Lukas 15,20
Andachten
Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater und jammerte ihn, lief und fiel ihn um seinen Hals und küsste ihn.
O Liebesjubel des Erbarmerherzens über eine gerettete Seele, wie bist du wunderbar und gnadenreich! O Mitleid Gottes, das in unseren Jammer hinabstieg, um aus der Tiefe der Hölle uns herauf zu holen! Ach, weißt du es, begnadigter Sünder, weißt du es auch, was es Ihn gekostet, dass du erlöst bist, dass du nun mit Küssen des Friedens getröstet werden kannst? Das Vaterherz, das dir nachging in die Fremde, das hat deine Schulden gelöst mit einem überaus teuren Lösegeld, der dich jetzt umhalst und küsst. Er hat dich so geliebt, dass Er Seines eingeborenen Sohnes nicht verschonte, um dich verschonen und mit der Gerechtigkeit deines Bürgen, des Heilandes, der dein Bruder wird, schmücken und in dein Erbe wieder einsetzen zu können! Wohlan denn alle, die ihr durstig seid! Erfreut das Herz des Erbarmers, kommt! auch für uns ist der Tisch heute gedeckt, dass wir sollen gesättigt werden mit den Gütern des Heils! Nehmt den Rat des Heils und den Fingerreif an die Hand und Schuhe an die Füße! Kommt, lasst uns essen und fröhlich sein; Er will das haben, Er fordert dazu auf, auf dass, wie's oben klingt, es also auch hier unten töne aus unseren Herzen: Ehre sei Gott in der Höhe! Friede bei uns auf Erden, und an uns begnadigten Sündern Gottes Wohlgefallen! Amen. (Valentin Holst.)
Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater und jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt in dem Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt das beste Kleid hervor rc.
In Lumpen und barfuß wie er grade ist - so kehrt der Sohn um, zurück zu seinem Vater. Seine Buße war kräftig, die Not groß und die Hoffnung auf des Vaters Güte sein einziger Stern. Von ferne schon sieht ihn der Vater, denn er wartete auf ihn und sehnte sich nach seinem unglücklichen, verlorenen Kinde; und da er ihn erblickt, seinen Sohn, der voll ausgezogen war und nun leer, zerknickt, voller Scham, zögernd und scheu sich ihm nähert, da entbrennt ihm sein Herz und mit offenen Armen eilt er ihm entgegen, drückt ihn an seine Brust und küsst ihn. O wenn die verlorenen Söhne es wüssten, welcher Empfang beim Vater ihrer wartet, wie derselbe mit blutendem Herzen sie auf ihren Irrwegen begleitet, lange nach ihnen ausgeschaut, ob sie denn nicht endlich des Säuehütens müde und ihrer Träber überdrüssig würden, und wie er nichts sehnlicher begehrt, als dass er sie als verloren gewesene und nun wiedergefundene Kinder in seine Arme schließen könnte, o sie würden nicht länger in der Fremde unter dem harten Joche der Sünde verharren, sondern sich aufmachen und mit all ihrem Schmerz und ihrem Jammer zum Vater reuig zurückkehren. O, dass alle Sünder es sich gesagt sein ließen: Gott wartet auf eure Bekehrung, Er sehnt sich danach, dass ihr umkehrt. Sein Herz will Ihm brechen, wenn Er euch in dem Joche der Sünde, in welches ihr euch, vielleicht euch unbewusst, habt spannen lassen, voller Schmerz und Elend seufzen und erliegen seht; so bekehrt euch denn und sprecht mit dem verlorenen Sohne: Vater, ich habe gesündigt in dem Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Siehe, dann wird der Vater auch euch das beste Feierkleid, einen Ring an euren Finger und Schuhe an eure Füße geben lassen, wird euch sättigen mit seinen Gütern und es wird Freude vor Ihm sein über den Sohn, der tot war und ist nun wieder lebendig worden, der verloren war und ist nun wieder gefunden worden. Denn freilich haben wir uns als Sünder der Kindschaft Gottes unwert gemacht und es bedarf der ganzen Fülle der göttlichen Vatergüte, um uns das Gefühl der Kindschaft wieder zu geben. Das Kleid der Gerechtigkeit und Heiligkeit ist in Lumpen zerfallen und reicht nicht mehr aus, um die Schande unsrer Blöße zu decken. Dafür gibt uns Gottes Barmherzigkeit das Feierkleid der Gerechtigkeit Christi, seines Sohnes, in welchem wir nur darüber die Augen niederzuschlagen haben, dass wir ohne alle unser Verdienst und Würdigkeit so hoch geehrt werden. Und durch den Fingerreif deutet Er an, dass Er sich aufs Neue mit uns vermählt hat, und Er uns als seine Kinder und Erben anerkannt wissen will. Und die Schuhe an unseren Füßen sollen uns dienen, in Gerechtigkeit und Heiligkeit vor Ihm zu wandeln, wie es Ihm wohlgefällig ist. (Anton Camillo Bertoldy)