Psalm 35,11
Andachten
Ps. 35, 11. Es treten frevelhafte Zeugen auf, die zeihen mich, des ich nicht schuldig bin.
Hier sieht man, wie ein Notleidender und Verfolgter Gott dem HErrn seine Not klagt und von Grund des Herzens erzählt. Wenn man einem frommen getreuen Menschen seine Not klagt, so bewegt man ihm das Herz zum Mitleiden und zum Seufzen, und schreibt gleichsam demselben seine Klage und Not in sein getreues mitleidendes Herz. Was meint ihr nun, wie unserm HErrn Gott und Seinem hochgetreuen Herzen solch Elend, wenn Ihm nämlich die Frommen klagen, dass sie mit Lügen und Verleumdung verfolgt werden, zu Gemüte gehe, und wie es Ihm in Sein getreues Herze geschrieben werde, und wie Gott dadurch zur Rache bewogen werde? Ach! lasst es uns ja nicht so machen, dass wir vor Gott, dem gerechten Richter verklagt werden; es wird ein Denkzettel vor Seinen Augen und wird nicht vergessen. Wenn nun auch wider uns frevelhafte Zeugen auftreten und uns zeihen, des wir nicht schuldig sind, so sollen wir uns damit trösten, dass es dem HErrn Christo in Seinem Leiden auch so ergangen sei, und dass wir auch in diesem Stücke dem Ebenbilde des Sohnes Gottes ähnlich werden. „Selig seid ihr, so euch Menschen um Meinetwillen schmähen rc., Matth. 5,11.
Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmet mir mein Herz; die Höll und ihre Flammen, die sind mir nur ein Scherz. Kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt; weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt. (Johann Arnd)