Matthäus 21,6
Andachten
Die Jünger gingen hin, und taten, wie ihnen JEsus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die Andern hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Das Volk aber, das vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna, dem Sohne David; gelobt sei, der da kommt in dem Namen des HErrn, Hosianna in der Höhe! Nun kommen wir auf die guten Werke, dass wir Christum nicht allein zur Gabe empfangen durch den Glauben, sondern auch zum Vorbild durch die Liebe gegen unsern Nächsten. Der Glaube bringt und gibt dir Christum zu eigen mit allen seinen Gütern, die Liebe gibt dich dem Nächsten mit all deinen Gütern. Nun fragst du vielleicht, welches denn die guten Werke sind, die du deinem Nächsten tun sollst, so antwortet sich's, dass sie keinen Namen haben, denn gleichwie die guten Werke, die dir Christus tut, keinen Namen haben, so sollen auch die guten Werke, die du deinem Nächsten tust, keinen Namen haben. Du sollst dich deinem Nächsten ergeben mit Allem, was du vermagst. Gleich wie Christus hat nicht allein für dich gebetet und gefastet, sondern sich selbst ganz dir ergeben, mit Beten und Fasten, allen Werken und Leiden, dass nichts an ihm sei, das nicht dein sei und dir getan. Also ist nicht das dein Werk, dass du ein Almosen gibst oder betest, sondern wenn du deinem Nächsten dich ergibst und ihm dienst, wo er dein bedarf, es sei mit Almosen, beten, arbeiten, fasten, raten, trösten, vermahnen, lehren, strafen, entschuldigen, kleiden und speisen, zuletzt auch sterben für ihn. Sage mir, wo sind solche Werke jetzt in der Christenheit?
Die Jünger taten, wie ihnen JEsus befohlen hatte, sie legen ihre Kleider auf das Füllen; ich achte, das sind die guten Exempel, damit die christliche Kirche bedeckt und geziert ist, die Zweige deuten die Sprüche der Propheten, als dieser auch einer ist, dein König kommt zu dir, der eine göttliche Verheißung gibt. Die Bücher der Propheten sind die Bäume, die daraus dem Volk solche Sprüche predigen, die hauen Zweige ab und streuen sie in den Weg des christlichen Glaubens. Die Scharen, die vorher gehen, bedeuten hier alle Heiligen vor Christi Geburt, die aber nachfolgen, alle Heiligen nach Christi Geburt, sie glauben und hangen alle an einem Christo. Jene haben seiner zukünftig gewartet, diese haben ihn in vergangenen Zeiten geglaubt. Darum singen sie auch alle ein Lied, loben und benedeien Gott in Christo. Denn wir vermögen auch nichts anders Gott geben, denn Lob und Dank, sintemal das Andere alles wir von ihm empfangen, es sei Gnade, Werke, Evangelium, Glaube rc. Das ist auch der einzige rechte Gottesdienst, Gott loben und danken. Nun rufen sie: Hosianna dem Sohne David, welches heißt: Ach gib Heil, oder mache Heil… Ach! Gott, gib Heil diesem Sohne David zu seinem neuen Königreich. Hier sollen wir lernen, dass wir auch Hosianna singen mit diesen Scharen, dass wir Glück und Heil wünschen der heiligen Christenheit, dass Gott wolle alle Menschenlehre abtun, und allein Christum lassen unsern König sein. (Martin Luther)
**Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte.
Welch' liebliches Bild willigen Gehorsams haben wir an den Jüngern Jesu vor uns! Es ist ja überhaupt das beste und sicherste Kennzeichen eines Jüngers, einer Jüngerin Jesu, wenn solche Unterstellung unter das Wort ihres Meisters vorhanden ist, wenn man dies Echo zwischen Himmel und Erde hören kann. Gott spricht: gehe! und der Mensch antwortet: ich gehe. Wir haben alle den Beruf und Auftrag von Gott, dass wir in dem Wege seiner Gebote gehen sollen. Wir dürfen nicht lässig und träge und ungehorsam stehen bleiben, sondern immer weiter gehen, bis wir das Ziel der Vollkommenheit erreichen. Da soll's nun auch von uns heißen: und sie gingen. Es sind ja freilich die Wege, welche zu gehen Jesus uns gebietet, nicht immer Wege, die uns wohlgefallen. Auch jenen Jüngern mochte der Weg, den sie in ihres Herrn Auftrag gehen sollten, fürs erste sauer angekommen sein. Es hätte ihnen nach menschlicher Berechnung Schmach und Schande daraus erwachsen können. Aber darauf sehen sie nicht, sondern auf Jesu Wort. Das geht ihnen über alles. Wir wollen auch nicht fragen, ob uns etwa auf den Wegen des Herrn, auf den Wegen, die wir im Gehorsam gegen sein Wort wallen, Schmach und Schande vor den Menschen und allerlei Kreuz erwachsen könnte. Er hat's gesagt“, damit pflegten die Schüler jenes heidnischen Weltweisen allen Einwürfen und Bedenken, welche man gegen seine Worte erhob, zu begegnen. „Er hat's gesagt,“ das sei uns der Leitstern auf unserm Wege. Zwar aus eigener Kraft können wir nicht einen Schritt tun, doch aber sollen wir gehen in Kraft seines Wortes. Als einst der Herr zu dem toten Lazarus sprach: „Komm heraus“, da kam der Verstorbene heraus, nicht aus eigener Kraft, sondern das Wort Christi gab ihm ein neues Leben. Gottes Wort im Glauben ergriffen, erweist sich an unsern Seelen als das „lebendige und kräftige“ Gotteswort: es weckt die Schlafenden auf, es gibt den Müden neue Kraft, es hält, die da stehen, dass sie nicht fallen, und die gefallen sind, richtet es wieder auf. Wir werden wieder im neuen Kirchenjahre so reichlich sein Wort vernehmen: „Gehet hin“. Lasst uns darum beten, dass es auch von uns heißen könne: sie gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte. Dann sind wir seine rechten Jünger. (unbekannt)