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Prediger 1,8

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Andachten

Es ist alles Tun so voll Mühe, dass niemand ausreden kann. Das Auge sieht sich nimmer satt, und das Ohr hört sich nimmer satt. Was ist's, das geschehen ist? Eben das hernach geschehen wird. Was ist's, das man getan hat? Eben das man hernach wieder tun wird; und geschieht nichts Neues unter der Sonne.
Ein Kampf eigener Art ist der Kampf gegen den weltlichen Überdruss. Die Welt gibt uns keine Sättigung, sondern nur Übersättigung, und Übersättigung ist zugleich Täuschung und Leere. Das hat Salomo auf jede Weise erfahren, als er sein Herz noch an die sichtbaren Güter hängen wollte. Sein Tun war damals eitel Mühe. Was für ein Tun? Der Eifer, mit dem er bald nach dem, bald nach jenem Besitz die Hände ausstreckte. Solch ein Abwechseln der weltlichen Ziele und Glücksgüter ist nur ein eitles Abmühen des Herzens, eine Mühe, die Niemand ausreden kann. Auge und Ohr werden betrogen, denn das Auge sieht sich nimmer satt und das Ohr hört sich nimmer satt. Wenn man morgens erwacht, muss man sich sagen: Was wird heute geschehen? Nichts Neues; aber das, was schon geschehen ist und wieder geschehen wird. Was werde ich heute genießen? Nichts anderes, als was ich schon genossen habe und mir schon verleidet ist. Es geschieht nichts Neues unter der Sonne; ich lebe in einem traurigen Einerlei und der Kreis, in dem ich herumgehe, ist nur der Kreislauf der Traurigkeit Das ist der weltliche Überdruss, die Quelle der Melancholie; und die schwersten inneren Kämpfe für eine Seele, die den Herrn nicht kennt, sind die Kämpfe mit dieser irdischen Übersättigung. Und doch suchen so viele betrogene Seelen nichts Andres! Sie stecken sich immer neue Ziele, und wissen zum Voraus, dass sie auch hier wieder betrogen werden. Wird die weltliche Traurigkeit zu überwältigend, so endigt sie mit dem Selbstmord; wo nicht, so ist sie doch eine Lähmung aller Lebenskräfte. Wie kann man einen Menschen aus diesem Zustand herausbringen? Gott selber muss hier ein Wunder tun. Es gibt, auch für einen weltlich Überdrüssigen, Stimmen genug, die ihn auffordern, sich eine andre Liebe und ein andres Leben zu suchen. So oft die Welt uns betrügt, sagt auch der Herr: Siehe, ich stehe vor der Türe und klopfe an. Je nachdem nun die Schwankungen des Herzens sich zuletzt für den Herrn, oder leider wieder für die Welt entscheiden, so kommt es zu einer Bekehrung oder nicht. Auch kann ein plötzliches Kreuz, ein empfindlicher Verlust von guter Wirkung sein für einen Weltkranken. Not lehrt beten, und wer beten lernt, lernt auch mit der Welt brechen und in Jesu etwas Besseres finden. (Friedrich Lobstein)

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