Psalm 49,8
Andachten
Kann doch ein Bruder niemand erlösen noch Gott jemand versöhnen.
Dies ist ein gewaltiger Beweis, dass Reichtum nichts hilft am Tage des Zorns oder des Gerichts, oder im Tode, wie Salomo sagt: Spr. 11, 4. Wenn das Urteil und Gericht Gottes kommt und die Rache des Allmächtigen über die Gottlosen, dass sie entweder zur Strafe gezogen werden oder sterben sollen, so hilft dann kein zeitlich Gut oder Geld, so werden solche trotzige Frevler, die mit ihrem Gut und Gewalt jedermann getrotzt haben, zu Schanden, und werden die elendesten unter allen Menschen; denn sie haben keinen Trost. Das Zeitliche, worauf sie sich verlassen haben, hilft ihnen nicht, und Gott, welchen sie verlassen haben, ist ihnen ungnädig. Bruder und nahe Blutsfreunde können auch nicht helfen, denn Gott lässt Sich nicht mit Geld versöhnen, noch mit eines Menschen Werke; es heißt hier: Der Gerechte wird seines Glaubens leben. Weil du Mein Wort verworfen hast, habe Ich dich wieder verworfen. Weil du den HErrn deinen Gott verlassen hast, hat Er dich auch verlassen; weil du geraubt hast, sollst du wieder beraubt werden. wehe alsdann der armen Seele! Was hilfts nun einem Menschen, wenn er die ganze Welt hätte, und verlöre seine Seele und sich selbst? was will er geben seine Seele zu erlösen? Das ist, mit aller Welt Gut kann man nicht eine einige Seele erlösen.
Ach Gott und Herr, wie groß und schwer sind mein begangne Sünden! Da ist niemand, der helfen kann, in dieser Welt zu finden. (Johann Arnd)
„Kann doch ein Bruder Niemand erlösen, noch Gotte Jemand versöhnen; denn es kostet zu viel, ihre Seele zu erlösen, dass er's muss lassen anstehen ewig.“
So viele sind in unsrer Zeit gleich dabei, zu meinen, sie können mit ihren Gebeten Verstorbene aus etwaiger Pein erlösen, oder könnten sie mit Gott versöhnen, dass sie herausgehoben würden aus einem unguten Zustand in einen guten. Aber „kein Bruder kann den anderen erlösen.“ Lebenden können wir hienieden durch Fürbitte dienen. Da sieht Gott unsere Teilnahme an, dass selbst eine Erlösung und Versöhnung erreicht werden kann. Denn durchs Evangelium ist es doch so geworden, dass wir einander erlösen müssen, nur nicht mit unsrer Kraft, sondern mit der Kraft Christi. Denn der HErr sagt: Was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel los sein. Die Apostel namentlich und Knechte des HErrn sollen die Gebundenen lösen. So ist im Neuen Bund das in gewisser Hinsicht geworden, was im Alten unmöglich war. Wenn natürlich der Kaufpreis nicht gegeben wäre durchs Blut Christi, so wäre all unsere Sache umsonst. So können wir jetzt auch Leuten zur Versöhnung helfen. Denn der HErr sagt zu Seinen Knechten: Welchen ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben. Man muss also den Spruch nicht missverstehen. Viele meinen wohl dem System nach, man brauche niemand, der einem beistehe, aber es ist merkwürdig, wie solche Leute, wenn sie sich nicht mehr zu helfen wissen, eben doch auch andere aufsuchen. Aber natürlich, wenn ich von dem Meinigen zahlen müsste für den, dem ich helfen soll, da wäre ich angeführt. Der Heiland hat müssen zahlen, und nur Seinetwillen sollen wir jetzt für einander sorgen. Etwas von der Heilands - Mühe müssen wir für andere haben, und wie froh sind sie oft darum! (Christoph Blumhardt)