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Markus 3,19

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Andachten

Und Judas Ischarioth, der ihn verriet.
Unter den zwölf Aposteln, welche der Herr sich erwählte, war auch Judas, der Ihn verriet. Wusste es Jesus nicht, als Er ihn zu sich berief, dass er ihn verraten würde, oder, wenn Er es wusste, warum nahm Er ihn dennoch auf? Wenn es Jesus nicht wusste, so könnte man sagen, es habe Ihm an sittlichem Tiefblick gefehlt; auch würde es mit der Menschenkenntnis nicht stimmen, die er sonst an den Tag legt. Wusste Er es aber, so erhebt man den Vorwurf, Er habe ihm Gelegenheit zur Ausübung seiner Sünde gegeben. Jesus wusste es von Anfang wohl, welche nicht glaubend waren, und welcher Ihn verraten würde, wie Johannes (Kap. 6, 64) ausdrücklich sagt. Warum wählte Er denn aber den Judas, und führte ihn dadurch in die Versuchung, Ihn zu verraten? Gewiss nicht mit der Absicht, dass er Ihn verraten solle, um auf diese Weise den Erlösungstod Jesu herbeizuführen, denn wie Gott Niemand in Versuchung führt, damit er Böses tue, (Jakob. 1, 13) sondern damit er durch Überwindung desselben erstarke, so auch Jesus. Bei Judas war zwar, als ihn Jesus berief, das Böse schon überwiegend, aber noch nicht vollständig herrschend; und wenn ihn etwas retten konnte, so war es die heiligende Nähe Jesu. Judas folgte dem Rufe Jesu, und dies zeigt doch, dass er sich zu Ihm hingezogen fühlte. Es war also möglich, dass Judas noch für das Gute gewonnen werden konnte, und dann war er einer der kräftigsten Apostel. Ja, es war möglich, dass er fallen, aber auch, wie Petrus, wieder aufstehen konnte. Der letzte Liebesbeweis Jesu konnte ihn noch vom Verderben wieder herumbringen. Dass dies nicht geschah, war mit Bestimmtheit nicht vorauszusehen; denn das Böse ist, als ein Willkürliches, in seiner Entwickelung unberechenbar. Im Hinblick auf die Möglichkeit einer guten Wendung wählte ihn Jesus. Allein durch einen Akt der Bosheit, der in seinem letzten Grund ebenso wenig erklärbar ist, wie das Böse überhaupt, verstockte sich Judas gerade gegenüber der reinsten Güte, und die göttliche Liebe, die auch erlösend hätte wirken können, wirkte auf ihn verhärtend. War aber einmal diese Verhärtung eingetreten, dann musste er, wie alles Böse dem Guten, auch in diesem Zustande dem Zwecke Jesu dienen. Er stellte im Gegensatz zu der Reinheit Jesu die Sünde in ihrer ganzen Schwärze dar; er führte mit der Katastrophe des Todes Jesu die Begründung des Heilswerkes so herbei, dass Jesus in das Todesleiden eingehen konnte, ohne es selbst zu suchen: er zeugte endlich noch durch den eigenen Verzweiflungstod für die Reinheit dessen, den er verraten. Doch ist in alle dem nicht der Zweck für die Wahl des Judas zu suchen, sondern nur eine Folge derselben. Wiewohl Jesus das Böse in Judas Herz von Anfang erkannte, durfte Er dennoch hoffen, es durch seine Liebe zu überwinden. Die Frage aber, wie Jesus in die Hände der Hohenpriester hätte kommen können, wenn Ihn Judas nicht verraten hätte, ist eine mäßige, es hätte eben auch auf andere Weise geschehen können. Wir aber wollen die Hoffnung, die Jesus auf unsere Seligkeit hat, nicht täuschen, sondern wollen wachen und beten, dass wir nicht in Anfechtung fallen, und ob wir angefochten würden, doch überwinden und den Sieg behalten. Ach Jesu hilf siegen! (Anton Camillo Bertoldy)

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