Psalm 87,3
Andachten
“Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes“.
Unter der Stadt Gottes ist Jerusalem gemeint, aber ein Jerusalem, das zahlreich das Vorbild der Gemeine Gottes auf Erden ist. War's damals schon herrlich, sofern die Großtaten Gottes immer und immer wieder. ausgerufen wurden, so ist's im Neuen Bunde noch herrlicher, da wir von einem Heilande hören, der uns zu lieb den Schoß des Vaters verließ, Knechtsgestalt annahm, unsre Sünden trug, für uns sich kreuzigen ließ, auferstanden, gen Himmel gefahren ist, zur Rechten Gottes sitzt und uns vertritt, endlich wiederkommen wird, Seine Kinder zu Sich in die Herrlichkeit hinaufzuholen. Das, und was Er sonst noch zur Verwirklichung Seines Reiches auf Erden getan hat, sind die herrlichen Dinge, die jetzt in der Stadt Gottes, d. h. mitten in Seiner Gemeine, gepredigt werden.
Dieser herrlichen Dinge eingedenk zu sein, macht unsern Frieden aus; und so wollen wir sie auch recht viel an unserm Geist vorübergehen lassen, wollen sie ergreifen und festhalten als Säulen unsres Heils. Wir können uns schon den Tag über, selbst mitten unter den Geschäften, vieles einfallen lassen. Wie wichtig aber sollten uns die herrlichen Dinge werden, so oft wir ins Haus Gottes gehen, namentlich auch zum Tisch des HErrn, da wir in dem Mahl, das wir empfangen, die Konzentration aller herrlichen Dinge, die uns verkündigt worden sind und werden, haben. Wir sollten gar nicht müde werden, uns alles, was mit JEsu vorgegangen ist, was Er getan und erlitten, auch verheißen hat, zu vergegenwärtigen. Tun wir's, so werden wir's uns wohl auch zu Nutz machen, um zum völligen. Seelenfrieden zu kommen, und zu einer Stärke in Ihm wider die Lüste des Fleisches und die Anfechtungen der Finsternis. Der HErr gebe es uns, dass wir allezeit aus allem, was uns gepredigt wird, reichen Gewinn ziehen! (Christoph Blumhardt)
Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes.
Was sind das für große Verstellungen des Evangeliums, nach welchen diejenigen, welche ihm gehorsam sind, nicht mehr unter dem Gesetz stehen, welches ihnen nichts mehr zu verbieten, nichts mehr zu drohen, nichts mehr zu verheißen hat, dem sie getötet sind, und gegen welches sie nach Römer 7. eben so wenig Verpflichtungen haben, als ein Weib gegen ihren verstorbenen Mann; sintemal sie bei einem andern, nämlich Christo, sind? Was für erstaunliche Vorstellungen, nach welchen bußfertige Sünder, die nichts als Sünd und Elend, wenn gleich auch Kummer und Betrübnis darüber, so wie Hass und Widerwillen dagegen in sich finden, im Evangelio angewiesen werden, sich dafür zu halten, das sie samt Christo - ich will nicht sagen: gekreuzigt und gestorben, ich will auch nicht sagen: samt ihm erweckt sind, um in einem neuen Leben zu wandeln, sondern - was noch mehr ist sich für solche zu halten, welche samt ihm schon gen Himmel gefahren sind, die also nicht erst selig zu werden brauchen, sondern es schon längst sind, die bei Leibes Leben den Tod, das Grab, das Gericht, nicht mehr vor sich, sondern schon längst hinter sich liegen haben, dieweil sie durch den Glauben vom Tode zum Leben durchgedrungen sind, und nicht ins Gericht kommen? Sind das nicht ganz außerordentliche Dinge, und sollte man nicht geneigter sein zu denken, bei solchen Vorstellungen liege mehr Übertreibung als echte Wahrheit zu Grunde? So wird's aber dem Glauben vorgehalten, so soll er Christum fassen, so soll er lauter Sieg sein. (Gottfried Daniel Krummacher)