Offenbarung 21,9
Andachten
Und es kam zu mir einer von den sieben Engeln, welche die sieben Schalen voll hatten der letzten sieben Plagen, und redete mit mir, und sprach: Komm, ich will dir das Weib zeigen, die Braut des Lammes. Und führte mich hin im Geist auf einen großen und hohen Berg, und zeigte mir die große Stadt, das heilige Jerusalem, hernieder fahren aus dem Himmel von GOtt; und hatte die Herrlichkeit GOttes, und ihr Licht war gleich dem alleredelsten Stein, einem hellen Jaspis; und hatte große und hohe Mauern, und hatte zwölf Tore, und auf den Toren zwölf Engel, und Namen geschrieben, welche sind die zwölf Geschlechter, der Kinder Israel. Vom Morgen drei Tore, von Mitternacht drei Tore, vom Mittag drei Tore, vom Abend drei Tore. Und die Mauer der Stadt hatte zwölf Gründe, und in denselbigen die Namen der zwölf Apostel des Lammes. Und der mit mir redete, hatte ein goldenes Rohr, dass er die Stadt messen sollte, und ihre Tore und Mauern. Und die Stadt liegt viereckig; und ihre Länge ist so groß, als die Breite. Und er maß die Stadt mit dem Rohr auf zwölftausend Feldweges. Die Länge, und die Breite, und die Höhe der Stadt sind gleich. Und er maß ihre Mauern, hundert und vier und vierzig Ellen, nach dem Maß eines Menschen, das der Engel hat. Und der Bau ihrer Mauern war von Jaspis, und die Stadt von lauterm Golde, gleich dem reinen Glase. Und die Gründe der Mauern und der Stadt waren geschmückt mit allerlei Edelsteinen. Der erste Grund war ein Jaspis, der andere ein Saphir, der dritte ein Chalcedon, der vierte ein Smaragd, der fünfte ein Sardonyx, der sechste ein Sardis, der siebente ein Chrysolith, der achte ein Beryll, der neunte ein Topas, der zehnte ein Chrysopras, der elfte ein Hyazinth, der zwölfte ein Amethyst. Und die zwölf Tore waren zwölf Perlen, und ein jegliches Tor war von Einer Perle; und die Gassen der Stadt waren lauter Gold, als ein durchscheinend Glas. Und ich sah keinen Tempel darinnen; denn der HErr, der allmächtige GOtt, ist ihr Tempel, und das Lamm. Und die Stadt darf keiner Sonne, noch des Mondes, dass sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit GOttes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm. Und die Heiden, die da selig werden, wandeln in demselbigen Licht. Und die Könige auf Erden werden ihre Herrlichkeit in dieselbige bringen. Und ihre Tore werden nicht verschlossen des Tages, denn da wird keine Nacht sein. Und man wird die Herrlichkeit und die Ehre der Heiden in sie bringen. Und wird nicht hinein gehen irgendein Gemeines, und das da Gräuel tut und Lügen; sondern die geschrieben sind in dem lebendigen Buch des Lammes.
Der heilige Engel zeigt also dem Johannes die heilige Stadt und sagt, das sei das Weib GOttes. Wenn er nun im Folgenden uns den Wohnort der Gläubigen beschreibt, so zeigt er uns damit gleichsam das Gewand der Braut unsers GOttes. Wir reden auch wohl im täglichen Leben von der Stadt, wenn wir ihre Bewohner meinen. Aber sich, wie herrlich diese Stadt GOttes ist. Was auf der Erde das Köstlichste und Teuerste ist, das ist in ihr das Gewöhnlichste. Nach den Edelsteinen bückt sich kein Mensch im neuen Jerusalem, denn die Stadtmauern sind von Edelsteinen und zwar von den köstlichsten, die es gibt. Nach dem Golde fragt im neuen Jerusalem Keiner, denn das ist so häufig da wie bei uns die Steine, sind doch die Straßen selbst von Gold erbaut. Da seht ihr auch, wie das Edelste der Erde eine ewige Bedeutung hat, denn das wird mitgenommen in den Himmel, wenn die Erde verklärt wird. Darum aber bestehen die Gründe der Mauern aus zwölf Edelsteinen und die Tore aus zwölf Perlen? Darum, weil die ganze Christenheit nur die Vollendung ist des alttestamentlichen Israels. Was dem Abraham versprochen ward, das wird ihm auch gehalten, dass nämlich alle Gläubigen von ihm abstammen sollen. Und wenn auf den zwölf Toren zwölf Engel stehen, die gleichsam Wache halten, dass kein Gemeines da hinein gehen kann, sondern nur Gläubige, so sind diese Engel gleichsam heilige Wächter, welche über die Bürger des neuen Jerusalems wachen. Aber eine wundersame Andeutung finden wir noch in unserem Texte, dass nämlich die Könige ihre Herrlichkeit mit in die Stadt bringen. Das will sagen, dass auch das Edelste der Könige würdig ist, mit ausgenommen zu werden in das neue Jerusalem. Daraus geht also hervor, dass auch auf Erden Gegenstände sich finden, welche für die Ewigkeit bestimmt sind. Ich denke da an herrliche Kunstwerke aller Art.
Wenn wir ferner die Maße der Stadt betrachten, so ist es freilich eine ungeheure Stadt, denn der Umfang der Stadt wird ungefähr eintausendzweihundert Meilen betragen. Vergleichen wir damit z. B. die größte Stadt der Erde, London, so ist der Umfang derselben ca. dreißig Meilen. Ferner soll die Höhe der Stadt dreihundert Mal so hoch sein, als der höchste Berg der Erde, also die Wohnungen der Seligen müssen übereinander sich befinden und damit sie trotz der Entfernung beieinander wohnen, als wären sie die nächsten Nachbarn, ist das Gold der Wege durchscheinend wie Glas, so dass man von oben nach unten und von unten nach oben durch die Straßen hindurchsehen kann. In dieser Stadt gibt es aber keine Tempel, denn Alle sehen den lebendigen GOtt von Angesicht zu Angesicht, und ganz Jerusalem ist eine Gotteswohnung, die das Angesicht GOttes mit seinem herrlichen Lichte bestrahlt, so dass hier keine Finsternis eintreten kann, denn wo GOtt ist, ist immer Licht.
Was soll es aber heißen, dass diese Stadt herunter fährt vom Himmel wie eine geschmückte Braut? Das kann doch nur bedeuten, dass sie im Himmel so herrlich ausgebaut wird, um dann auf die verklärte Erde herabzufahren, denn sie soll ja der Mittelpunkt aller Seligen auf der verklärten Erde sein. Wer weiß, ob nicht die Seligen im Himmel an den Wohnungen arbeiten, welche einst die Gläubigen aufnehmen sollen! Das ist vielleicht die selige Freude der Seligen droben, dass sie das neue Jerusalem schmücken dürfen. Nun gebe GOtt, dass wir die heilige Gottesstadt mit eignen Augen sehen, dann werden wir staunend bekennen: Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört, das hat GOtt bereitet denen, die Ihn lieben! Amen. (Johannes Paulsen)