennen. Tag ist's geworden, wenn Christus in unseren Seelen aufgegangen ist, wenn er durch sein Wort seine Strahlen über unsere Seelen senkt und uns erleuchtet, dass wir seine traute Heilandsgestalt erkennen, und uns erwärmt, dass wir in herzlicher Liebe uns ihm hingeben und uns in seiner Gemeinschaft erfreut und als Reben des himmlischen Weinstocks in allen guten Werken fruchtbar macht. (unbekannt)


Lasst uns ablegen die Werke der Finsternis.
Das wäre ein gewisses Zeichen dafür, dass es in unseren Herzen Tag geworden ist, wenn wir dieser Ermahnung St. Pauli Folge geleistet hätten. Die Finsternis ist die Sünde, welche in uns wohnt, die Lust zum Sündigen, oder wenn wir es kurz sagen wollen: es ist der Unglaube. Denn der Unglaube verblendet unsere Seele, dass sie Gott nicht erkennt, und das ist die eigentliche Sündenquelle. Dass man so ohne Scheu sündigt, kommt daher, dass man nicht weiß, was für ein freundlicher, liebreicher und zugleich was für ein heiliger und gerechter Gott es ist, dessen Gebote man übertritt. Solcher Unglaube verfinstert uns die Herzen. Die Finsternis aber ist nicht eine müßige, sondern eine tätige und wirksame. Sie treibt ihr Werk im ganzen Menschen: im Grund unserer Herzen, in den Kräften unserer Seele, ebenso wie in den Sinnen und Gliedern unseres Leibes. Das alles nennt St. Paulus „Werke der Finsternis“, dahin gehört aller Hass, Zorn, Feindschaft, Unversöhnlichkeit, die wir im Herzen tragen, alle Unreinigkeit, mit welcher wir unsere Herzen beflecken, alle Verachtung Gottes und seines Heiligen Wortes, alle Gleichgültigkeit den geistlichen Dingen gegenüber, aller Missbrauch des Namens Gottes, alle Heuchelei und Unlauterkeit in unserem Christentum, alle Sünden, die wir mit unserem Munde begehen, die wissentliche Unwahrheit, die leichtfertige Rede, der verlegende Spott gegen den Nächsten, ganz zu schweigen der sündlichen Werke, welche als die reife Frucht aus der Wurzel der sündlichen Gedanken und sündlichen Reden erwachsen. Dies alles gilt's „abzulegen“, denn je inniger unsere Gemeinschaft mit der Sünde wird, umso mehr wird unser Herz von Christo, dem wahren Lichte, abgezogen. Ablegen sollen wir. jene Werke, wegwerfen, wie man etwa eine Last mit Gewalt von sich wirft. Durch tägliche Buße und tägliches Ertöten des alten Menschen geschieht dies. Es ist aber fürwahr nichts leichtes; bäumt sich doch der alte Mensch dagegen auf und will er uns nicht lassen. Aber wir wollen ihm Gewalt antun. Die Sündenlust wollen wir im ersten Funken, den wir gewahren, auslöschen, und sobald wir sie fühlen, aus dem Herzen treiben, unserm Leibe wollen wir Zaum und Zügel anlegen und dabei mit Bitten und Flehen im Geiste nicht nachlassen, dass Gottes Kraft in unserer Schwachheit mächtig werde. (unbekannt)


Die Nacht ist vergangen, der Tag aber herbeigekommen.
Die Adventsglocken klingen uns wieder in Ohr und Herz hinein: Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe. Und aus dem Herzen heraus soll es dem einziehenden König wieder entgegen schallen: Hosianna dem Sohne Davids! Da muss es aber zu einer Scheidung kommen zwischen Nacht und Licht. Die Adventszeit ist eine Zeit der Scheidung. Das Licht geht auf. Gemeinde Jesu Christi, siehe dein Licht kommt! Wir gehen dem lieben Weihnachtsfest entgegen. Da leuchtet es mitten in der dunklen Winterszeit, wie ein Morgenrot der Ewigkeit. Es blitzen schon die ersten Sonnenstrahlen am Himmelsrande empor, und diese aufblitzenden Strahlen von der Sonne der Erlösung sind der Adventsgruß unsers Herrn Jesu Christi: Die Nacht des Unheils vergeht, der Tag des Heils rückt näher. Der Mund ewiger Gottesliebe ruft's in die arme, sündendunkle Welt hinein, ruft's auch in dein armes, sündendunkles Herz hinein: Es werde Licht! Jesus bringt die Scheidung zwischen Nacht und Licht. Auch in deinem Herzen soll es zu einer Adventsentscheidung kommen. Das Menschenherz kommt nicht zur Ruhe, bis es den Kampf ausgekämpft hat, und bis die Finsternis überwältigt ist. Darum soll jetzt bei uns ein Recken und Strecken nach dem Morgenstern mächtig sein, ein Kämpfen und Ringen dem Herrn Jesu entgegen; ein Sehnsuchtslied soll in dir leben: Ach komm, ach komm, o Sonne! bis es auch bei dir dazu kommt, wie uns von Jacob erzählt wird. Als der seinen Nachtkampf mit Gott durchgekämpft und den Segen des Herrn erstritten hatte, da ging ihm die Sonne auf. Adventsleben ist ein Hinarbeiten nach dem ewigen Licht.

Lasst uns beten: Lieber himmlischer Vater, wir danken Dir von Herzen, dass Du unser Auge wieder nach dem freundlichen Weihnachtslicht hinwendest, das alle Welt erleuchten und alle Nacht in Licht wandeln soll. Gib uns nun Deinen Heiligen Geist, dass wir auch die rechte Entscheidung in unserm Herzen treffen und mit glühender Seele dem teuren Lichte Deines lieben Sohnes entgegen warten. Lass uns mit diesem Morgen merken, wie köstlich es ist, wenn all unsere Nacht in Licht verkehrt wird. Schenke uns rechte Adventsherzen, dass in dieser gnadenreichen Zeit unser Hosianna Deinem Sohne Jesu Christo aus voller Seele erklingen kann. Amen. (Wilhelm Hunzinger)

Predigten

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