Johannes 9,1
Andachten
Gnädiger und barmherziger Gott, ich komme an diesem Tage vor Dein heiliges Angesicht mit Loben und Danken, dass Du mich die vergangenen sechs Tage so gnädiglich erhalten und die Arbeit meiner Hände so reichlich gesegnet hast. Du hast meinen Eingang und Ausgang bewahret, auf meinen Wegen mich behütet und mir an Leib und Seele viel Gutes erwiesen. Dafür lobe und preise ich Dich von Grund meines Herzens. Gehet nun weg, ihr irdischen Geschäfte; weichet von mir, ihr Sorgen; jetzt baue ich in meinem Herzen Gott einen Tempel auf. Es soll ein Bethaus werden, darin ich meinem Gott allein dienen will. O der unaussprechlichen Liebe, welche den Menschen einen Ruhetag von aller ihrer Arbeit bestimmt hat! Diese Ruhe erinnert uns an die Ruhe im Paradiese, da wir ohne Not und Mühe allezeit Gott zu dienen und zu loben wären beschäftigt gewesen. Diese Ruhe ist ein Bild der künftigen Himmelsruhe! denn es ist den Kindern Gottes noch eine vollkommene Ruhe vorhanden und verheißen, welche in dem ewigen Leben angehen wird; da werden sie von aller Arbeit, von Leiden, Schmerzen und Sünden befreit sein. Ach, gnädiger Gott, lass mich den bevorstehenden Sonntag in Deiner Furcht und in Deiner Gnade hinbringen. Gib mir Deinen heiligen Geist, dass ich den ganzen Tag Dir aufopfere und zu Deinem Dienste anwende. Wecke mich früh auf zum Lob, zum Gebet und zum Gesang bei dem Gottesdienste. Erhalte mein Herz in steter Andacht, damit keine irdische Sorgen in dasselbe einschleichen. Wenn Dein Wort gepredigt wird, so öffne mir das Herz, dass ich darauf achten, solches in mein Herz fassen und als einen teuren Schatz darin bewahren möge, damit das gepredigte und gehörte Wort mich ändere, heilige, bekehre und zu einem neuen Menschen, wie den Blindgebornen, mache, auf dass ich, wie an Jahren, also an den inwendigen Menschen im Glauben und Frömmigkeit wachsen und eine neue Kreatur, ja, ein lebendiges Glied an dem Leibe meines Jesu werden möge. So lass mich einen Sabbat nach dem andern feiern, bis Du mich in die ewige Himmelsruhe zu dem ewigen Sabbat durch Jesum, meinen einigen Erlöser und Seligmacher, einführen wirst. Amen. (Friedrich Arndt)
Und Jesus ging vorüber, und sah Einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn: Meister, wer hat gesündigt, dieser, oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?
Das Übel stammt aus der Sünde. So lange die Menschen im Stande der Unschuld im Garten Eden wandelten, wussten sie nichts von Not. Ebenso rührt die, welche eingegangen sind in das neue Eden, keine Dual mehr an, wie denn geschrieben steht: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ Das steht fest: „Die Sünde ist die Mutter aller Not in der Welt.“ Auch das steht fest, dass der Mensch bei vielem Elend ohne große Mühe nachrechnen kann, wodurch dasselbe über ihn gekommen ist. Von solchem klaren Strafleiden reden obige Worte nicht. Es gibt aber eine Masse von Jammer und Not, von der der Mensch auch mit dem schärfsten Auge im Leben des Leidenden den Grund nicht finden kann. Heute haben wir den Blindgebornen vor uns. An ihn reihen sich die vielen Taubstummgebornen, die geistig Schwachen. Nehmen wir dazu die großen Trübsale, die über Einzelne und ganze Familien kommen. Unter uns gibt es Blinde und Krüppel genug. Leute, die gewiss nicht schlechter sind als tausend andere, haben viele Jahre auf dem Schmerzenslager zugebracht. Wir kennen Familien, die den besten Willen hatten, ihre Kinder in dem Herrn zu erziehen, und doch in kurzer Zeit derselben beraubt wurden. - Warum wird solcher Jammer über Einzelne und ganze Familien verhängt?
Herr unser Gott, es kommt Alles von dir: Glück und Unglück, Armut und Reichtum, Leben und Tod. Trübsal und Elend hast du in die Welt gesandt um der Sünde und Übertretung willen. Da gib uns Demut, dass ein jeder bekenne: „Ich habe auch meinen Teil an dieser Schuld, und habe an meinem Teil auch die Strafe verdient.“ Behüte uns vor der Vermessenheit, die beim Hinblick auf die Not der Brüder nachrechnen und nachzählen möchte: „Das hat er damit verdient und das damit.“ Wenn aber Einer selbst in seiner Not mit den Söhnen Jakobs, als sie in Ägypten geängstigt wurden, bekennt: „Das haben wir an unserm Bruder verdient,“ da segne du ihm solches Gericht über sich selbst und hilf seiner Seele durch zur rechten Buße und zum Glauben. Amen. (Friedrich Ahlfeld)