Psalm 119,67
Andachten
Ehe ich gedemütigt ward, irrte ich; nun aber halte ich dein Wort.
Unsere Trübsal ist oft wie eine Dornenhecke, die uns auf der guten Weide festhält, aber unser Wohlergehen ist eine Lücke im Zaun, durch die wir auf Irrwege geraten. Wenn wir uns einer Zeit erinnern, in der wir ohne Not und Sorge waren, so werden wir uns auch erinnern, dass es damals bei uns mit der Gnade schwach bestellt war und dass wir große Versuchungen hatten. Wenn sich ein Christ nach den Tagen zurücksehnt, in denen er ohne Sorge war, so ist das sehr töricht und entspringt aus fleischlicher Liebe zur Bequemlichkeit. Der geistlich Gesinnte, der das Wachstum in der Gnade zu schätzen weiß, preist Gott, dass die gefährliche, erschlaffende Wärme vorüber ist und kalte Stürme die Widerstandskraft herausfordern. Warum bewirkt ein bisschen Wohlsein gleich Unwohlsein bei uns? Können wir niemals rasten ohne zu rosten? Sind wir so schwach, dass wir nicht einmal ein bisschen Freude ertragen können? So verderbt ist unser Herz, dass es in der Fülle von Gottes Güte gleich einen Anlass zum Sündigen findet. - „Nun aber halte ich dein Wort.“ Das Herz steht in der Gnade, das durch die Züchtigung gebessert wird. Man pflügt vergeblich einen unfruchtbaren Boden und wo kein geistliches Leben ist, wirkt die Trübsal auch keinen geistlichen Segen. Aber wenn das Herz gesund ist, weckt die Trübsal das Gewissen, wir bekennen unsre Verirrung, die Seele lernt wieder gehorchen und bleibt dann auch im Gehorsam. Schläge machen einen Empörer nicht zu einem Kind, aber das Kind wird durch die Rute gebessert. Mancherlei köstlichen Segen bringt die Trübsal; eine ihrer Wirkungen ist die, dass sie der Übertretung einen Baum anlegt und das Streben nach Heiligung anspornt. Seien wir dankbar dafür! (Charles Haddon Spurgeon)