Jesaja 1,5
Andachten
Das ganze Herz ist matt.
Wenn die Kraft Christi in uns mächtig werden soll, dann müssen wir zuerst unsre Ohnmacht erkennen und von dem Apostel Paulus lernen, der sich am allerliebsten seiner Schwachheit rühmen wollte. Wer nur auf sich und die eigne Kraft sieht, der muss bekennen: „Das ganze Herz ist matt.“ Das arme Herz ist matt in der Arbeit. Das ist doch des Menschen eigentliche Arbeit, dass er durch die Werke des täglichen Berufes hindurch nach dem Himmel zu wandert und im Reiche Gottes wirkt, so lange er kann. gilt es an der eignen Seele zu schaffen, damit sie selig werde. Und das ist deshalb so schwer, weil die Arbeit an uns zum großen Teil eine Arbeit gegen uns ist. Wir sollen gegen unsren alten Adam täglich angehen; wir sollen gegen Lüste und Begierden auftreten; wir haben den eignen bösen Willen zu brechen; wir haben zu verlassen, was uns von Jesu scheidet - das ist lauter Arbeit, die gegen uns selbst gerichtet ist. Und diese Arbeit ist nicht leicht. Auch das soll unsre Arbeit sein, dass wir Bausteine herzutragen, damit das Reich Gottes gebaut werde in Haus und Schule und Kirche und Stadt und Land. Zu solcher Arbeit ist das Herz oft so sehr schwach. -
Und es ist auch matt im Leide. Es kommen Zeiten an den Menschen heran, da hat er seine Gethsemanestunde. Da kommt der Leidenskelch mit seinem schmerzbringenden Tranke immer näher, und das Kreuz liegt für uns bereit. Der Kelch will getrunken werden, auch wenn er noch so bitter ist; das Kreuz will getragen sein, auch wenn es noch so schwer ist. Und gerade so sollen wir leiden, dass wir die Gnadenhand des treuen Gottes merken, die uns schlägt, und uns dieser Gnadenhand willig überlassen. Dazu aber gehört eine Seelenstärke, die wir bei uns selbst nicht finden. Auch im Leide ist das ganze Herz matt. Suche Kraft; Jesus hat sie und gibt sie.
Lasst uns beten: Dir klagen wir es, lieber Herr und Erbarmer, dass unser Herz so matt ist, so ganz matt. Wenn Du uns rufst zur Arbeit an unsrer Seligkeit, wenn wir Fleisch und Blut bekämpfen sollen, da fehlt uns die Lust; und wenn wir für Dein Reich wirken sollen, da will die Arbeitskraft nicht kommen; und wenn Du Dein Kreuz uns auf die Schultern legst, so vermögen wir es nicht zu tragen. O, lieber Herr Jesu, vergib uns alle Schwäche und Kraftlosigkeit und lass uns diesen Tag nach Deiner Kraft ausschauen, die ja in den Schwachen mächtig sein will. Führe unser mattes Herz hin zu Dir, dass es Erquickung finde. Amen. (Wilhelm Hunzinger)